Ingeborg Friebe, die zwischen 1990 und 1995 als erste Frau den Landtag Nordrhein‑Westfalens leitete und über zwei Dekaden hinweg Bürgermeisterin von Monheim war, ist tot. Ihre Heimatstadt bestätigte den Tod der Politikerin im Alter von 95 Jahren. Friebe prägte Lokal‑ und Landespolitik über Jahrzehnte und wurde vielfach als Türöffnerin für Frauen in der Politik gewürdigt.
Vom Dienstleistungsberuf in die Politik
Friebe begann ihre berufliche Laufbahn nicht in Parlamenten, sondern in eher unspektakulären Tätigkeiten: Als Telefonistin und Schulsekretärin arbeitend, stieg sie schrittweise in der SPD und in der kommunalen Politik auf. 1975 zog sie erstmals in den Landtag von Nordrhein‑Westfalen ein. Ein Jahr später übernahm sie das Amt der Bürgermeisterin von Monheim und setzte sich maßgeblich gegen die geplante Eingemeindung der Stadt nach Düsseldorf ein.
Langjährige kommunale Führung
Ihr Bürgermeisteramt in Monheim übte Friebe insgesamt 21 Jahre lang aus. Während dieser Zeit erwarb sie sich wegen ihres zupackenden Auftretens den Spitznamen „Mutter Courage“. Die Stadt ehrte sie später mit dem Titel Ehrenbürgermeisterin.
Landespolitische Stationen
Parallel zu ihrem kommunalen Wirken blieb Friebe landespolitisch aktiv: Von 1975 bis 1995 gehörte sie dem nordrhein‑westfälischen Landtag an. 1985 wurde sie zur Vizepräsidentin des Landtags gewählt. Fünf Jahre später folgte als historische Premiere die Wahl zur Landtagspräsidentin – sie war die erste Frau in diesem Amt in Nordrhein‑Westfalen.
„Es hat Spaß gemacht“, bilanzierte Friebe rückblickend zu ihrer fünfjährigen Leitung des Landtags.
Unter ihrer Präsidentschaft setzte sie sichtbare Schwerpunkte: Kinder‑ und Kulturangebote fanden verstärkt Einzug in die Parlamentsarbeit, ein Umstand, auf den Friebe selbst besonders stolz gewesen sein soll.
Würdigung durch die Landespolitik
Ministerpräsident Hendrik Wüst bezeichnete Friebe als eine bedeutende und eindrucksvolle Persönlichkeit der Landespolitik. Er hob hervor, dass sie den Menschen stets offen und auf Augenhöhe begegnet sei und vielen Frauen den Weg in die Politik geebnet habe. Auch der aktuelle Landtagspräsident würdigte Friebes Vorbildfunktion als erste Vorsitzende des Parlaments.
Stadt Monheim trauert
Monheim, die Stadt, in der Friebe jahrzehntelang das öffentliche Leben mitgestaltete, teilte Informationen zum Tod der Ehrenbürgermeisterin mit. Konkrete Angaben zu Todesursache und geplanten Trauerveranstaltungen machte die Stadt in der ersten Mitteilung nicht; weitere Details sind noch offen.
- 1975: Erste Wahl in den Landtag Nordrhein‑Westfalen
- 1976–1997: Bürgermeisterin von Monheim (21 Jahre)
- 1985: Wahl zur Vizepräsidentin des Landtags
- 1990–1995: Erste Präsidentin des Landtags Nordrhein‑Westfalen
| Jahr | Funktion |
|---|---|
| 1975 | Landtagsabgeordnete |
| 1976–1997 | Bürgermeisterin von Monheim |
| 1985 | Vizepräsidentin des Landtags |
| 1990–1995 | Präsidentin des Landtags |
Bedeutung für die Frauen in der Politik
Friebes beruflicher Werdegang — vom Dienst in eher unteren Positionen bis zu Spitzenämtern auf kommunaler und landespolitischer Ebene — steht symbolisch für den sozialen und politischen Aufstieg von Frauen der Nachkriegs‑ und Nachfolgegeneration. Ihre Präsenz in Führungsfunktionen wurde von Zeitgenossen als Vorbild empfunden, das Hürden für weibliche Politikbeteiligung abbauen half.
Die genaue Planung für Gedenkveranstaltungen und offizielle Nachrufe der SPD sowie weiterer Institutionen stehen bislang noch aus. Die Stadt Monheim und das Landesparlament dürften in den kommenden Tagen ausführlich erinnern und die Lebensleistung Friebes würdigen.
Die Nachricht vom Tod Ingeborg Friebes erinnert an eine Politikerin, die lokal große Verwurzelung mit landespolitischer Bedeutung verband und deren Karriere viele spätere Wege für Frauen in der Politik geöffnet hat.