Géraldine Di Tizio-Frey verpasst an der Leichtathletik-EM in Birmingham die erhoffte Medaille über 100 m um eine hauchdünne Differenz. Die 29-jährige Zugerin klassiert sich im Final in 11,07 Sekunden auf dem vierten Platz; Bronze geht an Delphine Nkansa (BEL) in 11,06 Sekunden.
Knappstes Resultat entscheidet über EM‑Podest
Die Enttäuschung bei Di Tizio-Frey war gross: Auf der Anzeigetafel erschien zunächst neben ihrem Namen die «3», danach wurde die Rangliste korrigiert und der vermeintliche Podestplatz in Platz vier geändert. Die Athletin berichtete, sie habe sich bereits gefreut, bevor die Änderungen sichtbar wurden. Im Interview mit SRF sagte sie:
«Ich hatte mich eigentlich schon gefreut. Man sieht die ‹3› und dann ... ja ... Es tut weh. Ich habe das Gefühl, ich hatte es in den Beinen.»
Di Tizio-Frey erklärte, sie habe gegen Ende des Rennens einen kleinen Krampf in der Wade gespürt: «Ich habe mich am Schluss wieder etwas verkrampft. Am Ende hatte ich einen Minikrampf in der Wade.» Damit verlor sie auf den letzten Metern noch den Anschluss an die Belgierin Nkansa.
Historischer Finaleinzug und Saisonleistung
Trotz des verpassten Podests markiert der Finaleinzug einen Meilenstein in der Karriere der Zugerin: Erstmals bei einem Grossanlass erreicht Di Tizio-Frey einen Final über 100 m. In den Halbfinals zeigte sie eine starke Leistung und gewann ihren Lauf souverän in 11,02 Sekunden. In dieser Saison war sie zudem als schnellste Europäerin mit einer Bestzeit von 10,96 Sekunden angereist, was sie vor dem Wettkampf zur Mitfavoritin machte.
- Finalzeit: 11,07 Sekunden – Rang 4
- Halbfinal: Sieg in 11,02 Sekunden
- Saisonbestzeit: 10,96 Sekunden (schnellste Europäerin 2026)
Weitere Schweizer Starterin: Salomé Kora
Auch Salomé Kora stand erstmals bei einem internationalen 100-m-Final am Start. Die 32-jährige St. Gallerin startete gut, kam dann aber kurz nach dem Abschuss ins Straucheln und konnte nicht mehr mit den Gegnerinnen mithalten. Kora beendete den Final in 11,51 Sekunden auf dem achten Rang. Sie hatte sich als Lucky Loser mit 11,12 Sekunden im Halbfinal für den Endlauf qualifiziert.
| Rang | Athletin | Land | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Amy Hunt | GBR | 11,00 |
| 2 | Ewa Swoboda | POL | 11,02 |
| 3 | Delphine Nkansa | BEL | 11,06 |
| 4 | Géraldine Di Tizio-Frey | SUI | 11,07 |
Gold sicherte sich Lokalmatadorin Amy Hunt in 11,00 Sekunden, Silber ging an Ewa Swoboda (Polen) in 11,02 Sekunden. Die Finalresultate zeigen, wie eng die Entscheidung war: Ränge und Medaillen wurden über Hundertstelsekunden bestimmt.
Bedeutung und Ausblick
Der vierte Platz ist trotz der Bitterkeit für Di Tizio-Frey der bisher grösste Erfolg auf internationalem Parkett. Der Finaleinzug bestätigt ihren Aufwärtstrend und unterstreicht, dass sie in der europäischen Spitze mitmischt. Sportlich bleibt die Aufgabe, das bekannte «Flüssige» in den Sprints auch in Finalsituationen zu konservieren und die kleinen physio‑technischen Probleme wie Krämpfe zu vermeiden.
Kurzfristig gilt es für die Schweizerinnen, die Enttäuschung zu verarbeiten: Di Tizio-Frey und Kora stehen noch für die Staffeln (4x100 m und Mixed) auf dem Programm, wo sich Chancen für nationale Erfolge bieten. Langfristig aber ist das Resultat ein klares Signal: Schweizer Sprinterinnen sind auf dem Weg, auf europäischem Niveau regelmässig Finalplätze zu erzielen – eine Entwicklung, die das Schweizer Sprintteam weiter beflügeln dürfte.
Die enge Entscheidung in Birmingham bleibt allerdings ein mahnendes Beispiel, wie marginal die Differenzen zwischen Medaille und knappem Rang sein können.