GEW sieht dringenden Handlungsbedarf vor neuen Hitzewellen
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat am Montag eine umfassende Strategie zur Vorbereitung niedersächsischer Schulen auf weitere Hitzewellen gefordert. Nach Einschätzung der GEW verschlechtere sich die Lern- und Arbeitsumgebung in vielen Klassenräumen durch die Folgen der Klimakrise, weshalb mehr als vereinzelt kurzfristige Maßnahmen nötig seien.
Als Kerninstrument schlägt die Gewerkschaft die Einführung einer landesweiten Übersicht vor, die dokumentiert, welche Schulräume bereits klimatisiert sind und wo nachgerüstet werden muss. Diese Übersicht, so die GEW, solle durch ein einfaches Ampelsystem schnell Klarheit schaffen, wann Maßnahmen zwingend sind und wo noch Spielraum besteht.
„Eine ‚Hitzeschutz-Ampel‘ würde zur Einordnung helfen.“
Die GEW-Landesführung betont, eine solche Einordnung dürfe nicht allein Aufgabe der Schulen oder der Kommunen bleiben. Stattdessen soll das Land federführend ein Gebäudekataster erstellen und die Kommunen dabei unterstützen, die Daten zu erheben und die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen.
Konkrete Ampel-Regelung als Orientierung
Die Gewerkschaft nennt eine klare Priorisierung: Bei „Rot“ müsse unverzüglich für klimatisierte Räume gesorgt werden, „Gelb“ signalisiere nachrangigen Handlungsbedarf, und „Grün“ stehe für keine unmittelbare Notwendigkeit. Dieses System soll verbindliche Kriterien erhalten, die sich an Raumtemperaturen, Schüler- und Lehrdichte sowie Ausstattung orientieren.
„Bei Rot muss umgehend klimatisiert werden, bei Gelb ist es nachrangig und bei Grün nicht notwendig.“
Solche verbindlichen Vorgaben könnten auch für Vertretungsregeln, Pausenregelungen oder pädagogische Anpassungen relevant werden, wenn kurzfristige Hitzespitzen auftreten.
Finanzielle Unterstützung für Kommunen gefordert
Die GEW weist darauf hin, dass strukturschwache Kommunen bei der Umsetzung finanzieller Hürden besonders betroffen wären. Sie fordert daher zusätzliche Fördermittel oder zentrale Programme, um eine einheitliche Umsetzung im gesamten Land zu gewährleisten. Ohne gezielte Hilfe für finanzschwache Gebietskörperschaften bestehe die Gefahr regionaler Ungleichheiten bei der Ausstattung der Schulräume.
Personalfrage als weiterer Schwerpunkt
Parallel zum Thema Hitzeschutz verlangt die Gewerkschaft mehr Transparenz beim tatsächlichen Personalbedarf an den Schulen. Die GEW appelliert an die Landesregierung, den notwendigen Bedarf offen zu benennen – auch wenn nicht sofort alle Stellen besetzt werden könnten. Solch eine Bestandsaufnahme sei Voraussetzung für langfristige Personalpolitik und eine verlässliche Einsatzplanung.
Zum Stichtag vor Beginn des Schuljahres waren laut Kultusministerium mehr als 2.000 Stellen ausgeschrieben. Bis Anfang Juli seien etwa 75 Prozent davon besetzt worden. Die GEW erkennt an, dass die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren gestiegen sei, sieht aber weiterhin Bedarf an Klarheit und Planungssicherheit.
| Angabe | Zahl |
|---|---|
| Ausgeschriebene Stellen | 2.000+ |
| Bis Anfang Juli besetzt | ~75 % |
Arbeitszeiterfassung und weitere Maßnahmen
Als weiteres Anliegen kündigte die GEW an, ihren Mitgliedern nach den Herbstferien eine App zur Erfassung der Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen. Hintergrund sei, dass das Land seiner Pflicht zur Arbeitszeiterfassung in Schulen bisher nicht vollumfänglich nachkomme. Die Gewerkschaft spricht sich gegen Sonderregelungen aus, die von der allgemeinen arbeitsrechtlichen Verpflichtung abweichen könnten.
Relevanz für Eltern, Lehrkräfte und Träger
Eltern und Lehrkräfte betrifft die Debatte unmittelbar: Hitze beeinflusst Konzentration, Wohlbefinden und Gesundheitsrisiken, besonders in älteren Gebäuden ohne Lüftungs- oder Kühltechnik. Ein transparenter Kataster in Verbindung mit klaren Ampelstufen würde kurzfristig die Entscheidungswege erleichtern — etwa bei Fragen zu Hitzeunterricht, der Verlegung von Aktivitäten ins Freie oder dem Einsatz mobiler Klimageräte.
- Was die GEW fordert: Landesweites Gebäudekataster, Hitzeschutz-Ampel, finanzielle Unterstützung für Kommunen, Offenlegung des Personalbedarfs, digitale Arbeitszeiterfassung.
- Was das Land tun soll: Kataster erstellen, Förderprogramme auflegen, Personalbedarf ermitteln.
- Konsequenz für Schulen: Priorisierte Nachrüstung, transparente Entscheidungen bei Hitzeereignissen, bessere Personal- und Einsatzplanung.
Ausblick
Bislang hat das Kultusministerium die Zahl der ausgeschriebenen Stellen und deren Besetzung kommuniziert, konkrete Antworten zur Einführung eines landesweiten Hitzeschutz-Katasters oder einer Ampel stehen laut GEW jedoch noch aus. Ob die Landesregierung den Vorschlag in der geforderten Form aufgreift und welche finanziellen Folgen daraus resultieren würden, bleibt abzuwarten. Für das kommende Schuljahr dürfte die Debatte aber entscheidend bleiben, solange Hitzewellen weiterhin regelmäßig auftreten.
Die Diskussion verbindet Fragen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes mit Bildungsfragen und kommunaler Infrastruktur — und betrifft damit eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren in Niedersachsen.