In Münster ist am 25. September die erste islamisch-theologische Fakultät Deutschlands offiziell eröffnet worden. Die Zeremonie fand im historischen, ehemaligen fürstbischöflichen Schloss der Westfälischen Wilhelms-Universität statt; rund 300 internationale Gäste nahmen am Festakt teil. Vertreter aus Politik, Kirche und Hochschulen unterstrichen die Bedeutung des Schrittes für die akademische und gesellschaftliche Verankerung islamischer Theologie in Deutschland.
Wissenschaftliche Autonomie und klare Abgrenzung zur Religionspraxis
Der Gründungsdekan, Mouhanad Khorchide, betonte in seiner Rede, die Fakultät sei keine Kanzel. „Gepredigt werde in der Moschee“, sagte Khorchide und stellte zugleich klar, dass an der Fakultät Wissenschaft frei sein müsse – „von wem auch immer“. Dieser Grundsatz wurde von den weiteren Rednern ausdrücklich aufgenommen: Theologie solle kritisch, ethisch orientiert und gesellschaftlich verantwortungsbewusst sein.
„Gepredigt werde in der Moschee. An der Fakultät müsse und werde Wissenschaft frei sein - von wem auch immer.“ — Mouhanad Khorchide
Reaktionen aus den Kirchen und historische Einordnung
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Wilmer, hob hervor, jede Theologie – ob christlich, islamisch oder jüdisch – müsse wach, leidensempfindlich und ethisch orientiert sein. Angesichts zunehmender Polarisierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit rief er dazu auf, „Schulter an Schulter“ an den Herausforderungen der Gesellschaft zu arbeiten.
Die Vorsitzende der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ruck-Schröder, verwies auf die historische Entwicklung: 1919 sei in Münster eine evangelische Fakultät gegründet worden, um den Evangelischen im damals stark katholisch geprägten Münster eine Stimme zu geben. Sie äußerte den Wunsch, dass die neue islamische Fakultät den Muslimen nun vergleichbare akademische und gesellschaftliche Möglichkeiten eröffne.
Aufgaben, Struktur und Perspektiven
Die Gründung der Fakultät markiert aus Sicht der Hochschulen einen Meilenstein in der Etablierung islamischer Theologie an deutschen Universitäten. Als Fakultät hat sie die Möglichkeit, eine eigene Studienordnung zu entwickeln, Studiengänge einzurichten, Prüfungen abzunehmen sowie Promotionen und Habilitationen zu betreuen. Derzeit lehren an der neuen Einrichtung acht Professorinnen und Professoren.
- Standort: ehemaliges fürstbischöfliches Schloss der WWU Münster
- Gäste beim Festakt: rund 300 internationale Teilnehmende
- Lehrpersonal: acht Professorinnen und Professoren
- Angebot: unter anderem Lehramtsstudium für islamischen Religionsunterricht
| Kompetenzbereich | Fakultätsrechtlich möglich |
|---|---|
| Studienordnungen | Ja |
| Einrichtung von Studiengängen | Ja |
| Prüfungen, Promotionen, Habilitationen | Ja |
Die Bemühungen um eine akademische islamische Theologie in Deutschland reichen nach Angaben der Initiatoren Jahrzehnte zurück. Ziel sei es, eine in Deutschland verwurzelte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam zu ermöglichen und dadurch auch ausländische Einflussnahmen einzudämmen.
Lokale Auswirkungen und Ausblick
Für Münster bedeutet die Fakultät nicht nur eine Erweiterung des Studienangebots, sondern auch eine Verstärkung des wissenschaftlichen und interreligiösen Diskurses in der Stadt. Die Möglichkeit, Lehramtsstudiengänge für den islamischen Religionsunterricht anzubieten, könnte langfristig Auswirkungen auf den schulischen Religionsunterricht in der Region haben. Zudem wurde auf dem Festakt die Vision eines „Campus der Religionen“ angesprochen, der interreligiöse Zusammenarbeit und Austausch fördern soll.
Wie sich die neue Fakultät organisatorisch und inhaltlich weiterentwickelt, welche Studiengänge konkret angeboten werden und wie die Vernetzung mit Gemeinden und Schulen vor Ort ausgestaltet wird, bleibt Gegenstand weiterer Entscheidungen und weiterer Berichterstattung.
Deniz Sahin
Korrespondent Nordrhein-Westfalen, WE NEWS