Das Land Hessen reduziert die finanzielle Unterstützung für das Fachzentrum Schulisches Mobilitätsmanagement, das Kommunen bei der Verbesserung von Schulwegen berät. Die Entscheidung fällt, obwohl das Angebot stark nachgefragt wird: täglich begeben sich in Hessen nach Angaben der Landesstelle rund 805.000 Schülerinnen und Schüler auf Wege durch den Straßenverkehr.
Praxisnahe Hilfe vor Ort könnte schrumpfen
Seit 2019 hat das Fachzentrum mit mehr als 115 Schulen Schulmobilitätspläne erarbeitet. In diesen Plänen werden gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Schulen, der Polizei und der Kommune Gefahrenstellen analysiert und konkrete Maßnahmen empfohlen. Beispiele aus der Praxis zeigen den breiten Ansatz: Markierte Fußspuren, Elterntaxi-Haltestellen, angepasste Ampelphasen, vergrößerte Bushaltestellen, zusätzliche Fahrradständer oder Fahrbahnschwellen zur Verkehrsberuhigung.
In Dornholzhausen, einem Stadtteil von Bad Homburg, sind solche Maßnahmen bereits umgesetzt worden. Dort markieren gelbe Fußabdrücke den letzten Abschnitt des Schulwegs, und eine Elterntaxi-Haltestelle wurde rund 150 Meter von der Schule entfernt eingerichtet, um das Gefährdungspotenzial vor dem Schuleingang zu verringern.
„Ich weiß nicht, ob wir das als Ortsbeirat mit der Schule alleine hinbekommen hätten“, sagte Simone Loewen, Ortsvorsteherin in Dornholzhausen, über die Unterstützung des Fachzentrums.
Warteliste und Kapazitätsgrenzen
Trotz der bis dato erreichten Wirkungen gibt es eine deutliche Nachfrage, die das Angebot übersteigt: Mehr als 100 Schulen stehen derzeit auf einer Warteliste für die Erstellung eines Schulmobilitätsplans. Die Kürzung der Landesmittel droht, die Bearbeitungszeiten zu verlängern und neue Projekte zu verzögern oder zu verhindern.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Tägliche Schülerinnen und Schüler in Hessen | 805.000 |
| Seither erarbeitete Schulmobilitätspläne | mehr als 115 |
| Schulen auf Warteliste | mehr als 100 |
Konkrete Folgen für Kommunen
Die Arbeit des Fachzentrums umfasst technische Analysen ebenso wie Abstimmungen zwischen Schule, Kommune und Polizei. Ohne die Landesmittel könnten kleinere Städte und Gemeinden Schwierigkeiten haben, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen — etwa Planungsleistungen, Verkehrssachverständige oder die Koordination von Pilotmaßnahmen.
- Rückgang der Beratungsangebote: Weniger Personalstunden für Vor-Ort-Analysen und Workshops.
- Verzögerte Umsetzung: Längere Wartezeiten für die Erstellung von Schulmobilitätsplänen.
- Erhöhtes Sicherheitsrisiko: Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung oder bessere Halteflächen könnten später kommen oder ganz ausbleiben.
Vor allem in engen Ortsdurchfahrten und an vielbefahrenen Kreuzungen sind zeitnahe Verbesserungen wichtig, um Unfälle und gefährliche Situationen zu vermeiden. Dort, wo bereits Maßnahmen umgesetzt wurden, zeigen erste Beobachtungen eine bessere Übersichtlichkeit und ruhigeren Verkehrsfluss rund um Schulen.
Finanzierung und politische Debatte
Die Landesentscheidung, Mittel zu kürzen, steht im Widerspruch zur starken Nachfrage nach Unterstützung. Konkrete Summen der Kürzung wurden in den vorliegenden Berichten nicht genannt. Kommunen und Ortsbeiräte, die mit dem Fachzentrum zusammengearbeitet haben, melden Besorgnis: Die Beratungsstelle fungiert häufig als Vermittler zwischen unterschiedlichen Expertengruppen und als Impulsgeber für Praxislösungen.
Wie die Kommunen auf den Wegfall oder die Reduzierung von Landesmitteln reagieren, bleibt abzuwarten. Möglich sind eine verstärkte Eigenfinanzierung durch Städte und Gemeinden, Projektanträge bei Drittmitteln oder eine Ausweitung ehrenamtlicher Kapazitäten. Jede dieser Optionen hat jedoch Grenzen, insbesondere in finanziell schwächeren Kommunen.
Was Eltern und Schulen jetzt wissen sollten
Für Eltern und Schulleitungen bedeutet die Entscheidung: Prüfen Sie bestehende Schulwegpläne auf aktuelle Gefahrenpunkte und halten Sie Kontakt zur Kommune. Lokale Elterninitiativen können kurzfristig Verbesserungen anstoßen, etwa durch betreute Übergänge oder Kampagnen für langsamer fahrenden Verkehr in Schulnähe. Langfristig bleibt die politische Diskussion über die Landesfinanzierung entscheidend.
Die möglichen Einschnitte beim Fachzentrum betreffen nicht nur einzelne Maßnahmen, sondern auch die koordinierende Rolle, die für die Umsetzung nachhaltiger Lösungen wichtig ist. Ob und in welchem Umfang das Land die finanzielle Unterstützung wieder erhöht, dürfte in den kommenden Monaten Teil der öffentlichen Debatte bleiben.