Ausbildungsbeginn naht: Arbeitgeber suchen weiter Nachwuchs
Im Landkreis Ludwigsburg sind wenige Wochen vor dem offiziellen Start des neuen Ausbildungsjahres weiterhin zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), gestützt auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, sind aktuell 903 Ausbildungsplätze bei der Arbeitsagentur gemeldet.
Betroffen sind insbesondere Betriebe der Lebensmittelbranche sowie Handwerksbetriebe des Bäcker- und Konditorenhandwerks. Die NGG zählt in der Lebensmittelindustrie noch 75 offene Ausbildungsstellen; in Bäckereien sind es 69 Plätze, sowohl in Produktion als auch im Verkauf. Auch Gastronomie und Hotellerie melden freie Stellen: Hier sind noch rund 25 Ausbildungsplätze verfügbar.
„Die meisten Betriebe sind da flexibel: Die Ausbildung muss nicht pünktlich am 1. September anfangen. Auch im Oktober geht da oft noch was“, sagte Magdalena Krüger, Geschäftsführerin der NGG Stuttgart.
Die Gewerkschaft empfiehlt Jugendlichen, die derzeit noch keinen Ausbildungsvertrag haben, die verbleibende Zeit intensiv für Bewerbungen zu nutzen. Zugleich weist sie darauf hin, dass ein Ausbildungsbeginn auch nach dem 1. September möglich sein kann und viele Unternehmen in diesen Fragen flexibel reagieren.
Empfehlungen der Gewerkschaft: Mehr als nur ein Platz
Die NGG betont, dass bei der Auswahl eines Ausbildungsbetriebs nicht allein auf die Existenz eines freien Platzes geachtet werden sollte. Entscheidende Kriterien sind laut Gewerkschaft:
- eine angemessene Ausbildungsvergütung, idealerweise tariflich geregelt,
- Vorhandensein einer Jugend- und Auszubildendenvertretung, die die Umsetzung des Ausbildungsplans begleitet,
- eine Ausbildung mit fachlicher Vielfalt und nicht nur dauerhaften Hilfsarbeiten, insbesondere im Lebensmittelhandwerk.
Die NGG macht deutlich, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung langfristig bessere Perspektiven für berufliche Entwicklung bietet als langfristige Gelegenheitsjobs. Gerade die kaufmännischen Inhalte im Verkauf oder in der Verwaltung sollten Lehrlinge in Bäckereien nach Ansicht der Gewerkschaft ebenfalls kennenlernen, damit die Ausbildung umfassend bleibt.
Auswirkungen für Betriebe und Arbeitsmarkt
Für die regionale Wirtschaft stellen die offenen Ausbildungsplätze ein Signal dar. Einerseits bleibt kurzfristig Personal in den Betrieben unbesetzt, andererseits droht mittelfristig ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Handwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie sind Branchen, die traditionell stark von betrieblicher Ausbildung abhängig sind.
| Sektor | Offene Ausbildungsplätze |
|---|---|
| Landkreis gesamt | 903 |
| Lebensmittelindustrie | 75 |
| Bäckereien (Produktion und Verkauf) | 69 |
| Hotels, Restaurants, Gaststätten | 25 |
Für Kommunen, Bildungseinrichtungen und Kammern stellt sich die Frage, wie Bewerbungs- und Vermittlungsangebote zielgerichtet verbessert werden können. Berufsorientierung an Schulen, Praktika, aber auch gemeinsame Informations- und Vermittlungsaktionen von Arbeitsagentur und Innungen könnten helfen, die Lücke zu schließen.
Jugendliche ohne Ausbildungsplatz rät die NGG, nicht zu resignieren und weiterhin aktiv Bewerbungen zu schreiben. Für Betriebe gilt die Aufforderung, Ausbildungsplätze attraktiv zu gestalten und auf faire Ausbildungsbedingungen zu achten, um junge Menschen dauerhaft an den Standort zu binden.
Die Situation im Kreis Ludwigsburg zeigt, dass Ausbildungsplätze zwar vorhanden sind, aber Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenfinden. Die nächsten Wochen werden entscheiden, wie viele der gemeldeten Stellen noch vor dem Jahreswechsel besetzt werden können.