Die Debatte um ein kommunales Verbot von Silvesterfeuerwerk in Rheinbach bleibt ungelöst. Nachdem die GRÜNEN bereits im April 2026 einen entsprechenden Antrag an den Ausschuss für Umwelt und Mobilität gestellt hatten, legte die Stadtverwaltung in der Sitzung am 8. September 2026 einen Prüfbericht vor, der von der Einrichtung von Verbotszonen abrät. Anlass des Antrags waren nach Angaben der Fraktion der Schutz von Umwelt, Tieren und Gesundheit sowie die Entlastung der Rettung.
Verwaltungsargumente gegen Verbotszonen
Die Stadtverwaltung bewertet die finanziellen und personellen Hürden für ein Verbot als sehr hoch und kommt zu dem Schluss, dass keine ausreichende Gefährdungslage bestehe, um den Aufwand zu rechtfertigen. Zudem warnte die Verwaltung vor einer großflächigen Erfassung des Stadtgebiets durch mögliche Verbotszonen:
„bestünde die Gefahr, dass faktisch ein sehr großer Teil des Stadtgebiets von Verbotszonen erfasst würde“
In der Prüfung wurden nach Angaben der Verwaltung insbesondere die Zahlen zu Brandeinsätzen der vergangenen Jahre herangezogen. Andere Aspekte, so die Verwaltung, hätten den Ausschlag für ein Verbot nicht gegeben.
Kritik der GRÜNEN: Unvollständige Bewertung
Die GRÜNEN halten die Prüfperspektive für einseitig. Ihrer Darstellung zufolge seien in dem Verwaltungsbericht Umwelt- und Tierschutz sowie die gesundheitlichen Gefahren durch Feinstaub und Lärm nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die Fraktion verweist darauf, dass bereits mehrere andere Kommunen ähnliche Verbote umgesetzt hätten, teilweise in vergleichbarer Größenordnung wie Rheinbach. Das wirft für die GRÜNEN die Frage auf, warum dort ein Verbot möglich sei, in Rheinbach aber nicht.
Aus Sicht der Antragsteller bildet gerade die besondere städtebauliche und landwirtschaftliche Struktur Rheinbachs — mit zahlreichen Fachwerkhäusern und landwirtschaftlichen Betrieben — das zentrale Argument für eine restriktivere Regelung. Die GRÜNEN warnen vor erhöhtem Brandrisiko und von Panik ausgelösten Stressreaktionen bei Nutztieren sowie vor Belastungen für Rettungskräfte in der Neujahrsnacht.
Alternativen und politische Bewertung
Bereits bei Antragstellung hatten die GRÜNEN Alternativen vorgeschlagen, etwa die Durchführung einer zentralen Drohnenshow als Ersatz für private Feuerwerkskörper. Die Verwaltung geht auf solche Vorschläge im Prüfbericht nicht detailliert ein oder hält die Umsetzung für aufwendig. Vor diesem Hintergrund bemängeln die GRÜNEN, die Stadtverwaltung zeige kein grundsätzliches Interesse an einer Regelung.
- Argumente der Verwaltung: Hoher Aufwand, fehlende Gefährdungslage, großflächige Wirkung von Verbotszonen.
- Argumente der GRÜNEN: Unzureichende Berücksichtigung von Umweltrisiken, Tierwohl und Gesundheitsfolgen, Vorbilder in anderen Kommunen.
- Vorgeschlagene Alternative: Zentrale Drohnenshow statt privatem Feuerwerk.
Die Auseinandersetzung zeigt typische Spannungsfelder kommunaler Politik: Abwägung zwischen Umweltschutz, öffentlichen Sicherheitsinteressen, administrativer Umsetzbarkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung. Ob und wie die Stadt auf die Kritik reagiert, bleibt offen; laut Vorlage könnten finanzielle und personelle Ressourcen die Entscheidung maßgeblich beeinflussen.
| Aspekt | Verwaltungsbefund | GRÜNE-Bewertung |
|---|---|---|
| Brandgefahr | Zahlen zu Brandeinsätzen berücksichtigt | Risiko aufgrund Fachwerkhäusern und Höfen betont |
| Umwelt- und Gesundheitsschutz | nicht oder kaum einbezogen | Feinstaub und Lärm als zentrale Gründe genannt |
| Umsetzbarkeit | hoher finanzieller/personeller Aufwand | andere Kommunen zeigen Umsetzbarkeit |
Für die weitere Debatte sind zwei Punkte zu beobachten: Erstens, ob die Stadtverwaltung zusätzliche Analysen zu Umweltrisiken und gesundheitlichen Folgen vorlegt; zweitens, ob die Politik vor Ort mögliche Kompromisse — etwa zeitlich und räumlich begrenzte Verbotszonen oder geförderte zentrale Alternativen — diskutiert. Die Entscheidung wird nicht nur lokale Bedeutung haben, sondern als Modell dienen können für Kommunen, die ähnliche Abwägungen zwischen Sicherheit, Tierwohl und bürokratischem Aufwand treffen müssen.