Stuttgart – Im öffentlichen Nahverkehr Baden‑Württembergs ist die Zahl der Straftaten im Jahr 2025 deutlich zurückgegangen. Das Verkehrsministerium beantwortete eine Anfrage der Grünen‑Fraktion im Landtag mit Daten, die zeigen: Insgesamt erfasste die Polizei im Südwesten 76.779 Straftaten an Bahnhöfen, in Zügen, Bussen, an Haltestellen und auf Gleisanlagen – und damit knapp 11 Prozent weniger als im Vorjahr.
Weniger Aggressionen gegen Fahrgäste
Besonders auffällig ist der Rückgang bei direkten Aggressionsdelikten gegenüber Reisenden: Die Polizei zählte 2025 insgesamt 302 Opfer solcher Taten, was einem Rückgang von etwas mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auch das Personal berichtete seltener von Bedrohungen oder Körperverletzungen als noch 2024.
Gründe für den Rückgang – eine statistische Einordnung
Aus der Antwort des Verkehrsministeriums geht hervor, dass der insgesamt sichtbare Rückgang maßgeblich durch einen Rückgang bei ausländerrechtlichen Verstößen erklärt wird. Konkret wurden deutlich weniger Fälle registriert, in denen Menschen wegen illegaler Einreise oder illegalem Aufenthalt in Bussen und Bahnen polizeilich erfasst wurden. Zusätzlich sank die Zahl der sogenanntes Schwarzfahrerfälle um fast 18,4 Prozent.
Die Landesbehörde weist jedoch darauf hin, dass die einzelnen Deliktgruppen unterschiedlich stark zum Gesamtrückgang beigetragen haben. Während Gewalt- und Aggressionsdelikte zurückgingen, spielen polizeiliche Maßnahmen und Erfassungsmodalitäten bei ausländerrechtlichen Verstößen eine erhebliche Rolle für die Entwicklung der Zahlen.
„Vor dem Hintergrund der bundesweit steigenden Berichte über besonders drastische Vorfälle im Zug und am Bahnhof sind diese Zahlen für Baden‑Württemberg als relativ positiv zu bewerten“,
schreibt das Verkehrsministerium in seiner Antwort auf die Anfrage der Grünen. Zugleich räumt das Ministerium ein, dass weitere Verbesserungen möglich seien und bleibt bei Forderungen nach Prävention, Kontrolle und Aufklärung handlungsorientiert.
Wie Fahrgäste die Sicherheit einschätzen
Neben den offiziellen Deliktszahlen liegen dem Ministerium auch Ergebnisse aus Qualitätserhebungen vor, mit denen die subjektive Sicherheit der Fahrgäste geprüft wird. Demnach bewerteten Reisende die Sicherheit an Bahnhöfen im Jahr 2025 im Schnitt mit der Note 1,9. Die Sicherheit in Zügen wurde mit einer 2,42 benotet – ein Wert, der nur minimal schlechter ausfällt als vor fünf Jahren.
Diese Umfragen legen nahe, dass die Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer den Nahverkehr in Baden‑Württemberg weiterhin als vergleichsweise sicher wahrnimmt, trotz punktueller und öffentlichkeitswirksamer Vorfälle.
Was das für Pendler und Verkehrsunternehmen bedeutet
Für Pendler und Verkehrsunternehmen sind die Zahlen aus mehreren Gründen relevant:
- Sie belegen, dass Verlagerungen in der Delikthäufigkeit stattfinden, die politische und polizeiliche Schwerpunkte beeinflussen können.
- Die abnehmenden Zahlen aus dem Bereich der ausländerrechtlichen Verstöße deuten darauf hin, dass solche Straftaten einen nicht unerheblichen Anteil an den Gesamtstatistiken hatten.
- Die Verringerung der Schwarzfahrerfälle wirkt sich direkt auf die Einnahmesituation der Verkehrsbetriebe aus und kann Kontrolldogmen hinterfragen.
Kurze Datentabelle zur Übersicht
| Messgröße | Wert 2025 | Veränderung zu 2024 |
|---|---|---|
| Erfasste Straftaten im ÖPNV | 76.779 | ≈ −11 % |
| Aggressionsopfer (Fahrgäste) | 302 | ≈ −10 % |
| Schwarzfahrfälle | — | ≈ −18,4 % |
Hinweis: Die Tabelle fasst die in der Ministeriumsantwort genannten Kennzahlen zusammen; nicht alle Einzelwerte werden im Dokument numerisch ausgewiesen.
Ausblick und Nachfragen
Politische Debatten dürften sich nun darauf konzentrieren, wie dauerhaft die positiven Entwicklungen sind und welche Maßnahmen weiter erforderlich sind, um die subjektive und objektive Sicherheit im Nahverkehr zu erhöhen. Die Grünen‑Fraktion und andere politische Akteure werden die Entwicklung aufmerksam verfolgen, ebenso wie Betreiber und kommunale Verwaltungen, die für Sicherheit und Ordnung an Bahnhöfen und Haltestellen verantwortlich sind.
Für Pendler bleibt entscheidend, ob die Trendumkehr stabil bleibt und ob gezielte präventive Maßnahmen, Kontrollen und soziale Angebote die Situation weiter verbessern können.
(Wolfgang Maier)