Eine aktuelle Umfrage des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) zeigt: 75 Prozent der Befragten halten Sorgen um die österreichische Kultur für sehr oder eher berechtigt. Die Erhebung, durchgeführt von der Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH, befragte 1.016 Personen ab 16 Jahren zwischen dem 26. Februar und 9. März 2026; die Ergebnisse wurden von Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) vorgestellt.
Gespaltener gesellschaftlicher Zusammenhalt
Die Studie zeichnet ein zwiespältiges Bild des Zusammenhalts in Österreich. 48 Prozent der Befragten schätzen den gesellschaftlichen Zusammenhalt als sehr oder eher gut ein, 49 Prozent hingegen als eher oder sehr schlecht. Damit setzt sich eine leicht negative Entwicklung fort, die seit Ende 2024 zu beobachten ist.
Als zentrale Bestandteile des Zusammenhalts werden insbesondere genannt: friedliches Zusammenleben (69 Prozent), Toleranz und Respekt (66 Prozent) sowie Hilfsbereitschaft und Mildtätigkeit (52 Prozent). Dagegen zählt nur etwa jeder Fünfte (22 Prozent) Offenheit gegenüber Zugewanderten zu den wichtigsten Aspekten des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Bedrohungsszenarien und wahrgenommene Risiken
Die Befragten identifizieren mehrere Faktoren, die das Zusammenleben negativ beeinflussen könnten. Am häufigsten genannt wurden:
- Fake News: 54 Prozent
- Politischer Islam: 52 Prozent
- Weltweite Kriege, Konflikte und Terrorismus: 52 Prozent
- Große Migrationsbewegungen: 51 Prozent
- Europäische Union als negativer Faktor: 25 Prozent
Besonders die Frage der kulturellen Identität fällt deutlich aus: Der Anteil derjenigen, die Sorgen um die österreichische Kultur für berechtigt halten, ist seit 2018 deutlich gestiegen (2018: 57 Prozent).
Konfliktlinien in der Gesellschaft
Die Umfrage identifiziert die größten Spannungsfelder: 56 Prozent nennen die Spannungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten als das größte gesellschaftliche Konfliktpotenzial. Weitere bedeutende Konfliktlinien sind die Spannungen zwischen Links und Rechts (50 Prozent) sowie zwischen Arm und Reich (40 Prozent).
| Thema | Anteil der Nennungen |
|---|---|
| Österreichs Kultur in Gefahr | 75 % |
| Zusammenhalt sehr/ eher gut | 48 % |
| Zusammenhalt eher/ sehr schlecht | 49 % |
| Positiver Kontakt im Freundes- und Bekanntenkreis | 73 % |
Alltagserfahrungen mit Zugewanderten
Die Bewertung des Kontakts mit Zugewanderten weicht stark nach Lebensbereichen ab: Im Freundes- und Bekanntenkreis berichten 73 Prozent von sehr oder eher positiven Erfahrungen. Im öffentlichen Raum fällt das Urteil deutlich negativer aus, konkrete Zahlen dazu wurden in der präsentierten Zusammenfassung nicht weiter ausgeführt.
Die Ergebnisse zeigen einen Widerspruch, der politische und kulturelle Debatten prägen dürfte: Auf der einen Seite stehen hohe Werte für persönliche Kontakte und alltägliche Positivwahrnehmung; auf der anderen Seite dominieren Wahrnehmungen von Risiko und kultureller Bedrohung in der breiten Bevölkerung.
Für Politik und Kulturinstitutionen bedeutet dies zweierlei: Zum einen bestätigt die Umfrage die Relevanz integrativer Initiativen in Nachbarschaften, Schulen und kulturellen Angeboten. Zum anderen liefert sie Anlass, die öffentliche Kommunikation über Migration, Identität und die Rolle der EU gezielt zu thematisieren, um an Ängsten und Fehlinformationen anzusetzen.
Die Studie ist eine Momentaufnahme der Stimmungslage im Frühjahr 2026. Ihre Ergebnisse können Debatten in Nationalrat, Gemeinden und im zivilgesellschaftlichen Feld befeuern — insbesondere weil sie sowohl Chancen (positive Alltagskontakte) als auch Bruchlinien (Wahrnehmung von Bedrohung) offenlegen.