Beschluss in Sicht: Bebauungsplan soll bald endgültig gelten
Die Stadtverordneten von Gießen haben am Dienstagabend deutlich gemacht, dass sie in zwei Wochen voraussichtlich dem Bebauungsplan für ein großes Rechenzentrum im Gewerbegebiet Katzenfeld zustimmen werden. Mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen, AfD und FW/FDP wurde das weitere Verfahren gestärkt; Linke stimmten dagegen, Gigg und Volt enthielten sich.
Wirtschaftliche Effekte: Hunderte Arbeitsplätze angekündigt
Auf dem Areal sind insgesamt etwa zwölf Hektar vorgesehen: Sechs Hektar für das Rechenzentrum selbst und weitere sechs Hektar, auf denen sich sieben bis neun IT-Unternehmen ansiedeln sollen. Nach Angaben des Stadtplanungsamtes gibt es bereits konkrete Interessenten für zwei größere Grundstücke. Für diese beiden Standorte wurden mögliche Arbeitgeber genannt, die dort jeweils rund 300 beziehungsweise 200 Arbeitsplätze schaffen könnten. Hinzu kämen die Beschäftigten in den weiteren Firmen und etwa 200 Arbeitsplätze im Rechenzentrum (Drei-Schicht-Betrieb). Die Verwaltung rechnet damit, dass insgesamt rund 900 neue Stellen im Gewerbegebiet entstehen könnten.
- Fläche: je sechs Hektar für Rechenzentrum und weitere IT-Firmen
- Arbeitsplätze (geschätzt): insgesamt rund 900
- Baukosten: Investor schätzt für das Rechenzentrum mehr als eine Milliarde Euro
Energiebedarf: weit über dem städtischen Verbrauch
Ein zentrales Thema in der Sitzung war der zu erwartende Energieverbrauch des Projekts. Nach den vorgelegten Zahlen würde das Rechenzentrum rund 488.000 Megawattstunden pro Jahr benötigen. Das entspricht deutlich mehr als dem aktuellen Jahresverbrauch der Stadt Gießen, der zuletzt mit etwa 350.000 Megawattstunden angegeben wurde. Die Dimensionen des Strombedarfs werfen Fragen zur Versorgungssicherheit, zu Netzausbau und zur Energiepolitik auf, die in den kommenden Beschlüssen zu klären sein werden.
| Position | Jahresverbrauch (MWh) |
|---|---|
| Geplantes Rechenzentrum | 488.000 |
| Stadt Gießen (aktuell) | 350.000 |
Investor und Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser
Eigentümer der Flächen ist der Gießener Immobilienentwickler Revikon. Das Unternehmen plant, das Gelände ab Herbst bis zu zweieinhalb Meter aufzuschütten, um das Rechenzentrum gegen Hochwasser zu schützen. Der Betreiber des Rechenzentrums steht noch nicht fest; Laut Revikon-Geschäftsführung sei das Interesse potenzieller Betreiber vorhanden, diese verlangten jedoch zunächst Rechtssicherheit durch Baurecht.
„Interessenten für den Betrieb eines Rechenzentrums seien kein Problem, aber sie wollten erst Baurecht, also erst Rechtssicherheit für so ein Projekt, das er mit Baukosten von über einer Milliarde Euro bezifferte.“
Offene Fragen: Energieversorgung, Netzanschluss, Umweltfolgen
Mehrere kommunale und regionale Akteure werden nun technische, rechtliche und ökologische Fragen vorbereiten müssen. Dazu zählen insbesondere:
- Anbindung an das Höchstspannungsnetz und mögliche Netzverstärkungen;
- Quellen für die erforderliche Strommenge und Optionen für erneuerbare Energien oder Lieferverträge;
- Schutz gegen Hochwasser und die Folgen der Aufschüttungsmaßnahmen für die umliegende Umgebung;
- Kommunale Infrastruktur und Pendlerströme durch die neu entstehenden Arbeitsplätze.
Die Stadtverordnetenversammlung will in zwei Wochen den Bebauungsplan endgültig behandeln. Sollte die Zustimmung erfolgen, wird die nächsten Schritte die Erschließung des Geländes und die Suche nach Betreibern beschleunigen. Für viele Gewerbe- und Arbeitsmarktakteure in Mittelhessen bedeutet das Projekt eine der bislang größten Ansiedlungsoptionen in der Region – verbunden mit erheblichen Anforderungen an die Energieinfrastruktur.
Die Beratung in der jüngsten Sitzung hat gezeigt, dass die politische Mehrheit in Gießen den wirtschaftlichen Chancen großes Gewicht beimisst. Zugleich bleiben die praktischen Herausforderungen beim Energiebedarf und die damit verbundenen Folgen für Netz und Klima zentrale Punkte auf der Agenda.