Hannover/Berlin. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach. Die Ermittlungen haben in Hannover und Berlin zu Durchsuchungen in Büroräumen, in der Berliner Wohnung des Politikers und in der Landesparteizentrale der SPD geführt. Die Ermittler machten zu den konkreten Vorwürfen zunächst keine Angaben.
Was ist bisher bekannt?
Nach Angaben aus Parteikreisen und eigenen Erklärungen von Krach richten sich die Ermittlungen nach seinen Vermutungen gegen den Vorwurf der Korruption. Die Staatsanwaltschaft verwies auf ermittlungstaktische Gründe und betonte die Geltung der Unschuldsvermutung. Krach war bis zu seinem Wechsel nach Berlin im Sommer 2025 Präsident der Region Hannover und ließ sich von diesem Amt beurlauben, um als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin anzutreten, die am 20. September stattfindet.
Welche Maßnahmen fanden statt?
Am Mittwoch durchsuchten Einsatzkräfte die Büroräume Krachs in Hannover, dessen Wohnung im Berliner Ortsteil Schöneberg sowie die SPD-Landesparteizentrale in Berlin-Wedding. Konkrete Ergebnisse der Durchsuchungen wurden bislang nicht veröffentlicht. Die Staatsanwaltschaft Hannover antwortete auf wiederholte dpa-Anfragen zunächst nicht mit Details.
Ermittlungsgegenstand nach Einschätzung von Krach
Krach machte gegenüber Medienangaben geltend, bei den Untersuchungen spiele der Verkauf eines früheren Krankenhausgeländes eine Rolle. In seiner Zeit als Regionspräsident war er zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats des Klinikums der Region Hannover. Zur Begründung seiner Sichtweise führte er aus:
„Ich habe vorgeschlagen, dass wir dort ein regionales Gesundheitszentrum etablieren, das haben wir dann auch gemacht.“
Er erklärte weiter, ein Vergabeverfahren für den Verkauf des Geländes habe ab Oktober 2025 begonnen. Zwei Angebote seien in die engere Auswahl gekommen; Krach habe eines davon favorisiert. Der Aufsichtsrat habe sich jedoch im Februar für den anderen Anbieter entschieden.
Verbindung zu einer Parteispende
Nach Darstellung des Politikers hatte der von ihm favorisierte Unternehmer kurz vor der Entscheidung angekündigt, der Berliner SPD einen größeren Betrag spenden zu wollen. Krach bestätigte, dass am 29. Dezember ein Betrag von 9.900 Euro auf dem Konto der SPD Berlin einging. Zu diesem Zeitpunkt bekleidete Krach sowohl das Amt des Regionspräsidenten als auch die Rolle des Berliner SPD-Spitzenkandidaten und war kommissarischer Landesvorsitzender.
Nach eigenen Angaben erfuhr Krach erst am 7. Januar 2026 von der Spende und reagierte unmittelbar. Die Pressemitteilungen und öffentlichen Verlautbarungen der Partei zu den weiteren Schritten sind bisher knapp.
Auswirkungen auf Partei und Wahlkampf
Die Ermittlungen haben unmittelbare Folgen für den Wahlkampf in Berlin: Sie treffen den Spitzenkandidaten der SPD in einer entscheidenden Phase und haben in der Partei Besorgnis ausgelöst. Wie die Berliner SPD und die regionale Parteiorganisation in Hannover auf längere Sicht mit der Situation umgehen, bleibt offen. Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass die Unschuldsvermutung gilt und zu ermittlungstaktischen Gründen keine Details mitgeteilt werden.
- Durchsuchungen: Büroräume in Hannover, Wohnung in Schöneberg, SPD-Landeszentrale Berlin-Wedding.
- Mutmaßlicher Gegenstand: Verkauf eines ehemaligen Krankenhausgeländes, Vergabeverfahren ab Oktober 2025.
- Finanzielle Verknüpfung: Parteispende von 9.900 Euro am 29. Dezember.
Tabelle: Zeitliche Eckdaten
| Datum/Periode | Ereignis |
|---|---|
| Sommer 2025 | Krach wechselt von Hannover nach Berlin, beurlaubt als Regionspräsident |
| Oktober 2025 | Beginn des Vergabeverfahrens für das Krankenhausgelände |
| 29. Dezember | 9.900 Euro auf SPD Berlin Konto eingegangen |
| 7. Januar 2026 | Krach gibt an, von der Spende erfahren zu haben |
| Februar | Aufsichtsrat entscheidet sich für den anderen Anbieter |
Ausblick
Die Staatsanwaltschaft Hannover setzte bislang keine weiteren Informationen zu den Vorwürfen in die Öffentlichkeit. Ob es zu Anklagen kommt oder die Ermittlungen zu anderen Ergebnissen führen, bleibt abzuwarten. Für die Beteiligten bedeutet die laufende Untersuchung eine Phase rechtlicher und politischer Unsicherheit. Die SPD steht vor der Aufgabe, Transparenz und Aufklärung zu gewährleisten, ohne laufende Ermittlungen zu beeinträchtigen.
Die Redaktion wird Entwicklungen verfolgen und über neue Erkenntnisse berichten, sobald offizielle Informationen vorliegen.