Géraldine Di Tizio-Frey verpasst an der Leichtathletik-EM in Birmingham eine Medaille über 100 Meter um eine einzige Hundertstelsekunde. Die 29-jährige Zugerin lief im Final eine Zeit von 11,07 Sekunden und wurde damit undankbare Vierte. Bronze ging an die Belgierin Delphine Nkansa in 11,06 Sekunden, Silber an die Polin Ewa Swoboda in 11,02 Sekunden, Gold gewann die Lokalmatadorin Amy Hunt in 11,00 Sekunden.
Knapp verloren – ein Wimpernschlag entscheidet
Di Tizio-Frey galt als Mitfavoritin, nachdem sie vor dem Meeting mit einer Jahresbestleistung von 10,96 Sekunden angereist war. Im Halbfinal bestätigte sie diese Form und gewann ihren Lauf souverän in 11,02 Sekunden, womit sie erstmals bei einem Grossanlass in einen 100-m-Final einzog. Im Finale dann reichte die Leistung nicht ganz: Auf dem ersten Zielfoto wurde die Schweizerin zeitweise sogar als Bronzegewinnerin ausgewiesen, die endgültige Entscheidung liess sie jedoch auf Rang vier zurückfallen.
Erfolg und Enttäuschung zugleich
Der vierte Platz markiert dennoch den bislang grössten Erfolg in der Karriere der Zugerin. Die Differenz zum Podest war minimal, aber entscheidend: eine Hundertstelsekunde trennt Di Tizio-Frey von der Bronzemedaille. Für die Athletin bedeutete das Rang und gleichzeitig eine bittere Nähe zur Medaille – ein Ergebnis, das einerseits Hoffnung auf weitere internationale Spitzenplätze macht, andererseits schmerzlich knapp ausfällt.
Weitere Schweizerinnen und die Favoritin
Auch Salomé Kora vertrat die Schweiz im Final. Die St. Gallerin hatte sich als Lucky Loser mit 11,12 Sekunden im Halbfinal qualifiziert, doch im Final lief alles anders: Kora kam schlecht aus den Blöcken, verkrampfte in der Beschleunigungsphase und wurde in 11,51 Sekunden gestoppt. Sie belegte damit den achten und letzten Rang im Finale.
Die Britin Amy Hunt gewann das Rennen und setzte sich damit an der Heim-EM an die Spitze des Podests. Für Hunt, die bereits internationale Erfolge vorzuweisen hat, bedeutete der Sieg über 100 m den EM-Titel in 11,00 Sekunden. Die Medaillenvergabe lautete damit:
- Gold: Amy Hunt (Grossbritannien) – 11,00 s
- Silber: Ewa Swoboda (Polen) – 11,02 s
- Bronze: Delphine Nkansa (Belgien) – 11,06 s
| Rang | Athletin | Nation | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Amy Hunt | Grossbritannien | 11,00 s |
| 2 | Ewa Swoboda | Polen | 11,02 s |
| 3 | Delphine Nkansa | Belgien | 11,06 s |
| 4 | Géraldine Di Tizio-Frey | Schweiz | 11,07 s |
| 8 | Salomé Kora | Schweiz | 11,51 s |
Ausblick und Bedeutung für die Schweizer Sprintszene
Der knappe Ausgang des Finales zeigt die hohe Dichte im Frauen-Sprint auf kontinentaler Ebene. Für die Schweiz liefert Di Tizio-Freys Platzierung Indizien, dass das Potenzial für weitere Finalplatzierungen an Grossanlässen vorhanden ist. Gleichzeitig verweist das Resultat auf die Bedeutung kleinster Details im Sprint: Start, Beschleunigung und die Nerven in den letzten Metern entscheiden über Medaillen oder Blech.
Die Leistung der beiden Schweizerinnen in Birmingham ist in jedem Fall ein Signal: Die Schweiz ist im Bereich Kurzsprint konkurrenzfähig. Di Tizio-Frey hat mit dem Einzug in den Final und der nur hauchdünn verpassten Medaille ihren Status als eine der führenden europäischen Sprinterinnen dieses Jahres unterstrichen. Für Kora bleibt die Teilnahme am Finale ein bedeutsamer Karrieremoment, auch wenn der Abschluss enttäuschend ausfiel.
Weiterführende Entscheidungen und mögliche Konsequenzen für Saisonplanung, Vorbereitung und Startreihenfolgen bei kommenden Meeting‑serien werden sich in den nächsten Wochen zeigen. Klar ist: Die Hundertstelsekunde kann über Triumph oder Frust entscheiden.