Landesbilanz und lokale Zahlen
Wiesbaden/Gießen — Das hessische Innenministerium hat die Abschiebungen für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Demnach wurden in den ersten sechs Monaten insgesamt 921 Personen aus Hessen abgeschoben. Für die Stadt Gießen weist das Ausländerzentralregister aktuell 328 ausreisepflichtige Personen aus, wie in einer Mitteilung der Landesbehörde und der Berichterstattung hervorgeht.
Minister betont konsequente Umsetzung
Innenminister Roman Poseck (CDU) stellte die Zahlen in Wiesbaden vor und hob die Position des Landes im bundesweiten Vergleich hervor. Er sagte:
„Hessen schiebt weiter konsequent und erfolgreich ab.“
Poseck bringt seine Linie bereits längere Zeit deutlich zum Ausdruck: Er befürwortet eine striktere Migrationspolitik, etwa die Wiederaufnahme von Abschiebungen nicht straffälliger Personen nach Afghanistan und die Ausweitung von Kontrollmöglichkeiten gegenüber Ausreisepflichtigen.
Vergleichsdaten und Kontext
Die Landesbilanz ordnet sich zeitlich ein: Die Zahl von 921 Abschiebungen liegt nahezu auf dem Niveau des Gesamtjahres 2021 (933) und knapp unter der Zahl des ersten Halbjahres 2025 (1.017).
| Zeitraum / Kennzahl | Anzahl |
|---|---|
| Erstes Halbjahr 2026 (Hessen) | 921 |
| Gesamtjahr 2021 (Hessen) | 933 |
| Erstes Halbjahr 2025 (Hessen) | 1.017 |
Nach Angaben des Ministeriums seien die hauptsächlichen Zielländer der Rückführungen die Türkei, Afghanistan, Algerien und Marokko. Das Ministerium erklärte zudem, die statistische Erfassung von Abschiebezahlen nach Gebietskörperschaften sei Ende 2024 aufgehoben worden. Die Abschaffung dieser Aufschlüsselung diene demnach dazu, den Beamten mehr Raum für die Durchführung von Rückführungen zu geben; eine nähere Aufschlüsselung, wie viele der Abschiebungen Personen aus der Stadt oder dem Landkreis Gießen betreffen, liege deshalb nicht vor.
Folgen für Gießen und Diskussion um Datenlage
Für Gießen hat die veröffentlichte Zahl von 328 Ausreisepflichtigen mehrere Auswirkungen: Behörden, Beratungsstellen und kommunale Einrichtungen müssen mit dem bestehenden Bestand an ausreisepflichtigen Personen arbeiten — sowohl bei der Durchsetzung von Rückführungen als auch bei der sozialen Beratung und Unterstützung. Die Abschaffung der detaillierten statistischen Erfassung erschwert allerdings eine differenzierte Analyse nach Stadt- und Landkreisgrenzen, etwa für Ressortplanung oder kommunale Debatten.
- Die Landesregierung betont die bundesweite Spitzenposition Hessens bei Abschiebungen.
- Bundesweit gingen die Abschiebungen im selben Zeitraum um etwa 18 Prozent zurück, in Hessen nur um 9 Prozent, so das Innenministerium.
- Konkrete Zahlen, welche Abschiebungen Personen aus Gießen betreffen, werden nicht mehr öffentlich nach Gebietskörperschaften ausgewiesen.
In Gießen bedeutet die reduzierte Datenverfügbarkeit, dass lokale Akteure stärker auf eigene Erhebungen, Verwaltungsdaten und persönliche Kontakte angewiesen sind, um die Lage vor Ort beurteilen zu können. Politische Debatten über Abschiebepraxis, Schutzstandards und humanitäre Fragen dürften deshalb an Schärfe gewinnen — nicht zuletzt, weil die Landespolitik die Zahlen als Legitimation für ein strafferes Vorgehen nutzt, während Verbände und Beratungsstellen auf individuellen Schutzbedarf hinweisen.
Die Landesbehörde hält an der Darstellung fest, dass Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern weiterhin einen hohen Umfang an Rückführungen realisiere. Zur genauen lokalen Verteilung einzelner Maßnahmen verweist das Ministerium auf die abgeschaffte Gebietserfassung, sodass belastbare Aussagen zu einzelnen Städten und Landkreisen — jenseits der vom Ausländerzentralregister genannten Bestandszahl für Gießen — derzeit nicht möglich sind.