Österreichs Wirtschaft dürfte 2026 nur moderat wachsen. Das Institut für Höhere Studien (IHS) erwartet für heuer ein Wachstum zwischen 0,5 und 1 Prozent, wobei der Ökonom Helmut Hofer davon ausgeht, dass es „wahrscheinlich näher bei einem Prozentpunkt“ liegen werde. Ein kräftiger Aufschwung sei nicht zu erwarten; vielmehr zeichne sich eine „langsame Belebung der Wirtschaft“ ab.
Europa als Zugpferd für heimische Industrie
Als wesentlicher Stützpfeiler für die vorsichtige Erholung nennt das IHS die deutlich bessere Lage in der europäischen Industrie. Die verbesserte Nachfrage aus wichtigen Handelspartnern dürfte österreichischen Herstellern Rückenwind geben, nachdem Jahre der Stagnation die Konjunktur belastet hatten.
- Erwartetes Wachstum 2026: 0,5 bis 1 Prozent (wahrscheinlich näher bei 1 Prozent)
- Charakter der Erholung: langsam, kein starker Aufschwung
- Treibende Kraft: Belebung der europäischen Industrie
Was die Zahlen bedeuten
Ein Wachstum von rund einem Prozent ist vergleichsweise schmal: Es reicht, um die Beschäftigung tendenziell zu stabilisieren und den Druck auf öffentliche Haushalte etwas zu mildern, dürfte aber kaum für einen spürbaren Rückgang der strukturellen Arbeitslosigkeit oder für starke Einkommenszuwächse sorgen. Unternehmen würden von einer verbesserten Auslandnachfrage profitieren, doch Investitionsüberhänge und Unsicherheiten könnten weiterhin zurückhaltende Investitionsentscheidungen zur Folge haben.
| Jahr | Erwartetes Wachstum (IHS) |
|---|---|
| 2026 | 0,5–1,0 % (wahrscheinlich nahe 1,0 %) |
„wahrscheinlich näher bei einem Prozentpunkt“
Konjunkturrisiken und politische Implikationen
Damit bleibt die Konjunktur fragil: Externe Schocks, eine erneute Abschwächung der Nachfrage in Europa oder stärkere Energiepreisrisiken könnten die Erholung abbremsen. Auf der anderen Seite bieten sich Chancen, wenn Investitionsneigungen in exportorientierten Branchen anziehen. Für die Wirtschaftspolitik bedeutet das: Spielraum für strukturelle Maßnahmen und gezielte Investitionsanreize, aber wenig Raum für expansive Sondermaßnahmen, sofern die öffentlichen Finanzen belastet sind.
Unternehmen und Betriebsräte dürften die moderate Erholung begrüßen, zugleich aber auf anhaltende Herausforderungen etwa bei den Lieferketten oder in einzelnen Branchen hinweisen. Konkrete Sektorenprognosen nannte das IHS in der vorliegenden Zusammenfassung nicht; die Entwicklung bleibt daher differenziert zu beobachten.
Blick nach vorn
Die IHS-Einschätzung gibt ein nüchternes Bild: Österreich hat die Talsohle offenbar hinter sich gelassen, doch ein kräftiger Aufschwung ist noch nicht in Sicht. Entscheidend wird sein, ob die positive Impulswirkung der europäischen Industrie nachhaltig ist und in steigende Investitionen und Beschäftigung in Österreich übersetzt werden kann. Beobachter sollten daher die nächsten Quartalsdaten, Auftragseingänge der Industrie und Exportentwicklungen genau verfolgen, um die Wirksamkeit der derzeitigen Belebung zu beurteilen.
Die Angaben des IHS bieten Orientierung für Unternehmen, Investoren und politische Entscheidungsträger, zugleich mahnen sie zur Vorsicht: Ein Jahr mit moderatem Wachstum erfordert gezielte Maßnahmen, um die Erholung zu stabilisieren und längerfristiges Wachstumspotenzial zu heben.