Kurztrips und spontane Abreisen prägen laut dem Tourismusforscher Harald Zeiss zunehmend das Reiseverhalten. In einem Gespräch mit SWR1 erklärt Zeiss, wie Zeitgeist, flexible Arbeitszeiten und die Nutzung digitaler Angebote dazu führen, dass immer mehr Menschen kürzere, dafür häufigere Reisen unternehmen — und welche Rolle Künstliche Intelligenz (KI) dabei wirklich spielt.
Warum Kurztrips boomen
Zeiss führt den Trend zu kürzeren Reisen zunächst auf gesellschaftliche Einstellungen zurück: Viele Reisende möchten möglichst viel erleben und ziehen es vor, mehrere Orte in kurzen Etappen zu besuchen. Das Ergebnis sind vermehrte Kurztrips statt längerer Aufenthalte an einem Ort. Ein weiterer Faktor sind veränderte Arbeitsmodelle: Flexible Arbeitszeiten erlauben es, kurzfristig frei zu nehmen oder unterwegs zu arbeiten, wodurch spontane Kurzaufenthalte attraktiver werden.
"Das ist ein bisschen der Zeitgeist, dass man viel erleben möchte."
Auch das kurzfristige Entscheiden hängt laut Zeiss mit der Unsicherheit zusammen, etwa was Wetterverhältnisse angeht. Viele Reisende warten mit der Buchung, bis die Prognosen günstiger erscheinen. Gleichzeitig spielen soziale Medien eine Rolle bei der Motivation: Das Repräsentationsbedürfnis und der Wunsch, mehrere Ziele zu zeigen, verstärken die Neigung zu vielfältigen Kurztrips.
KI: Guter Reiseführer, schlechte Buchungsquelle
Zum Einsatz von KI bei der Urlaubsplanung differenziert Zeiss: Als Inspirationsquelle und digitaler Reiseführer kann KI sehr hilfreich sein. Sie liefert Ideen, Routenvorschläge und Hinweise zu Sehenswürdigkeiten. Bei konkreten Buchungen rät er aber zur Vorsicht. KIs wie ChatGPT haben keine stets aktuellen Verfügbarkeits- oder Preisdaten für Hotelzimmer — diese Informationen liefern die Systeme der jeweiligen Anbieter besser.
Zeiss empfiehlt deshalb, für die Buchung von Unterkünften die direkten Plattformen von Anbietern oder etablierte Buchungsdienste zu nutzen, statt allein auf generische KI-Antworten zu vertrauen. Für die inhaltliche Reiseplanung sei KI hingegen nützlich.
Langfristige Veränderungen im Reiseverhalten
Bereits seit den Zeiten der Billigflieger beobachte die Branche, dass Reisende bereit seien, günstiger anzureisen und dafür mehr für die Unterkunft auszugeben. Zeiss verweist darauf, dass selbst Gäste, die Komfort schätzen, oft günstige Flugverbindungen in Kauf nehmen. Das Verhalten habe viele Reiseveranstalter überrascht und beeinflusse weiterhin Angebotsgestaltung und Preisstrategien.
- Kurztrips: Häufiger, kürzer — Reisende wollen mehr Erlebnisse an verschiedenen Orten.
- Spontane Buchungen: Flexiblere Arbeitszeiten und Wettereinflüsse führen zu späteren Entscheidungen.
- KI: Gut für Inspiration und Reiseplanung, aber nicht verlässlich für aktuelle Verfügbarkeiten oder Preise.
| Aufgabe | Empfehlung von Zeiss |
|---|---|
| Ideensammlung und Routen | KI nutzen |
| Aktuelle Hotelverfügbarkeit / Preise | Direkte Anbieter- oder Buchungsplattformen nutzen |
Für Reisende bedeutet das konkret: KI kann beim Entdecken neuer Ziele und beim Erstellen von Tagesplänen helfen, aber die finale Buchung sollte über Anbieter erfolgen, die Echtzeitdaten liefern. Diese Trennung hat praktische Folgen für Verbraucherschutz, Vergleichsportale und für die Akzeptanz neuer Technologien in der Branche.
Die Beobachtungen von Zeiss zeichnen ein Bild, in dem technologische Möglichkeiten, gesellschaftliche Erwartungen und ökonomische Prioritäten zusammenwirken. Wer künftig günstiger anreist, bleibt kürzer oder bucht spontan — diese Dynamik stellt sowohl Anbieter als auch Destinationen vor die Aufgabe, flexiblere Produkte und aktuelle Informationen bereitzustellen.
Für Reisende heisst das: Kurzentschlossenheit kann reizvoll sein. Wer aber beim Preis und der Verfügbarkeit keine Überraschungen will, überprüft Buchungsdetails stets auf den Plattformen der Anbieter oder auf etablierten Buchungsportalen.