Ein massiver Protest von Harry-Potter-Fans hat die Planung eines millionenschweren Stromprojekts zwischen Grossbritannien und Irland beeinflusst. Der Greenlink-Interkonnektor, der seit Anfang 2025 britisches und irisches Stromnetz per Seekabel verbindet, sollte ursprünglich direkt an der Film-Grabstätte des Hauselfen Dobby bei Freshwater West vorbeiführen. Nach zahlreichen Besorgnisanrufen entschied das Projektteam, die Trasse so zu ändern, dass die Gedenkstätte unberührt bleibt.
Wie Fans die Planung beeinflussten
Projektleiter Simon Ludlam berichtete in einem Podcast über die unerwartete Reaktion nach einem BBC-Interview: Hunderte Anrufer hätten sich gemeldet und ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Ein Kollege habe ihm erklärt, die Lage sei «sehr, sehr ernst». Ludlam, offenbar zunächst ungläubig, reagierte überrascht, weil es sich bei Dobby um eine fiktive Figur handele. Schlussendlich wurden die ursprünglichen Pläne verworfen und das Kabel umverlegt, sodass die Gedenkstätte nicht betroffen ist.
«Er ist eine fiktive Figur in einem fiktiven Buch, das Ganze ist erfunden, wovon redet ihr?»
Greenlink und die Film-Grabstätte
Der Greenlink-Interkonnektor verbindet laut Berichten seit 2025 das britische Stromnetz per Unterseekabel mit Irland. Das Kabel verläuft zwischen der Grafschaft Wexford und Freshwater West, einem Strand im walisischen Pembrokeshire, an dem eine Szene der Harry-Potter-Filme gedreht wurde. Dort hat sich eine inoffizielle Gedenkstätte für den im Film beliebten Hauselfen etabliert, die Jahr für Jahr zahlreiche Fans anzieht.
Die Besucherinnen und Besucher hinterlassen oft beschriftete Steine und gelegentlich Socken – ein Bezug zur Filmhandlung, in der Dobby durch das Geschenk einer Socke befreit wird. Die Stelle hat sich im Laufe der Jahre zu einem Pilgerort für Fans entwickelt und war schon früher Gegenstand von Diskussionen über ihren Verbleib: 2022 führte eine Online-Umfrage der Stiftung National Trust dazu, dass die Film-Grabstätte an ihrem Standort belassen werden durfte.
Konsequenzen für Infrastruktur und Öffentlichkeit
Der Fall illustriert, wie kulturelle Bedeutungen vor Ort technische Projekte beeinflussen können. Obwohl es sich bei der Gedenkstätte um eine nicht-offizielle Erinnerung handelte, erwies sich die öffentliche Sentimentstärke als ausreichend, um die Projektplanung zu beeinflussen. Das Projekt läuft laut Ludlam nun wie geplant weiter, und die Entscheidung, die Trasse anzupassen, scheint sowohl bei den Fans als auch beim Betreiber auf Erleichterung gestossen zu sein: «Viele Leute waren darüber sehr froh, und das Projekt läuft nun, und Dobby ist glücklich», sagte Ludlam.
- Greenlink ist seit Anfang 2025 in Betrieb.
- Die umstrittene Trasse wäre ursprünglich durch die Nähe zur Gedenkstätte verlaufen.
- Hunderte Anrufe von Fans führten zur Verlegung des Kabels.
Für Planerinnen und Planer von Infrastrukturprojekten bedeutet dies: Neben technischen und ökologischen Aspekten spielen auch kulturelle und symbolische Orte eine Rolle bei der Akzeptanz in der Bevölkerung. Solche Orte können, selbst wenn sie nicht offiziell geschützt sind, starken öffentlichen Rückhalt geniessen und so Entscheidungsprozesse beeinflussen.
Für die Fans von Freshwater West ist das Ergebnis ein Erfolg: Die Gedenkstätte bleibt erhalten und der Ort kann weiterhin als Treffpunkt für Erinnerungen an die Filmreihe dienen. Für die Betreiber von Greenlink bedeutet die Umplanung vermutlich zusätzlichen Aufwand und Kosten, doch das Projekt bleibt in Betrieb.
Ob und in welchem Umfang ähnliche Proteste künftig Planungen beeinflussen können, hängt von vielen Faktoren ab: der Bedeutung des Ortes für die Öffentlichkeit, der Medienberichterstattung und der Reaktionsbereitschaft der Projektverantwortlichen. Der Fall Greenlink zeigt, dass selbst fiktive Figuren reale Auswirkungen auf reale Infrastruktur haben können.