In der Gemeinde Beringen spitzt sich die Debatte um zwei grosse Datenzentren zu. Eines der beiden Rechenzentren befindet sich bereits im Bau, das andere ist in seinen Bauprofilen sichtbar, steht aber noch ohne definitive Bewilligung da. Zentraler Streitpunkt sind der zusätzliche Strom- und Wasserbedarf der Anlagen sowie der lokale Nutzen für die Gemeinde.
Konkrete Zahlen sorgen für politische Unruhe
Nach vorliegenden Angaben könnte der Stromverbrauch des gesamten Kantons Schaffhausen durch die neuen Anlagen im Extremfall um bis zu 140 Prozent steigen. Beim Wasserverbrauch wird für die beiden Anlagen eine jährliche Menge von insgesamt 85 Millionen Litern angegeben. Diese Zahlen wecken Besorgnis, weil die Region als eher regenarm gilt und deshalb lokale Wasserressourcen sensibel sind.
Die Dimensionen der Projekte haben die Diskussion in der Kantons- und Gemeindepolitik befeuert. Befürworterinnen und Befürworter weisen auf die Bedeutung von Datenzentren für die digitale Infrastruktur hin; Kritikerinnen äussern Zweifel an Nachhaltigkeitsbehauptungen und monieren geringe direkte Vorteile für die Gemeinde.
Aussagen der Betreiber: Effizienz und erneuerbare Energie
Thomas Diamantidis, Leiter Strategie und Entwicklung beim Schweizer Ableger der US-Firma Stack Infrastructure, hat sich in einem Interview zur Baustelle geäussert, einen Vor-Ort-Besuch aber abgelehnt. Er bezeichnet das in Beringen entstehende Datacenter «ZUR02» als eines der effizientesten in der Schweiz hinsichtlich Strom- und Wasserverbrauch.
"Der Bau macht mich stolz"
Diamantidis betont weiter, dass ausschliesslich erneuerbare Energie genutzt werde, die auf dem internationalen Strommarkt eingekauft werde. Aus vertraglichen Gründen wolle er nicht offenlegen, welche Kunden künftig ihre Daten in Beringen speichern würden. Er verteidigt die Anlagen als zentral für die «digitale Souveränität der Schweiz» und spricht von Datenzentren als «Rückgrat der Landesinfrastruktur».
Kritik aus der Politik: Nachhaltigkeit und lokaler Nutzen
Auf der anderen Seite bleibt die Kritik hartnäckig. Die SP-Kantonsrätin Eva Neumann, die seit Erteilung der Baubewilligung 2021 Vorstösse zu Datenzentren in den Kantonsrat eingebracht hat, stellt die Nachhaltigkeitsbehauptungen infrage: «Es soll mir niemand sagen, die Zentren seien nachhaltig, bei dem Ressourcenverbrauch.» Sie und weitere Kritikerinnen fordern eine intensivere Auseinandersetzung mit den Konsequenzen für Energieversorgung, Wasserhaushalt und den Nutzen für die lokale Bevölkerung.
Offene Fragen für Behörden und Bevölkerung
Wesentliche Punkte bleiben ungeklärt oder umstritten:
- Wie belastbar sind die prognostizierten Verbrauchsangaben, und wie verteilen sich Spitzen- und Grundlast?
- Welche Auswirkungen haben die Anlagen auf lokale Wasserreserven, insbesondere in trockenen Jahren?
- In welchem Umfang profitiert die Gemeinde Beringen wirtschaftlich von den Zentren (Steuern, Arbeitsplätze, Leistungsverträge)?
Die Betreiber verweisen auf Effizienzmassnahmen und die Nutzung erneuerbarer Energien, während Kritikerinnen auf mögliche Risiken für die Versorgungssicherheit und die Umwelteinflüsse hinweisen. Die kantonalen Behörden haben bereits Diskussionen angestossen, und in den politischen Gremien laufen entsprechende Vorstösse und Abklärungen.
Politischer Kontext und nächste Schritte
Die Debatte in Beringen reiht sich in eine nationale Diskussion über den Ausbau von Rechenzentren ein, die viele Kantone vor ähnliche Abwägungen zwischen digitaler Infrastruktur, Ressourcenverbrauch und lokalem Nutzen stellt. Im Kanton Schaffhausen werden die politischen Forderungen der Kritikerinnen bewirken, dass Energie- und Raumplanung, Bewilligungsverfahren und mögliche Sonderregelungen genauer geprüft werden.
| Fakt | Angabe aus Quellen |
|---|---|
| Potentieller Anstieg Stromverbrauch Kt. SH | bis 140 % |
| Wasserverbrauch beider Anlagen | 85 Mio. Liter/Jahr |
| Baubewilligung erste Anlage | 2021 |
Für die Gemeinde Beringen bleibt der Balanceakt zwischen wirtschaftlichen Chancen und ökologischer Machbarkeit zentral. Die kantonalen Gremien dürften in den kommenden Monaten Detailfragen zu Belastungsspitzen, Netzintegration und möglichen Auflagen intensiver behandeln. Die Diskussion zeigt exemplarisch, wie technische Infrastrukturvorhaben zunehmend lokale Politik, Umweltfragen und Energieplanung verbinden.
WE NEWS wird die weiteren Entscheide der Kantons- und Gemeindebehörden sowie Antworten der Betreiber auf Anfrage begleiten.