Arbeitsmarkt im Bezirk Grieskirchen: Angebot übersteigt die Nachfrage bei Lehrstellen
Im Bezirk Grieskirchen übertrifft die Zahl der gemeldeten Lehrstellen deutlich jene Jugendlichen, die derzeit eine Lehrstelle suchen. Die aktuellen Daten der Wirtschaftskammer und des AMS zeichnen ein Bild eines Arbeitsmarkts mit geringer Arbeitslosigkeit und gleichzeitig steigendem Bedarf an Lehrlingen und Beschäftigten.
Konkrete Zahlen für den Bezirk Grieskirchen zeigen: Rund 29.500 unselbstständig Beschäftigte arbeiten aktuell im Bezirk; 1.200 Arbeitgeberbetriebe beschäftigen zusammen 16.785 Mitarbeiter. Von den Betrieben bilden 266 Lehrbetriebe insgesamt 890 Jugendliche aus. Demgegenüber stehen beim AMS derzeit 37 Lehrstellensuchende und 162 gemeldete offene Lehrstellen. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 3,5 Prozent, und damit um 0,1 Prozentpunkte niedriger als Ende August 2025.
Diese Zahlen sind Teil einer regionalen Entwicklung: Auch der benachbarte Bezirk Eferding verzeichnet ein Überangebot an Lehrstellen. Dort sind rund 15.000 unselbstständig Beschäftigte tätig, 600 Arbeitgeber beschäftigen 7.360 Mitarbeiter, und 128 Lehrbetriebe bilden 380 Jugendliche aus. Beim AMS stehen in Eferding derzeit 10 Lehrstellensuchende 50 offenen Lehrstellen gegenüber; die Arbeitslosenquote beträgt 3,3 Prozent.
„Die Themen Arbeitskräfte und Lehrlinge sind immer noch dominant“, sagt Hans Moser, Leiter der WKO Eferding und WKO Grieskirchen.
Die Wirtschaftskammer hebt hervor, dass trotz der positiven Quote in puncto Beschäftigung die Suche nach Fachkräften und Auszubildenden weiter ein zentrales Thema für regionale Unternehmen bleibt. In den vergangenen zwei Jahren ist laut WKO die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr in beiden Bezirken wieder gestiegen. Gleichzeitig rückt die Ausbildung vor Ort vermehrt in den Fokus, weil höhere Pendelzeiten und steigende Lebenshaltungskosten für Familien eine größere Rolle spielen.
- Mehr Lehrstellen als Suchende: Chancen für Betriebe, Auszubildende schneller zu finden.
- Niedrige Arbeitslosenquote: Standortvorteil, gleichzeitig Fachkräfteengpässe in einzelnen Branchen möglich.
- Wachsende Bedeutung der dualen Ausbildung und regionaler Bildungsangebote.
Folgen für Betriebe und Beschäftigte
Für Unternehmen bedeutet das Missverhältnis zwischen freien Lehrstellen und Bewerberinnen beziehungsweise Bewerbern zweierlei: Kurzfristig erleichtert es die Rekrutierung geeigneter Lehrlinge, mittel- bis langfristig stellt es aber die Personalplanung auf die Probe. Besonders betroffen sind Branchen, die traditionell stark auf Lehrlinge setzen. Die Herausforderung besteht darin, qualifizierte junge Menschen für Betriebskarrieren zu gewinnen und gleichzeitig die duale Ausbildung attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten.
Ein weiteres Thema ist die rasche Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz. Laut WKO beeinflusst diese Technologie bereits jetzt Personalfragen – etwa durch veränderte Anforderungen an digitale Kompetenzen und Weiterbildung. Für die kommenden Monate werden deshalb konkrete Anpassungen im Bereich der dualen Ausbildung und beim Lehrstellenangebot erwartet. Maßnahmen wie Präsenzveranstaltungen und Schnuppertage sollen Jugendlichen praxisnahe Einblicke in Berufe bieten und die Entscheidung für eine Lehre erleichtern.
| Bezirk | Unselbstständig Beschäftigte | Arbeitgeber | Lehrbetriebe / Lehrlinge | Lehrstellensuchende / Offene Lehrstellen | Arbeitslosenquote |
|---|---|---|---|---|---|
| Grieskirchen | 29.500 | 1.200 | 266 / 890 | 37 / 162 | 3,5 % |
| Eferding | 15.000 | 600 | 128 / 380 | 10 / 50 | 3,3 % |
Aus Sicht des regionalen Standortmanagements sind drei Ansatzpunkte entscheidend: Erstens die Stärkung der lokalen Berufsinformationsangebote, zweitens die Anpassung von Lehrinhalten an digitale Anforderungen und drittens die Förderung von Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben. Diese Maßnahmen würden nicht nur die Besetzung offener Lehrstellen erleichtern, sondern auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Region sichern.
Vor dem Hintergrund der niedrigen Arbeitslosenquoten bleibt abzuwarten, wie sich die demografische Entwicklung und technologische Veränderungen auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt auswirken. Für Grieskirchen gilt es, die vorhandenen Chancen zu nutzen und gleichzeitig die Ausbildungspfade so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen von Wirtschaft und Jugendlichen gerecht werden.