Birmingham. Im dramatischen Finale des Speerwerfens bei den Leichtathletik-Europameisterschaften sicherte sich Julian Weber im letzten Versuch die Goldmedaille und sorgte damit für einen der emotionalen Höhepunkte des vorletzten Finalabends im Alexander Stadium. Der deutsche Spitzenwerfer übertraf mit einem Stoß von 90,40 Metern den bis dahin führenden Teamkollegen Nick Thumm, der mit 83,76 Metern überraschend Silber gewann.
Letzter Versuch entscheidet über Titel
Weber, dessen Saison von Schulterproblemen geprägt war, rang lange mit dem Wettkampf. Erst im allerletzten Durchgang gelang ihm der entscheidende Wurf, der im Stadion Jubel auslöste und den 90‑Meter‑Meilenstein übertraf. Thumm, EM‑Debütant und bis dahin überraschender Führender, zeigte sich trotz des Verpassens der Spitzenplatzierung zufrieden: Sein Ergebnis bedeutete eine persönliche Bestleistung.
„Ich wollte einfach zeigen, dass ich ein mentales Biest bin. Ich bin so unfassbar froh.“
Nach dem Finale suchte Weber den Weg zu dem am Boden liegenden Thumm, der das Wettkampffinale erschöpft, aber lächelnd auf dem Platz verfolgte. Die Geste unterstrich den deutschen Doppelerfolg, der vom Deutschen Leichtathletik‑Verband (DLV) als einer der Höhepunkte des Abends gewertet wurde.
Bilanz des DLV und weitere deutsche Leistungen
Der DLV blickte vor dem Schlusstag auf eine erfolgreiche EM‑Bilanz: Insgesamt standen bis dahin 15 Medaillen, darunter vier Goldene, zu Buche. Neben dem Speerwurf feierte die deutsche 4x100‑Meter‑Staffel eine Silbermedaille hinter dem favorisierten Team aus Großbritannien. Hochspringerin Christina Honsel verpasste als Vierte nur knapp eine Überraschungsmöglichkeit, während Robert Farken über 1.500 Meter mit Rang neun deutlich hinter seinen Erwartungen zurückblieb.
| Team | Medaillezahl (bis vor Schlusstag) | Gold |
|---|---|---|
| Deutschland (DLV) | 15 | 4 |
Bei den Speerwerfern hatte Weber in dieser Saison bereits mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen; sein Vater gab öffentlich an, zeitweise nicht mehr an einen Sieg geglaubt zu haben. Dass der 90,40‑Meter‑Wurf dennoch gelang, veränderte die nationale Medaillenstruktur unmittelbar und verschob die Gewichtung der deutschen Erfolge am vorletzten Wettkampftag.
Thumms überraschender Auftritt und Perspektiven
Der 21‑jährige Nick Thumm avancierte durch seine Silbermedaille zum überraschenden EM‑Shootingstar. Trotz Krämpfen gegen Ende des Wettkampfs gelang ihm mit 83,76 Metern eine persönliche Bestleistung, die den Youngster deutlich in den Fokus rückte. Thumm kommentierte die Situation nach dem Wettkampf gelassen und gab zu verstehen, dass er mit dem Ergebnis sehr zufrieden sei.
Für Weber ist die Goldmedaille ein wertvoller Triumph nach Rang zwei bei der EM 2024 in Rom und bislang ohne Edelmetall bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Der Erfolg in Birmingham stärkt seine Position als europäische Spitzenkraft im Speerwurf und wird im DLV‑Team als wichtiger Impuls für die kommenden internationalen Aufgaben gewertet.
- Julian Weber: EM‑Gold mit 90,40 m im letzten Versuch.
- Nick Thumm: Überraschendes EM‑Silber und persönliche Bestleistung (83,76 m).
- DLV: Bis vor dem Schlusstag insgesamt 15 Medaillen, davon 4 Goldene.
Der vorletzte Finalabend im Alexander Stadium bot damit einen Mix aus großen Emotionen und unerwarteten Leistungen: Während erfahrene Athleten wie Weber ihren Status untermauerten, rückten junge Talente wie Thumm in den Blickpunkt. Die deutsche Mannschaft reist mit gestärktem Selbstvertrauen in den Schlusstag der Europameisterschaften.