Der US-Autozulieferer Lear plant laut Angaben der Gewerkschaft IG Metall die Verlagerung der Fertigung vom hessischen Standort Gründau ins Ausland. Betroffen seien nach derzeitigen Informationen rund 180 Arbeitsplätze. Maschinen und Aufgaben sollen demnach in die Slowakei, nach Serbien und Tunesien verlagert werden. Die Maßnahmen sollen möglichst bald beginnen und bis Mitte 2027 abgeschlossen sein.
Standort nicht vollständig geschlossen
Der Standort in Gründau werde nicht vollständig aufgegeben, teilte die IG Metall mit: Etwa 120 Beschäftigte im Entwicklungsbereich blieben vorerst am Standort. Betriebsrat und Gewerkschaft kündigten an, gegen die Pläne vorzugehen und Alternativkonzepte zu prüfen, um Produktion und Arbeitsplätze in Gründau zu erhalten.
Der Vorsitzende des Betriebsrats, Markus Rotter, bezeichnete die Ankündigung als „Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“.
„Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“
Tarifliche Vereinbarung und rechtlicher Rahmen
Die IG Metall verwies auf eine erst im vergangenen Jahr mit Lear geschlossene tarifliche Vereinbarung für den Standort. Nach Angaben der Gewerkschaft seien betriebsbedingte Kündigungen dadurch bis Ende 2026 ausgeschlossen. Gleichzeitig habe sich das Unternehmen verpflichtet, über eine schrittweise Annäherung an die Tarifverträge der hessischen Metall- und Elektroindustrie zu verhandeln. IG-Metall-Geschäftsführer Matthias Ebenau erklärte, dass die Gespräche seit Monaten nicht vorangekommen seien.
Gewerkschaft und Betriebsrat planen Gegenstrategien
Betriebsrat und IG Metall kündigten an, Lear ein alternatives Konzept vorzulegen und rechtliche sowie tarifliche Möglichkeiten zu prüfen. Konkrete Maßnahmen oder Fristen nannten die Vertreter bislang nicht. Eine Stellungnahme des Unternehmens lag zunächst nicht vor.
- Gewerkschaft will Alternativkonzept entwickeln, um Fertigung zu erhalten.
- Betriebsrat prüft tarif- und arbeitsrechtliche Schritte gegen die Verlagerungspläne.
- Bis Ende 2026 sollen nach IG-Metall-Angaben betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein.
Betroffene Produkte und regionale Bedeutung
In Gründau werden nach Angaben der Gewerkschaft verschiedene Komponenten für die Automobilindustrie gefertigt, darunter Sitz- und Lenkradheizungen, Flächenheizungen sowie Sensorik und Elektronik. Für die Region ist der Standort von Bedeutung: Neben direkten Arbeitsplätzen hat die Fabrik Zuliefer- und Dienstleistungsbeziehungen, die von einer Verlagerung tangiert werden könnten.
| Position | Angaben |
|---|---|
| Betroffene Arbeitsplätze | ~180 |
| Beschäftigte im Entwicklungsbereich | ~120 |
| Geplante Zielstandorte | Slowakei, Serbien, Tunesien |
| Zeitraum für Umsetzung | Beginn: sobald wie möglich – Abschluss bis Mitte 2027 |
Auswirkungen und offene Fragen
Offen bleibt, wie viele der betroffenen Beschäftigten alternative Arbeitsplätze innerhalb der Lear-Gruppe angeboten werden oder ob soziale Maßnahmen wie Transfergesellschaften, Altersteilzeit oder Abfindungen verhandelt werden. Die IG Metall und der Betriebsrat haben angekündigt, ihre Forderungen in Verhandlungen und gegebenenfalls in tarif- oder arbeitsrechtlichen Verfahren durchzusetzen.
Für die Region stellen sich zudem Fragen zur Versorgung von Zulieferern und zu möglichen Folgeeffekten für lokale Dienstleister. Bislang gibt es keine Angaben zu Umfang und zeitlichem Ablauf möglicher Sozialpläne oder Unterstützungsinstrumenten.
Nächste Schritte
Die IG Metall und der Betriebsrat planen, kurzfristig Gespräche mit dem Unternehmen aufzunehmen und zeitnah ein alternatives Konzept vorzulegen. Beschäftigte und Öffentlichkeit müssen mit weiteren Informationen rechnen, sobald Lear eine offizielle Stellungnahme abgibt oder Verhandlungsergebnisse vorliegen.
Die Entwicklungen am Standort Gründau werden für die regionale Wirtschaft und Beschäftigten der Branche von unmittelbarem Interesse bleiben. Betriebsrat und Gewerkschaft haben bereits signalisiert, dass sie nicht allein zuschauen wollen, sollten verbindliche Zusagen aus der Vergangenheit nach Unternehmensangaben nicht eingehalten werden.