Hamburgs Linke hat eine neue Untersuchung vorgelegt, die den bisherigen Kurs beim Bau der U‑Bahnlinie U5 infrage stellt und stattdessen ein umfangreiches Straßenbahnnetz empfiehlt. Die Studie mit dem Titel „Alternativen für eine Fortsetzung der U5 ab Borgweg - schneller, besser und kostengünstiger durch Hamburg“ wurde im Auftrag der Linksfraktion von den Autoren Dieter Doege und Jens Ode erarbeitet und umfasst nach Angaben der Fraktion rund 60 Seiten.
Vier Tramlinien statt einer Großinvestition
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht ein Vorschlag für insgesamt vier Straßenbahnlinien mit einer Gesamtstrecke von knapp 44 Kilometern und 91 Haltestellen. Die geplanten Linienverläufe reichen demnach von der Veddel zum Borgweg, von Mundsburg bis Niendorf Markt, von der Kellinghusenstraße nach Osdorf sowie von der Kellinghusenstraße zum Bahnhof Altona. Die Autoren betonen, dass Straßenbahnen sich besser in das städtische Straßennetz integrieren ließen und eine Entlastung für den Hauptbahnhof bewirken könnten.
Kritik an U‑Bahn‑Prognosen und Kosten
Die von der Hochbahn geplante U5 soll laut bisherigen Angaben über rund 29 Kilometer von Bramfeld bis Osdorf führen und an 24 Haltestellen unter anderem die Universität, das Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE) und die Arenen anbinden. Der Senat bezifferte die Kosten zuletzt auf rund 16,5 Milliarden Euro, die Fertigstellung ist derzeit für etwa 2040 angesetzt.
Die Studienautoren zweifeln insbesondere die von der Hochbahn prognostizierten Fahrgastzahlen an und kritisieren die Datengrundlage der bisherigen Planungen. In der Studie heißt es, die Hochbahnschätzungen beruhten eher auf „Vermutungen, Hoffnungen, Annahmen und Wunschdenken“, wie einer der Autoren, Jens Ode, formulierte:
„Vermutungen, Hoffnungen, Annahmen und Wunschdenken.“
Die Linksfraktion fordert demnach eine Neubewertung der Fortführung der U5 ab Borgweg: Dem Vorschlag zufolge sollte der bereits im Bau befindliche Abschnitt zunächst bis zum Borgweg weitergeführt werden. Anschließend solle die U5 die bestehenden Gleise der U3 und später der U2 nutzen, statt neue Tunnelstrecken zu bauen. Geplante Stationen wie Jarrestraße, Beethovenstraße, Uhlenhorst oder St. Georg könnten demnach entfallen, weil alternative U‑ oder S‑Bahn‑Haltestellen fußläufig erreichbar seien.
- Studie: knapp 44 km Tramnetz, 91 Haltestellen
- Geplante U5: rund 29 km, 24 Haltestellen, Kosten zuletzt 16,5 Mrd. Euro
- Forderung: Neubewertung der Planungen ab Borgweg, Nutzung vorhandener U‑Gleise
| Merkmal | Vorgeschlagene Straßenbahn | Geplante U5 (Hochbahn) |
|---|---|---|
| Streckenlänge | knapp 44 km | rund 29 km |
| Haltestellen | 91 | 24 |
| Kostenangabe | keine konkrete Zahl, "deutlich günstiger" | rund 16,5 Mrd. Euro |
Politische Debatte und lokale Folgen
Die Vorlage der Linksfraktion verschärft die bereits laufende Diskussion um die Zukunft der städtischen Verkehrsplanung. Die U5 gilt als das bisher größte U‑Bahnprojekt Deutschlands in Hamburg und ist politisch seit Jahren umstritten: Befürworter verweisen auf eine leistungsfähige Schnellbahnverbindung für das wachsende Hamburg, Kritiker auf hohe Kosten und lange Bauzeiten. Die jetzt vorgelegte Alternative der Linken zielt auf eine schnellere und — der Studie zufolge — kostengünstigere Erschließung weiterer Quartiere.
Für Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Viertel dürften zwei Fragen im Vordergrund stehen: Erstens, wie sich Änderungen an der Linienführung auf Reisezeiten und Umsteigeverbindungen auswirken. Zweitens, wie belastbar die Kosten‑ und Fahrgastannahmen in den verschiedenen Planungen sind. Die Studie fordert, diese Annahmen offen und transparent zu prüfen, bevor die Stadt weitere Milliarden in Tunnelbau investiert.
Die nächste politische Auseinandersetzung wird voraussichtlich im Hamburger Rathaus und in den zuständigen Gremien stattfinden, wenn die Linksfraktion ihre Forderungen zur Neubewertung aufgreifen lässt. Unabhängig davon bleibt die U5‑Planung eines der prägenden Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre — und die Erinnerung an die Kosten‑ und Zeitrisiken, die mit Großprojekten verbunden sind, wird durch die neue Studie erneut in der Öffentlichkeit sichtbar.