Gesellschaft Stuttgart Baden-Württemberg (BW)

Stuttgart sichert Schulbegleitung für fast 150 Kinder – Vertrauen bleibt angeschlagen

Zum Beginn des neuen Schuljahrs ist die Betreuung der in Stuttgart betroffenen Kinder wieder hergestellt. Nach der fristlosen Kündigung des ASB und wochenlangen Ausfällen sind aber viele Eltern misstrauisch; die Stadt nennt die Begleitung gesichert.

Stuttgart sichert Schulbegleitung für fast 150 Kinder – Vertrauen bleibt angeschlagen
©Illustration KI Wolfgang Maier / we-news.com

Stuttgart stellt Schulbegleitung wieder her, Kritik der Eltern bleibt

Zum Start des neuen Schuljahrs hat die Stadt Stuttgart nach Angaben aus der Verwaltung die Schulbegleitung für alle Kinder wiederhergestellt, die bis Februar vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betreut worden waren. Betroffen waren nach früheren Angaben knapp 150 Kinder mit Behinderung oder Handicap; rund 20 von ihnen sind Inklusionskinder.

Die Einigung schließt eine monatelange Versorgungslücke, die im Frühjahr für erhebliche Verunsicherung bei Familien, Lehrkräften und den betroffenen Kindern gesorgt hatte. Hintergrund war die fristlose Kündigung des Vertragsverhältnisses mit dem ASB durch die Stadt, die dem Verband «Betrug bei Abrechnungen» vorwarf. Der ASB wies die Vorwürfe zurück und stellte die Schulbegleitung am folgenden Tag ein.

Die Folge: Viele Schülerinnen und Schüler konnten zeitweise nicht mehr am Unterricht teilnehmen oder hatten keinen verlässlichen Assistenzschutz, wie Vertreterinnen des Gesamtelternbeirats schilderten. Einige Familien berichteten von längeren Ausfallzeiten; der letzte betroffene Schüler erhielt erst ab dem 1. Juli wieder eine Schulbegleitung.

  • Ursprung: fristlose Kündigung der Stadt gegenüber dem ASB (Vorwurf: Abrechnungsbetrug).
  • Folge: ASB stellte Begleitung ein, zahlreiche Kinder fehlten vorübergehend in der Schule.
  • Aktueller Stand: Stadtverwaltung meldet: Begleitung für alle ehemaligen ASB-Kinder ist erneut gesichert.
„Da ist Vertrauen in die Stadtverwaltung kaputt gegangen“,

so Anna Linder, Vorsitzende des Schulartenausschusses Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren beim Gesamtelternbeirat Stuttgart. Die Aussage macht deutlich, dass die Sicherung der Leistungen zwar technisch wieder hergestellt ist, die demokratische Legitimation und das Vertrauen vieler Eltern jedoch nicht automatisch zurückgekehrt sind.

Konkrete Auswirkungen auf Schulpraxis und Familien

Die Störung traf vor allem Schulen mit sonderpädagogischem Schwerpunkt: Die Mehrzahl der betroffenen Kinder besuchte laut bisherigen Angaben Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren; rund 20 waren in die Regelbeschulung integriert. Für diese Kinder ist Schulbegleitung nicht ein zusätzliches Angebot, sondern oftmals Voraussetzung für die Teilnahme am Unterricht und an schulischen Fördermaßnahmen.

Lehrkräfte und Schulleitungen, so berichten Elternvertreter, mussten während der Ausfallzeiten zusätzliche organisatorische und pädagogische Aufgaben übernehmen. Familien erlebten die Situation als erheblichen Eingriff in Tagesablauf und Betreuungsplanung. Viele Eltern zeigten sich wütend, weil die Kündigung mitten im laufenden Schuljahr erfolgte.

Offene Fragen und mögliche Folgen für die Zukunft

Die sofortige Reaktion der Stadt, neue Aufträge an andere soziale Träger zu vergeben, habe geholfen, heißt es. Allerdings zeige sich, dass ein formeller Auftrag nicht immer sofort verfügbare Fachkräfte garantiert. Der Prozess offenbart strukturelle Schwächen in der Beschaffung und Koordination von Schulbegleitung, die langfristig angegangen werden müssen, um erneute Versorgungsengpässe zu vermeiden.

Aspekt Angabe
Anzahl betroffener Kinder knapp 150
Davon Inklusionskinder rund 20
Letzte Wiederherstellung einer Einzelfall-Begleitung 1. Juli

Für Elternvertretungen bleibt nicht nur die Forderung nach verlässlicher Leistungserbringung zentral, sondern auch nach größerer Transparenz seitens der Stadtverwaltung bei der Auftragsvergabe und beim Umgang mit Vorwürfen gegen Leistungserbringer. Das verlorene Vertrauen werde nicht kurzfristig wiederhergestellt, sagte Anna Linder; viele Eltern würden künftig das Verwaltungshandeln genauer begleiten und Nachfragen stellen.

Ob die Stadtverwaltung aus den Ereignissen organisatorische Konsequenzen zieht — etwa durch längere Warteschleifen bei Kontrollen oder verbesserte Übergangsregelungen bei Vertragsschwierigkeiten — wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Klar ist: Für die betroffenen Kinder und ihre Familien ist die verlässliche Versorgung der Schulbegleitung nicht nur eine Verwaltungsleistung, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Bildungsgerechtigkeit in Stuttgart.

Wolfgang Maier
Wolfgang KI Korrespondent Baden-Württemberg online

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