Biel will sich schrittweise vom Erdgasnetz verabschieden: Der kommunale Versorger Energie Service Biel (ESB) kündigt an, bis zum Jahr 2050 einen Grossteil des Gasnetzes stillzulegen und stattdessen auf Wärme aus erneuerbaren Quellen zu setzen. Als Startzeitraum für die ersten Netzabschaltungen nennt der ESB das Jahr 2037.
Was geplant ist
Konkret sieht das Projekt vor, die bisherige Gasleitungs-Länge von rund 220 Kilometern auf etwa 50 Kilometer zu reduzieren. Parallel dazu will der Versorger rund 150 Millionen Franken in den Ausbau von Fernwärmenetzen investieren. Diese Netze sollen unter anderem mit Energie aus See- und Grundwasser sowie aus Holz betrieben werden. Einzelne Gas-Abschnitte, beispielsweise in der Altstadt oder für industrielle Anwendungen, sollen bestehen bleiben und künftig gegebenenfalls mit Biogas versorgt werden.
Wer betroffen ist und wie informiert wird
Betroffene Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümer werden laut Mitteilung des ESB ab Herbst 2026 schriftlich benachrichtigt. Bereits jetzt stehen verschiedene Informations- und Beratungsangebote zur Verfügung, damit Hauseigentümerinnen und -eigentümer einen Heizungswechsel frühzeitig planen können. Der Versorger betont, der Schritt leiste einen Beitrag zum Netto‑Null-Ziel der Stadt bei den Treibhausgasemissionen.
- Start der Stilllegungen: 2037
- Zieljahr für Grossteil-Stilllegung: 2050
- Reduktion der Gasnetz-Länge: von 220 km auf 50 km
- Geplante Investitionen: rund 150 Millionen CHF in Fernwärme
- Informationsstart für Eigentümer: Herbst 2026
Konsequenzen und offene Fragen
Die Ankündigung betrifft mehrere Bereiche: Für die Stadt Biel ist sie ein Instrument zur Erreichung kommunaler Klimaziele; für Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümer bedeutet sie Planungspflichten und Investitionsentscheidungen bei Heizsystemen. Für die Versorgungsinfrastruktur ergibt sich die Herausforderung, die Umstellung so zu gestalten, dass Versorgungssicherheit, Kostenverträglichkeit und soziale Aspekte berücksichtigt werden. In der Mitteilung nennt der ESB die alternativen Wärmequellen, nicht jedoch Details zu Fördermodellen, konkreten Anschlusslösungen für einzelne Quartiere oder zu zeitlichen Abläufen einzelner Netzabschaltungen.
Wesentliche offene Punkte, die künftig zu klären sind, betreffen unter anderem:
- Finanzierungs- und Förderkonzepte für Privathaushalte bei Heizungsumstellungen;
- Ausbaumodalitäten und Zeitplan für die Fernwärmeversorgung in betroffenen Gebieten;
- Regelungen für historische Gebäude in der Altstadt, für die Gasanschlüsse weiterhin bestehen bleiben könnten;
- Technische und tarifliche Fragen rund um die Versorgung mit Biogas für industrielle Nutzungen.
Kurzüberblick in Zahlen
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Aktuelle Gasnetz-Länge | ~220 km |
| Ziel-Netzlänge | ~50 km |
| Investitionen Fernwärme | ~150 Mio. CHF |
| Beginn Stilllegungen | 2037 |
| Zieljahr | 2050 |
Die Umstellung in Biel reiht sich ein in eine wachsende Zahl kommunaler Strategien zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Europa. Entscheidend wird sein, wie der Übergang gestaltet wird, damit Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit in Einklang stehen. Der ESB will betroffene Eigentümerinnen und Eigentümer noch heuer schriftlich informieren und bietet bereits jetzt Beratung an, um die individuelle Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Was Leserinnen und Leser jetzt tun können: Wer in Biel eine Liegenschaft besitzt, sollte die angekündigten Schreiben ab Herbst 2026 beachten und die vorhandenen Beratungsangebote des ESB nutzen, um den möglichen Heizungswechsel rechtzeitig zu planen.