In Dresden hat ein umfassender Belastungstest an der stark geschädigten Brücke über die Budapester Strasse begonnen. Ziel ist es, die Resttragfähigkeit des Spannstahlbaus zu ermitteln, der wegen zahlreicher Spanndrahtbrüche grossenteils gesperrt ist. Die Stadt erhofft sich von den Messungen verlässliche Grundlagen für eine mögliche schrittweise Wiederinbetriebnahme.
Vier Schwerlastfahrzeuge, stufenweise Belastung
Für den Versuch rollen nacheinander vier Schwerlastfahrzeuge über das Bauwerk. Die Fahrzeuge werden schrittweise zusätzlich beladen, bis eine Gesamtlast von 326 Tonnen erreicht ist. Währenddessen überwachen Sensoren kontinuierlich Verformungen, Spannungen und etwaige neue Schäden.
„326 Tonnen werden schrittweise aufgebracht“, sagte Versuchsleiter Oliver Mosig vor dem Start.
Die Stadt plant den Test in drei Nächten beziehungsweise Abenden, damit verschiedene Abschnitte geprüft werden können. Begleitend gibt es nächtliche Sperrungen, die auch Bereiche betreffen, die aktuell noch befahrbar sind.
Zeitplan und Ablauf
| Testabschnitt | Geplanter Zeitraum | Testzeiten |
|---|---|---|
| Brückenzug C | Erster Abschnitt (Beginn) | 19:00–05:00 |
| Brückenzug A | Ab Dienstagabend | 19:00–05:00 |
| Reservetermin | Mittwoch | 19:00–05:00 |
Von jeweils 18:00 bis 06:00 gelten umfassende Sperrungen für den Verkehr. Der eigentliche Belastungsversuch ist jeweils für die Zeit zwischen 19:00 und 05:00 Uhr vorgesehen.
Kosten, Vergleich und Hintergründe
Die Stadt nennt für den Versuch Kosten von rund 900'000 Euro (etwa 960'000 Fr.). Anlass für die Prüfung ist die Häufung von Spanndrahtbrüchen, die den Grossteil der Brücke derzeit unbrauchbar gemacht haben.
Die Budapester-Strasse-Brücke weist die gleiche Bauweise wie die 2024 teilweise eingestürzte Dresdner Carolabruecke auf. Beide Konstruktionen nutzen Hennigsdorfer Spannstahl, der in Gutachten als anfällig für sogenannte Spannungsrisskorrosion eingestuft wurde — ein Faktor, der auch beim Einsturz der Carolabruecke eine Rolle spielte. In der Region gibt es zudem einen Vergleichsfall: Im April 2025 wurde in Bad Schandau ein ähnlicher Belastungstest durchgeführt. Dort konnte nach monatelanger Vollsperrung die Elbbrücke anschliessend wieder für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen freigegeben werden.
Folgen und mögliche Entscheidungen
Die Messdaten aus Dresden sollen klären, ob und in welchem Umfang die Brücke künftig wieder für einen reduzierten Verkehr geöffnet werden kann. Versuchsleiter und Stadt betonen, dass nur eine datenbasierte Bewertung über weitere Schritte entscheidet. Sollte die Resttragfähigkeit positiv bewertet werden, käme eine stufenweise Wiederinbetriebnahme in Frage; andernfalls blieben die Sperrungen bestehen, bis weitergehende Sanierungen möglich sind.
- Überwachung: Kontinuierliche Sensoren erfassen Deformationen, Spannungen und mögliche neue Schäden.
- Testdauer: Drei Nächte/Abende mit umfangreichen Sperrungen zwischen 18:00 und 06:00 Uhr.
- Hintergrund: Gleiche Bauweise wie die teilweise eingestürzte Carolabruecke; Befürchtung von Spannungsrisskorrosion.
Die Ergebnisse der Messungen werden mit Spannung erwartet. Sie sind nicht nur für die Verkehrssituation in Dresden relevant, sondern geben auch Hinweise für den Umgang mit vergleichbaren Spannstahlbrücken in anderen Regionen. Bis die Auswertung abgeschlossen ist, bleibt die Situation für Anwohnende und Pendler fragil: Die Sperrungen in den Nächten können Umwege und Verkehrsbehinderungen nach sich ziehen.
Der Test läuft voraussichtlich bis Mitte der Woche. Danach will die Stadt die Daten auswerten und über mögliche nächste Schritte informieren.