Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau hat im zweiten Quartal des Jahres einen kräftigen Auftragsanstieg verzeichnet. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA Ost lag der Auftragseingang 27 Prozent über dem Vorjahreswert. Diese Zahlen signalisieren eine deutliche Erholung nach einem schwachen Jahresbeginn.
Stärke vor allem im Auslandsgeschäft
Die Erholung betreffe sowohl das Inland als auch das Ausland: Das Inlandsgeschäft stieg dem VDMA zufolge um 19 Prozent, die Auslandsaufträge legten sogar um 30 Prozent zu. Besonders deutlich habe sich die Nachfrage aus dem Euro-Raum erhöht, dort wurden 55 Prozent mehr Bestellungen registriert. Aus Nicht-Euro-Ländern kamen 20 Prozent mehr Bestellungen.
| Bereich | Veränderung (Q2 vs. Vorjahr) |
|---|---|
| Inland | +19 % |
| Ausland | +30 % |
| Euro-Raum | +55 % |
| Nicht-Euro-Länder | +20 % |
| Gesamt | +27 % |
Die VDMA-Angaben beziehen sich auf die Mitgliedsbetriebe des Landesverbands Ost. Dazu zählen nach eigenen Angaben rund 350 Unternehmen, Werke und Niederlassungen in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahresdurchschnitt 2025 beschäftigte die Branche 78 200 Personen; erfasst sind dabei jedoch nur Betriebe mit mindestens 50 Mitarbeitenden.
Erholung, aber keine Entwarnung
Trotz der positiven Quartalsdaten warnt der Geschäftsführer des VDMA Ost vor zu grosser Euphorie. In einer Stellungnahme bezeichnete er die Zahlen als «positive Momentaufnahme», die jedoch die bestehenden strukturellen Schwierigkeiten nicht aus der Welt schaffe.
«Die aktuellen Zahlen sind eine positive Momentaufnahme, ändern aber nichts an den strukturellen Herausforderungen für die Unternehmen», erklärte der Geschäftsführer des VDMA Ost, Oliver Köhn.
Köhn nannte mehrere Bereiche, in denen Reformbedarf bestehe. Damit Betriebe Investitionen nicht länger aufschieben müssten, seien nach seiner Auffassung vor allem folgende Rahmenbedingungen zu verbessern:
- Abbau von Bürokratie
- Stabile und wettbewerbsfähige Energiepreise
- Unternehmensbesteuerung, die Investitionen erleichtert
- Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur
Diese Forderungen zielen auf Planungssicherheit, die laut VDMA Voraussetzung dafür sei, dass Unternehmen Kapazitäten aufbauen und langfristig investieren. Ohne solche Stabilitätsfaktoren drohten Investitionen weiter verschoben zu werden, so die Branchenvertretung.
Einordnung und Folgen
Die Zahlen aus dem Osten zeigen, dass die Nachfrage bei gewissen Kundengruppen wieder anzieht, vor allem im Ausland. Für die nationale Industriepolitik bedeuten sie jedoch keinen Freifahrtschein: Entscheidend bleibt, ob die positive Tendenz nachhaltig wird und nicht durch höhere Kosten oder langwierige Genehmigungsverfahren wieder gebremst wird. Langfristig hängt die Stärke des Maschinenbaus auch an der Innovationsfähigkeit und der Investitionsbereitschaft der Kunden, etwa in den Bereichen Digitalisierung und Energieeffizienz.
Für die betroffenen Regionen in Ostdeutschland wären anhaltend gute Auftragslagen wichtig, da die Branche dort einen relevanten Beitrag zu Beschäftigung und Wertschöpfung leistet. Die jetzt gemeldeten Zuwächse könnten kurzfristig Entlastung bringen, ohne die strukturellen Debatten über Rahmenbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit zu ersetzen.