Hintergrund und Befund
Das Stadtmuseum am Markt in Wiesbaden wird aktuell im historischen, aber beengten und feuchten Marktkeller unter dem Marktplatz präsentiert. Dort können nur wenige der insgesamt rund 500.000 Exponate gezeigt werden; die Bestände reichen von Fundstücken aus der Altsteinzeit bis in das frühe 20. Jahrhundert und umfassen unter anderem die Sammlung Nassauischer Altertümer.
Neue Standortoption: die ehemalige „Sportarena“
Eine nun vorliegende Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass ein Umzug in das leerstehende Gebäude der früheren Sportarena — ein in den 1970er-Jahren als Kaufhalle errichtetes Gerüst an der Langgasse — technisch und räumlich machbar wäre. Das Gebäude wurde später als Sportkaufhaus genutzt und bietet laut Studie ein großzügiges Obergeschoss, das dem Museum Räume verschaffen könnte, die ihm derzeit fehlen.
Aus Sicht von Museumsdirektorin und Fördervereinen wäre ein Umzug keinesfalls nur ein reiner Museumsneubau: Vielmehr könne der Standort zum Kern eines „Ortes der Geschichte, der Kommunikation, des Lernens und der Entspannung“ werden, so Vertreterinnen des Hauses. Stadtplaner bezeichnen solche Begegnungsstätten als „Dritte oder Vierte Orte“, Räume, die Begegnung und Austausch abseits von Zuhause und Arbeitsplatz ermöglichen.
„Dritte oder Vierte Orte“
Motive und Erwartungen
Befürworterinnen und Befürworter sehen mehrere Effekte: Zum einen würde das Museum deutlich mehr Fläche für Ausstellungen und Depotzugang erhalten; zum anderen könnte ein zentral gelegenes Museum zur Belebung der oft als darbend beschriebenen Fußgängerzone beitragen. Die Vorsitzende des Fördervereins hebt hervor, dass die Bestände des Hauses umfangreiche Perspektiven auf die regionale Geschichte böten und damit ein größeres Publikum anziehen könnten.
Städtebauliche Vergleiche und Erfahrungen anderer Städte
Als Vorbild wird in der Studie der Umgang anderer Kommunen mit leerstehenden Warenhausflächen genannt: In Offenbach etwa hat die Stadt ein ehemaliges Kaufhaus übernommen und zu einem Lern- und Kommunikationszentrum umgebaut, in dessen Mittelpunkt die Stadtbibliothek steht. Dort verbinden die Planerinnen Bildung, freien Zugang und digitale Arbeitsplätze — ein Konzept, das auch für Wiesbaden diskutiert wird, ohne dass konkrete Umsetzungspläne oder Finanzierungszusagen vorliegen.
| Aspekt | Marktkeller (Ist) | Ehem. Sportarena (Soll) |
|---|---|---|
| Ausstellungsfläche | Begrenzt, feucht | Deutlich größer, hellere Räume |
| Präsentierbare Objekte | Nur ein Bruchteil der ~500.000 | Mehr Dauer- und Wechselausstellungen möglich |
| Stadtentwicklung | Geringer Impuls | Potenzial zur Belebung der Fußgängerzone |
Offene Fragen und Konsequenzen
Trotz der positiven Bewertung durch die Studie bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet: Finanzierung, Zeitplan, denkmalpflegerische und bauordnungsrechtliche Anforderungen, sowie die konkreten Nutzungskonzepte für die Ausstellung, Depots und Vermittlungsangebote. Auch die Rückwirkung auf Marktbeschicker, den Verkehr in der Langgasse und auf angrenzende Gewerbemieter müsste untersucht werden.
- Mehr Ausstellungsfläche könnte den Zugang zu umfangreichen Beständen verbessern.
- Ein neues Museum an prominenter Stelle könnte die Innenstadt beleben.
- Konkrete Finanzierungs- und Nutzungspläne fehlen bislang.
Für die Museumsleitung ist klar, dass die jetzige Unterbringung langfristig nicht den Anforderungen an Sammlungsschutz und Besucherangebot genügt. Die Studie gibt der Debatte in Wiesbaden neuen Anschub: Sie eröffnet eine Perspektive, macht aber zugleich deutlich, dass aus einer Machbarkeitsstudie erst durch politische Entscheidungen, Haushaltsmittel und zügige Planung Realität werden kann.
Die weitere Diskussion dürfte nicht nur Fragen von Denkmalschutz und Finanzierung berühren, sondern auch das Verhältnis von Kulturförderung und Stadtentwicklung: Ob das Projekt tatsächlich zu einem neuen, multifunktionalen Begegnungsort für die Landeshauptstadt wird, hängt nun von der nächsten politischen und finanziellen Weichenstellung ab.