Eine groß angelegte Marktuntersuchung des WWF Deutschland gemeinsam mit dem Thünen-Institut und der Earthworm Foundation stellt fest, dass in vielen am deutschen Markt angebotenen Grillkohlen tropische oder subtropische Hölzer nachgewiesen werden. Von insgesamt 57 geprüften Produkten wiesen 32 Hinweise auf solche Hölzer auf. Die Studie erhebt grundlegende Fragen zu Transparenz, Zertifizierung und der Kette der Holzherkunft, Themen, die auch für den österreichischen Handel und Verbraucherschutz relevant sind.
Wesentliche Befunde der Untersuchung
Die Prüferinnen und Prüfer untersuchten verschiedene Produktgruppen — klassische Holzkohle, Briketts und Alternativen wie Kohle aus Kokosnussschalen — und kauften diese in Supermärkten, Discountern, Baumärkten, Getränkemärkten und an Tankstellen. Anschließend wurden die Proben im Labor auf die enthaltenen Holzarten analysiert und mit den Angaben auf den Verpackungen verglichen.
- Von 57 getesteten Produkten enthielten 32 tropische oder subtropische Holzarten.
- Bei 9 Produkten (rund 16 Prozent) ergaben sich Unstimmigkeiten zwischen deklarierten und nachgewiesenen Holzarten oder es fehlten eindeutige Angaben.
- Nur 25 Produkte (44 Prozent) gaben die verwendeten Holzarten klar an; 35 Produkte (61 Prozent) machten nachvollziehbare Angaben zur Herkunft.
- 42 Produkte (74 Prozent) trugen ein freiwilliges Zertifikat wie FSC, PEFC oder Naturland — bei mehreren zertifizierten Produkten gab es dennoch Mängel bei Herkunftsangaben oder Abweichungen.
Tabelle der Kerndaten
| Merkmal | Anzahl / Anteil |
|---|---|
| Getestete Produkte | 57 |
| Produkte mit tropischem/subtropischem Holz | 32 |
| Produkte mit Unstimmigkeiten | 9 (≈16 %) |
| Produkte mit klaren Angaben zu Holzarten | 25 (44 %) |
| Produkte mit nachvollziehbaren Herkunftsangaben | 35 (61 %) |
| Produkte mit freiwilligem Siegel | 42 (74 %) |
Bewertung: Fortschritte, aber Lücken bleiben
Die Analyse zeigt nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren einerseits eine Bewegung im Markt hin zu mehr Transparenz; andererseits offenbaren die Prüfergebnisse weiterhin erhebliche Lücken. Besonders kritisch bewertet die Studie Fälle, in denen zertifizierte Produkte subtropische oder tropische Hölzer enthielten, ohne dass Herkunft oder Datenbankeinträge der Zertifizierer dies eindeutig bestätigten. Solche Abweichungen schwächen das Vertrauen in freiwillige Siegel.
Als mögliches Triebfeder für die beobachtete Entwicklung nennen die Studienautorinnen und -autoren die bevorstehende EU-Waldschutzverordnung (EUDR). Nach mehrfacher Verzögerung soll die Verordnung nach derzeitiger Planung Ende 2026 in Kraft treten und erstmals auch Grillkohle erfassen. Dann müssen Anbieterinnen und Anbieter in der EU die Holzart und Herkunft dokumentieren und nachweisen, dass das Material nicht von Flächen stammt, die illegal geschlagen, umgewandelt oder geschädigt wurden.
Folgen für Handel und Verbraucherschutz in Österreich
Für Österreich bedeutet die Studie mehrere Implikationen: Händlerinnen und Händler, die in Österreich Grillkohle anbieten, werden künftig dieselben Nachweispflichten tragen wie ihre deutschen oder EU-Kolleginnen und -Kollegen. Für Konsumentinnen und Konsumenten bringt die EUDR mehr Rechtssicherheit, weil deklarierte Informationen zur Holzart und Herkunft verpflichtend werden. Bis dahin bleibt die Verantwortung bei Marktakteuren und Prüfstellen, Mängel in der Kennzeichnung zu beheben.
Die Untersuchung empfiehlt zudem, dass Verbraucherinnen und Verbraucher auf glaubwürdige Zertifikate achten, zugleich aber deren Angaben kritisch prüfen sollten. Die Studie macht deutlich, dass freiwillige Siegel nicht automatisch vollständige Transparenz garantieren.
Für die Umweltpolitik stellt das Thema eine Schnittstelle zwischen Handel, internationalem Waldschutz und Verbraucherschutz dar. Eine wirksame Umsetzung der EU-Verordnung könnte den Druck auf illegalen Holzeinschlag und Waldumwandlung verringern — vorausgesetzt, Kontrollen und Durchsetzungsmechanismen werden ausreichend gestaltet.