Berlin, 25. September 2026 – Die deutsche Wirtschaft verlangt umfassende Änderungen am Datenschutzrahmen: Laut einer repräsentativen Umfrage von Bitkom halten 90 Prozent der befragten Unternehmen eine gezielte Reform der DS-GVO für notwendig, für 41 Prozent ist eine solche Reform sogar "sehr notwendig". Hintergrund sind vor allem die hohen Dokumentations- und Nachweispflichten, die Unternehmen in ihrer digitalen Entwicklung behindern.
Reformdruck bei Aufsicht und Regeln
Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Verordnung selbst, sondern auch gegen das Aufsichtssystem: 93 Prozent der Firmen sehen Reformbedarf bei der deutschen Datenschutzaufsicht; 26 Prozent sprechen von einem grundlegenden Reformbedarf. Lediglich ein einstelliger Anteil plädiert dafür, das System unverändert zu lassen.
„Die Unternehmen wollen, dass der Datenschutz funktioniert. Nach acht Jahren DS-GVO ist der Befund eindeutig: Der Aufwand wächst weiter, die Rechtsunsicherheit bleibt, und die Aufsicht bietet wenig Unterstützung“,
so Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung.
Datenschutz als Innovationsbremse
Die Umfrage liefert konkrete Hinweise darauf, wie stark Datenschutzanforderungen die digitale Transformation erschweren. So geben Unternehmen an, dass die vorhandenen Pflichten insbesondere beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz zum Hemmnis werden: In jedem zweiten Betrieb behindern datenschutzrechtliche Vorgaben die Nutzung von KI-Anwendungen.
- 90 % fordern eine Reform der DS-GVO.
- 93 % sehen Reformbedarf bei der Aufsicht.
- 49 % halten einen hohen Datenschutzstandard zwar für gesellschaftlich wichtig, aber nur ebenso viele sehen ihn als Standortvorteil.
Zwiespältige Bewertung des Datenschutzniveaus
Die Haltung der Unternehmen ist ambivalent: Nur knapp die Hälfte (je 49 Prozent) bewertet einen hohen Datenschutzstandard als grundsätzlich wichtig beziehungsweise als Standortvorteil für Deutschland und Europa. Dem gegenüber stehen deutliche Zweifel: 71 Prozent meinen, dass Datenschutz die Digitalisierung im Land bremse, und dieselbe Zahl empfindet die Vorgaben für kleine Firmen als kaum umzusetzen. Eine Mehrheit von 70 Prozent findet, dass hierzulande mit dem Datenschutz übertrieben werde; 62 Prozent sprechen von einem überzogenen Verhalten deutscher Firmen aus Angst vor Verstößen.
| Ergebnis | Anteil |
|---|---|
| Reformbedarf DS-GVO | 90 % |
| Reformbedarf Aufsicht | 93 % |
| Datenschutz hemmt Digitalisierung | 71 % |
Folgen für Politik und Unternehmen
Die Umfrage dürfte den politischen Druck auf Brüssel und Berlin verstärken. Auf EU-Ebene liegt der Vorschlag zum Digital Omnibus vor, der in Teilen Entlastungen bringen könnte. Aus Sicht der Wirtschaft geht es um eine Balance: Datenschutz soll bestehen bleiben, aber praxistauglicher und weniger hinderlich für Innovationen werden. Bitkom sieht in einer Reform die Chance, die Akzeptanz des Datenschutzes zu erhöhen, ohne dessen Schutzwirkung zu schwächen.
Für Unternehmen bedeutet das: Sie erwarten klare und praktikable Vorgaben, die Planbarkeit verbessern und Rechtsunsicherheit reduzieren. Insbesondere bei Investitionen in datengetriebene Technologien wie KI ist das Bedürfnis nach Rechtssicherheit groß; ohne diese drohen Verzögerungen bei Digitalisierungsvorhaben und ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Märkten mit weniger restriktiven Regeln.
Die Debatte um eine Reform der DS-GVO und der Aufsicht wird in den kommenden Monaten ein zentrales Thema bleiben — sowohl für die Wirtschaft als auch für die Politik. Entscheidend wird sein, ob Reformvorschläge konkret genug sind, um die dokumentationsintensiven Pflichten zu senken, und ob Aufsichtsbehörden eine unterstützendere Rolle einnehmen, ohne den Datenschutzgrundsatz insgesamt zu verwässern.