Der frühere Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) bezeichnet die Lage des deutschen Bildungssystems als ernst und drängt auf unverzügliches Handeln. In einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch macht Rabe deutlich, dass Schülerinnen und Schüler in wichtigen Schlüsselkompetenzen zurückgefallen seien und fordert pragmatische Schritte, die kurzfristig Wirkung entfalten könnten.
Kernbotschaft: Leistungsniveau sinkt
Rabe stützt seine Bewertung auf frühere Erhebungen und Langzeittrends: Der IQB-Bildungstrend 2021 und PISA 2023 zeigten demnach einen Rückgang bei grundlegenden Fertigkeiten wie Lesen und Rechnen. Seine deutliche Zuspitzung lautet:
„Wer heute in der neunten Klasse ist, erreicht in der Regel nicht einmal mehr das Leistungsniveau einer achten Klasse von vor zehn Jahren.“
Vor diesem Hintergrund mahnt Rabe, die Debatte nicht länger nur theoretisch zu führen, sondern konkrete Reformschritte umzusetzen.
Konkrete Vorschläge zur Entlastung und Stärkung der Grundschule
Als praktikable Maßnahme schlägt Rabe unter anderem vor, den Unterricht in der Grundschule gezielt zu intensivieren. Er verweist darauf, dass bereits wenige zusätzliche Unterrichtsstunden pro Woche einen spürbaren Effekt haben könnten. Die Idee zielt darauf ab, frühzeitig Defizite bei Lese- und Rechenkompetenzen zu reduzieren, um spätere Lernprobleme in höheren Jahrgängen zu vermeiden.
Rabe betont, dass es nicht ausschließlich um mehr Stunden gehen dürfe, sondern um eine gezielte Ausrichtung des Unterrichts auf die Schlüsselkompetenzen, die das Lernen in allen Fächern ermöglichen. Dabei spiele auch die Qualität der Lehrkräftefortbildung eine Rolle.
Warum Schlüsselkompetenzen entscheidend sind
Nach Rabe bilden Lesen, Rechnen und räumliches Denken die Grundlage für nahezu alle weiteren Lernprozesse. Ohne diese Basiskompetenzen sei erfolgreiches Lernen in Fächern wie Naturwissenschaften oder Gesellschaftswissenschaften kaum möglich. Deshalb verlangt er eine Priorisierung dieser Fähigkeiten in Curricula und Schulorganisation.
- Frühe Förderung: Stärkung der Grundschule, damit Defizite nicht kumulieren.
- Curriculare Priorität: Fokus auf Lesen, Rechnen und Grundfertigkeiten.
- Lehrkräfteentwicklung: Bessere Fortbildung und Unterstützung für Lehrpersonal.
Ausblick auf die kommenden Studien und politische Debatte
Rabe zeigt sich skeptisch, dass kurzfristig eine grundlegende Trendwende möglich ist. Er erwartet allenfalls leichte Verbesserungen und fordert zugleich, die politische Debatte in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Angesichts geplanter oder anstehender internationaler und nationaler Vergleichsstudien sieht er die Forschungsergebnisse als Impuls, aber nicht als Ersatz für politisches Handeln.
| Studie | Ergebnis (zusammengefasst) |
|---|---|
| IQB-Bildungstrend 2021 | Rückgang bei Schlüsselkompetenzen |
| PISA 2023 | Abbau von Leistungen in Lesen und Rechnen |
Die Forderungen Rabes treffen auf ein breites Feld politischer Verantwortung: Bildungspolitik ist Ländersache, viele Reformvorschläge erfordern Bund-Länder-Kooperation, Ressourcenverschiebungen und organisatorische Änderungen in Schulen. Rabe plädiert dafür, mit pragmatischen, umsetzbaren Maßnahmen zu beginnen, statt dauerhaft in langwierigen Debatten stecken zu bleiben.
Für Eltern, Lehrkräfte und Schulträger bedeutet dies, dass kurzfristige Prioritäten gesetzt werden müssen: gezielte Förderung in der frühen Schulzeit, verstärkte Fortbildung von Lehrkräften und eine klare Fokussierung auf die Fähigkeiten, die als Grundlage aller weiteren Bildung gelten. Rabe versteht seine Vorschläge als Anstoß, die Bildungsdiskussion in konkrete Praxis umzusetzen—mit dem Ziel, die Grundlage für spätere Lernprozesse und damit langfristig bessere Bildungsbiografien zu legen.