Deutlich mehr junge Menschen aus Sachsen‑Anhalt absolvieren ihre Ausbildung außerhalb des Bundeslandes als umgekehrt. Nach Angaben der Regionaldirektion Halle der Bundesagentur für Arbeit pendeln fast 4.000 Nachwuchskräfte täglich zu ihrem Ausbildungsplatz in andere Bundesländer; dem stehen etwa 2.180 Einpendler gegenüber.
Negativsaldo belastet regionale Fachkräftesicherung
Die Differenz von rund 1.820 Auszubildenden bezeichnet die Regionaldirektion als einen „Negativsaldo“, der die regionale Wirtschaft zusätzlich belastet. Mit jedem Lehrling, der auspendelt, sinke die Chance, ihn später als Fachkraft in der Region zu halten. Die Zahlen zeigen zudem eine Verschiebung im Geschlechterverhältnis: Von den knapp 4.000 Auspendlern sind gut 2.400 männlich und knapp 1.600 weiblich.
„Wenn vor allem junge Männer für die Ausbildung Sachsen‑Anhalt verlassen, verpassen wir die Chance, sie frühzeitig an unsere regionalen Unternehmen zu binden.“ — Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Halle
Ziele der Pendler und regionale Verteilung
Die meisten Ausbildungs‑Pendlerinnen und ‑Pendler aus Sachsen‑Anhalt haben konkrete Ziele: An der Spitze steht die Stadt Leipzig mit 648 Pendlern, gefolgt von Berlin mit 228 und dem Landkreis Nordsachsen mit 225 Ausbildungsfahrten. Die Regionaldirektion verweist darauf, dass industrielle und handwerkliche Ausbildungsplätze außerhalb der Region stärker vertreten seien — eine Erklärung für den höheren Anteil männlicher Auspendler.
- Gesamtauspendler: knapp 4.000 (davon ca. 2.400 männlich, 1.600 weiblich)
- Einpendler nach Sachsen‑Anhalt: ca. 2.180
- Top‑Ziele: Leipzig (648), Berlin (228), Nordsachsen (225)
| Kategorie | Zahl |
|---|---|
| Auspendler (gesamt) | ~4.000 |
| Einpendler (gesamt) | ~2.180 |
| Männliche Auspendler | ~2.400 |
| Weibliche Auspendler | ~1.600 |
| Leipzig (Ziel) | 648 |
| Berlin (Ziel) | 228 |
| Nordsachsen (Ziel) | 225 |
Folgen für Betriebe und Politik
Die Regionaldirektion macht deutlich, dass der Auspendeltrend die Bemühungen zur Fachkräftesicherung erschwert. Unternehmen verlieren potenzielle spätere Fachkräfte schon in der Ausbildungsphase. Zugleich steht die Frage im Raum, wie Ausbildungsangebote und Infrastruktur so gestaltet werden können, dass junge Menschen ihre Lehre „vor der Haustür“ beginnen und idealerweise in der Region bleiben.
Als ein Lösungsbaustein nennt die Regionaldirektion den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in ländlichen Regionen. Bessere Erreichbarkeit könne Pendelbewegungen reduzieren und damit die Bindung der Auszubildenden an regionale Betriebe stärken. Zugleich müsse sichtbar gemacht werden, welche Karriere‑ und Ausbildungsoptionen es lokal gebe.
Politische und praktische Konsequenzen
Die Daten zeigen strukturelle Herausforderungen: Eine Konzentration bestimmter Ausbildungsberufe außerhalb der Region wirkt wie ein Magnet, vor allem für männliche Jugendliche, die häufiger technische und handwerkliche Berufe wählen. Für die Region bedeutet das, dass gezielte Maßnahmen nötig sind — etwa:
- Förderung regionaler Ausbildungsplätze in Industrie und Handwerk;
- Stärkung des ÖPNV und Mobilitätsangebote für Lehrlinge;
- Bessere Kommunikation regionaler Karrierewege und Praktikumsangebote.
Die Zahlen der Regionaldirektion Halle sind ein Hinweis darauf, dass Ausbildungs‑ und Fachkräftestrategien nicht nur auf die Zeit nach der Lehre, sondern bereits auf die Phase der Ausbildung ausgerichtet sein müssen. Nur so lässt sich verhindern, dass Regionen frühzeitig Potenzial an Zentren verlieren.
Quelle: Regionaldirektion Halle der Bundesagentur für Arbeit / dpa.