Wiener Landwirtschaft bislang weniger betroffen als der Rest des Landes
Die Hagelversicherung beziffert die durch die heurige Dürre verursachten Schäden in der Landwirtschaft in Wien auf rund 2 Millionen Euro. Im nationalen Vergleich ist dieser Betrag gering: Österreichweit schätzt die Versicherung die Dürreschäden auf etwa 1 Milliarde Euro.
Hauptsächlich betroffen sind in Wien laut Angaben der Versicherung Mais und Sonnenblumen. Für Soja und Wein gebe es noch keine abschließende Prognose. Versichert gegen Dürre seien in Wien rund die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Flächen gewesen; die tatsächliche Entschädigung hänge von mehreren Parametern ab.
Bewässerung als entscheidender Faktor
Als wesentlicher Grund für die vergleichsweise niedrige Schadenssumme in Wien nennt die Hagelversicherung die Möglichkeit der Bewässerung. Durch die vorherrschende Fruchtfolge — in Wien werde vorrangig Gemüse angebaut — seien Bewässerungssysteme leichter einsetzbar als in Regionen mit großflächigem Ackerbau.
Die Wiener Landwirtschaftskammer weist zudem auf Anpassungsmaßnahmen hin, in die Betriebe bereits investieren: effizientere Bewässerungssysteme, wassersparende Produktionstechniken, humusaufbauende Maßnahmen und allgemein klimafitte Bewirtschaftungsformen. Dennoch kommt es insbesondere im Gemüseanbau zu Ausfällen durch Hitzestress.
„Die heurige Dürresituation ist sehr wohl auch für Wien ein außerordentliches Ereignis“,
so ein Sprecher der Hagelversicherung. Gleichzeitig wird betont, dass die Schadenssumme für Wien noch steigen könne, weil die Weinernte in den bisherigen Berechnungen noch nicht berücksichtigt ist.
Wein: Risiko für zusätzliche Verluste
Die Wiener Landwirtschaftskammer rechnet bei den Reben mit Ertragseinbußen von bis zu 20 Prozent. Zudem verlaufe die Entwicklung der Reben heuer oft schneller als in früheren Jahren, weshalb sich der Erntebeginn nach vorne verschiebe. Für heuer wird bereits mit einem Erntebeginn Ende August gerechnet. Besonders junge Anlagen litten unter Wassermangel, was langfristige Schäden und Ertragsrückgänge nach sich ziehen könne.
Orientierung für betroffene Betriebe
Für Landwirte in Wien sind mehrere Eckpunkte relevant, die auch die Höhe einer möglichen Entschädigung beeinflussen:
- Versicherungsstatus der Fläche (rund 50 % versichert)
- Art der Kultur (Mais: Referenzwert genannt)
- Bewässerungsmöglichkeiten und implementierte Systeme
Konkrete Zahlen zur Entschädigung variieren. Als Orientierung nennt die Hagelversicherung für Mais einen Richtwert von etwa 700 Euro pro Hektar, abhängig von den individuellen Vertragsbedingungen und dem tatsächlichen Ausmaß des Ertragsausfalls.
| Parameter | Wert / Anmerkung |
|---|---|
| Schadenssumme Wien | 2 Millionen Euro |
| Geschätzte Schäden Österreich | 1 Milliarde Euro |
| Versicherte Flächen (Wien) | Rund 50 % |
| Entschädigung Mais | Ca. 700 Euro/ha |
| Erwartete Wein-Ertragsminderung | Bis zu 20 % |
Folgen fürs Stadtbild und die Versorgung
Die geringeren Schäden in Wien bedeuten nicht automatisch, dass Konsumentinnen und Konsumenten keine Auswirkungen spüren werden. Hitzestress bei Gemüse und mögliche Einbußen im Weinbau können lokale Preise beeinflussen oder das Angebot saisonal verändern. Zugleich zeigt sich in Wien, wie sehr Infrastruktur und Betriebsgrößen — etwa kleinere Gemüsegärten mit Zugang zu Bewässerung — die Widerstandsfähigkeit gegen Extremwetter erhöhen können.
Für die Politik und die Gemeinde sind die Zahlen ein Hinweis, wo Fördermaßnahmen, Beratung und Investitionsanreize für klimarobuste Bewirtschaftung besonders wirksam sein können. Die Landwirtschaftskammer sieht hier ausdrücklich Handlungsbedarf bei technischen und bodenverbessernden Maßnahmen.
In den kommenden Wochen dürfte vor allem die Entwicklung der Weinlese die endgültige Bilanz für Wien bestimmen. Bis dahin bleibt die Lage im Vergleich zum österreichweiten Durchschnitt moderat, aber aufmerksam zu beobachten.