Training unter ungewöhnlichen Bedingungen
Während draussen die Sonne praktisch die 30‑Grad‑Marke kratzte, zogen sich Spieler des EHC Olten in voller Ausrüstung die Schlittschuhe an und stellten sich auf eine neue, ungewohnte Unterlage: ein Kunsteisfeld. Das Feld wurde erstmals begutachtet, am zweiten Tag spielten die Profis ein 3‑gegen‑3. Schweisstropfen an den Helmen und ein Ventilator, der auf Hochtouren lief, gehörten zum Bild; das thermische Umfeld war für eine Eis‑Simulation untypisch warm.
Der Test diente der Erprobung dieser Alternative zum traditionellen Sommereis. Ziel ist offenbar, auch in heissen Perioden Trainingsmöglichkeiten anzubieten, wenn echtes Eis nicht zur Verfügung steht.
Erste Eindrücke: Eingewöhnung und erhöhter Kraftaufwand
Die Meinungen innerhalb der Mannschaft fielen unterschiedlich aus, doch zwei Punkte traten klar hervor: die anfängliche Eingewöhnungszeit und der erhöhte körperliche Aufwand beim Fortbewegen.
- Eingewöhnungszeit: Spieler berichten von rund einer Viertelstunde, bis sich die Bewegungen normalisierten.
- Fahrverhalten: Die neue Oberfläche bietet spürbar mehr Reibung; Gleiten ist deutlich eingeschränkt.
- Kraftaufwand: Das Fahren und Beschleunigen verlangt mehr Kraft, sodass die Belastung der Spieler steigt.
Stürmer Dominic Weder beschrieb das Gefühl beim ersten Kontakt mit dem Kunsteisfeld als «komisch»; anfänglich habe er sogar überlegt, das Training abzubrechen. Mit zunehmenden Runden gewöhnte er sich jedoch an die Oberfläche. Er bezeichnete das Fahren auf dem Kunstfeld als anstrengender als auf normalem Eis, erklärte aber gleichzeitig, dass die Lösung für die Sommermonate sinnvoll sei, wenn kein Sommereis verfügbar ist.
«In den ersten Runden hatte ich Mühe, ich habe sogar gedacht, dass ich Forfait geben muss», sagte Dominic Weder und lachte.
Verteidiger Silvan Wyss bestätigte die Eindrücke: Auch er brauchte anfangs Zeit, um die neue Oberfläche unter den Kufen zu akzeptieren. Beim Spiel selbst sei es nochmals anders gewesen; die Umstellung habe rund eine Viertelstunde gedauert. Wyss äusserte sich zudem skeptisch, ob auf einer solchen Oberfläche künftig Profi‑Partien auf Swiss‑League‑Niveau ausgetragen werden könnten – die Belastung sei zu hoch.
«In meinem Alter eher weniger, weil es schon mega anstrengend ist», sagte Silvan Wyss in Anspielung auf mögliche Ligaspiele auf dem Kunsteisfeld.
Folgen für Training und Verein
Der Test zeigt, dass das Kunsteisfeld eine praktikable Sommersolution für Trainingszwecke sein kann. Für die Trainingsplanung des EHC Olten bedeutet dies:
| Aspekt | Folgerung für Training |
|---|---|
| Eingewöhnung | Kurze Umstellungsphase zu Beginn einplanen |
| Kondition | Erhöhter Kraftaufwand verlangt Anpassung der Belastungssteuerung |
| Spielqualität | Geeignet für Trainings, nicht gleichwertig mit echtem Eis für Spiele |
Trainer und Mannschaft müssen demnach Trainingsformen anpassen: Mehr Augenmerk auf Kraft‑ und Konditionseinheiten, vielleicht kürzere Intervalle auf dem Kunsteisfeld und Aufgaben, die die veränderten Gleitverhältnisse berücksichtigen. Für die Saisonvorbereitung kann das eine Ergänzung sein, die das Sommertraining trotz fehlendem Sommereis ermöglicht.
Konsequenzen für die Region
Für Olten bietet ein solches Kunsteisfeld eine Möglichkeit, die sportliche Infrastruktur in heissen Perioden zu erweitern. Das Interesse lokaler Vereine und Nachwuchsabteilungen dürfte gross sein, denn eingeschränkte Eiszeiten im Sommer sind für viele Clubs ein Problem. Ob das Kunsteisfeld jedoch eine dauerhafte Ergänzung wird oder nur eine vorübergehende Option, bleibt offen; der Test bei hohen Temperaturen liefert erste praktische Erkenntnisse, stellt aber auch Grenzen klar.
Wichtig bleibt, dass die technischen Eigenschaften der Oberfläche sowie die gesundheitliche Belastung der Spieler in weiteren Tests genau beobachtet werden. Der jetzige Eindruck ist, dass das Feld eine sinnvolle Ergänzung für Trainingseinheiten darstellt, jedoch nicht als vollwertiger Ersatz für echtes Eis im Wettkampf gilt.
Für den EHC Olten bedeutet das: zusätzliche Trainingsmöglichkeiten im Sommer, zugleich aber eine Anpassung der Trainingsmethodik, um die erhöhte Belastung zu berücksichtigen. Ob und wie oft das Kunsteisfeld künftig genutzt wird, dürfte vom weiteren Praxiseinsatz und von Rückmeldungen der Spieler abhängen.