Großes Lager am Messegelände: zwei Wochen gemeinsamer Urlaub
Auf dem Messegelände in Ried im Innkreis hat heuer eine größere Gruppe von Angehörigen der Sinti- und Roma-Volksgruppe zwei Wochen Urlaub verbracht. Nach Angaben der Organisatoren standen über 200 Wohnwägen auf rund 17.000 Quadratmetern in Reih und Glied. Die Teilnehmenden stammen aus verschiedenen deutschen Bundesländern; viele haben familiäre Wurzeln in Österreich oder Deutschland und leben im Alltag in regulären Arbeitsverhältnissen oder sind selbstständig.
Religiöses Zentrum und klare Selbstorganisation
Die Reisenden gehören dem freichristlichen Kirchenverein Jeschua an. Das Motto des zweiwöchigen Urlaubs lautet „Reisen mit Gott“. Täglich finden in einer großen Zeltkirche morgens ein Gottesdienst und abends eine Messe statt; gesungen und gebetet wird auf Deutsch. Pastor Karl Schmidt, der die Urlaube zusammen mit Vereinsmitgliedern organisiert, betont die Selbstfinanzierung der Reisen und die Kostenbeteiligung der Teilnehmenden.
„Finanziert werden die Reisen ausschließlich aus eigenen Mitteln, alle Teilnehmer müssen Miete zahlen“, sagte Pastor Karl Schmidt.
Alltag, Kinderbetreuung und Gemeinschaft
Der gemeinsame Campingurlaub versteht sich nicht nur als religiöse Zusammenkunft, sondern als familiäre Gemeinschaft. Mehrmals pro Woche werden im Camp Kinderstunden angeboten, in denen Kultur und Glaube an die jüngere Generation weitergegeben werden. Die Atmosphäre wird von Teilnehmenden als geordnet und entspannt beschrieben; der Aufenthalt gilt vielen als der Höhepunkt des Jahres.
„Diese Gemeinschaft und diese schöne Zeit hier, würde ich gegen keinen anderen Urlaub tauschen“, so eine Teilnehmerin aus Stuttgart.
- Ort: Messegelände Ried im Innkreis
- Teilnehmende: Angehörige von Sinti und Roma aus verschiedenen Regionen
- Dauer: Zwei Wochen (heuer)
- Träger: Kirchenverein Jeschua
- Finanzierung: Eigene Mittel, Teilnahmegebühren/Miete
Folgen für den Standort und die lokale Wahrnehmung
Für Ried ist ein derart großflächiges Lager aus mehreren Gründen von Bedeutung: Zum einen beansprucht es Flächen am Messegelände, die sonst für Veranstaltungen oder Gewerbenutzung reserviert sind. Zum anderen bringt es Menschen in die Stadt, die ihre Messen öffentlich feiern und damit auch Berührungspunkte mit der örtlichen Bevölkerung schaffen. Laut Veranstaltern kommen bisweilen auch Besucher aus der Ortschaft zu den Gottesdiensten.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Anzahl Wohnwägen | über 200 |
| Gelände | rund 17.000 m² |
| Dauer | zwei Wochen (heuer) |
Die Berichterstattung über reisende Sinti und Roma ist in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Vorurteilen belastet. Die Organisatoren und Teilnehmenden in Ried legen Wert auf Ordnung, Selbstverwaltung und religiöse Praxis. Für die lokale Politik und Verwaltung stellen solche Aufenthalte eine Frage des Flächenmanagements und der Integration dar: Sie bieten aber gleichzeitig die Chance, direkte Kontakte zwischen Einheimischen und Gästen zu fördern und Vorurteile abzubauen.
Langfristige Konsequenzen für das Messegelände oder städtische Abläufe ergeben sich aus dem aktuellen Aufenthalt nicht automatisch; entscheidend ist, wie künftig ähnliche Anfragen koordiniert werden und ob Austauschmöglichkeiten zwischen den Gruppen weiter gefördert werden. Für viele Teilnehmende bleibt der Campingurlaub jedenfalls ein fest eingeplanter Bestandteil des Jahreslebens, der Glaube, Kultur und Gemeinschaft verbindet.