Umwelt Beringen Schaffhausen (SH)

Grüne verlangen strikte Umweltauflagen für zweites Datencenter in Beringen

Die GRÜNEN Schaffhausen lancieren eine Petition und fordern Mindestanforderungen für Abwärme- und Kühlwassernutzung, weil sie sonst eine zu rasche Bewilligung des Projekts befürchten.

Grüne verlangen strikte Umweltauflagen für zweites Datencenter in Beringen
©Illustration KI Nadine Bühler / we-news.com

Die GRÜNEN des Kantons Schaffhausen haben eine Petition gestartet, mit der sie strengere ökologische Auflagen für das geplante zweite Datencenter in Beringen durchsetzen wollen. Aus Sicht der Partei droht das Projekt andernfalls in einem beschleunigten Bewilligungsverfahren Realisierung zu finden, ohne dass ausreichende Vorkehrungen für Klima-, Energie- und Wasserschutz getroffen sind.

Konkrete Forderungen an den Regierungsrat

Im Kern verlangt die Petition drei Mindestanforderungen: Die Nutzung von Abwärme soll zu mindestens 50 Prozent gesichert sein, der Anteil von Frischwasser beim Kühlwasser darf maximal 50 Prozent betragen, und das Projekt müsse einen nachweisbaren Nutzen für die regionale Arbeitswelt bringen. Diese Forderungen haben die GRÜNEN im Kantonsrat als Motion aufgenommen; der Vorstoss wurde mit 38 zu 17 Stimmen an die zuständige Bau-, Verkehrs- und Energiekommission überwiesen.

Gegensatz zwischen Forderung und Planung

Laut den vorliegenden Planungen der Projektbetreiberin ist vorgesehen, beim Kühlwasser lediglich 16 Prozent Recyclingwasser einzusetzen. Eine systematische Planung zur Nutzung der Abwärme liegt demnach derzeit nicht vor. Für die GRÜNEN erhöht dies die Dringlichkeit ihrer Petition: Sie befürchten, dass das Baugesuch in einem Schnellverfahren bewilligt werden könnte, ähnlich wie beim ersten Datencenter, bevor neue, verbindliche ökologischen Vorgaben greifen.

  • Abwärmenutzung: mindestens 50% gefordert
  • Kühlwasser: maximal 50% Frischwasser erlaubt
  • Regionale Wertschöpfung: Nachweislicher Nutzen für Arbeitsplätze gefordert

Warum Datencenter ökologisch heikel sind

Datencenter sind von zentraler Bedeutung für digitale Infrastruktur, gleichzeitig verursachen sie intensive Umwelteinwirkungen. Der Betrieb benötigt grosse Strommengen und viel Kühlung; dabei entsteht Abwärme und es wird Wasser verbraucht. Entscheidend ist, wie Betreiber mit diesen Nebenströmen umgehen: Eine effiziente Abwärmenutzung kann die Klimabilanz verbessern, Recyclingwasser den Frischwasserbedarf senken.

Im Kanton Schaffhausen hat die Diskussion deshalb ein Gewicht, das über die Gemeindegrenzen hinausreicht: Es geht nicht nur um ein einzelnes Projekt, sondern um grundsätzliche Fragen der Infrastrukturplanung in Zeiten wachsender Rechenkapazitäten durch Cloud-Dienste und Künstliche Intelligenz.

Politischer Prozess und nächste Schritte

Der Kantonsrat hat den Vorstoss an die Kommission überwiesen; dort sollen die technischen, rechtlichen und ökologischen Aspekte vertieft geprüft werden. Parallel dazu läuft die von den GRÜNEN initiierte Petition an den Regierungsrat, mit der ein Bewilligungsverfahren im Schnellverfahren verhindert werden soll, solange die geforderten Mindestanforderungen nicht erfüllt sind.

Ein zentrales Element der weiteren Beratung wird sein, welche Auflagen rechtlich und technisch durchsetzbar sind und in welchem Umfang kantonale Vorgaben zukünftige Baugesuche beeinflussen können. Die Kommission wird neben ökologischen Kriterien auch wirtschaftliche Aspekte und die regionale Arbeitsmarktwirkung prüfen müssen.

Vergleich: Forderungen versus Betreiberplanung

Kriterium Forderung (GRÜNE / Kantonsrat) Aktuelle Betreiberplanung
Abwärmenutzung ≥ 50% Keine systematische Planung vorhanden
Frischwasseranteil Kühlung ≤ 50% 84% Frischwasser (d.h. 16% Recyclingwasser)
Regionale Wirkung Nachweisbarer Nutzen für Arbeitsplätze Unklar / keine Angaben

Auswirkungen für die Gemeinde Beringen

Für Beringen stellen sich mehrere Fragen: Wie beeinflusst das Datencenter den lokalen Energiebedarf und die Wasserressourcen? Gibt es Möglichkeiten, die Abwärme sinnvoll in der Region zu nutzen, etwa für Fernwärmeprojekte oder Industrieprozesse? Und in welchem Umfang entstehen dauerhafte Arbeitsplätze vor Ort?

Die Diskussion bietet der Gemeinde und dem Kanton die Chance, verbindliche Standards zu setzen, die über Einzelfallentscheidungen hinausreichen. Ziel muss es sein, wirtschaftliche Entwicklung mit langfristigem Umwelt- und Ressourcenschutz zu verbinden.

Offene Punkte und Ausblick

Unklar bleibt, wie der Regierungsrat auf die Petition reagieren wird und ob er bereit ist, zusätzliche Bedingungen an laufende oder zukünftige Bewilligungsverfahren zu knüpfen. Die fachliche Prüfung in der Kommission wird entscheidend sein für den weiteren Fahrplan: Sie klärt technische Machbarkeit, rechtliche Möglichkeiten und die Auswirkungen auf bestehende Bewilligungsverfahren.

Die Debatte in Schaffhausen ist Teil eines nationalen Trends: Mit der Zunahme grosser Rechenzentren wächst der Druck, ökologische Standards zu definieren. Beringen könnte hier zum Prüfstand werden, ob solche Mindestanforderungen praktisch umsetzbar und politisch durchsetzbar sind.

Nadine Bühler
Nadine KI KI-Ressortleiterin Umwelt – WE NEWS online

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