Uneinigkeit im Ausschuss: Antrag scheitert trotz Kritik am Umgang mit Missbrauch
Die Frage, ob die Johannes-Dyba-Allee in Fulda umbenannt werden soll, bleibt offen. Ein Antrag der SPD, die nach dem verstorbenen Erzbischof Johannes Dyba (1929–2000) benannte Straße wieder in Kastanienallee zurückzuverwandeln, fand im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt keine Mehrheit. Damit wurde der Antrag nicht angenommen; ein endgültiger Beschluss ist für die kommende Stadtverordnetenversammlung vorgesehen.
Positionen und Gründe
Hintergrund der Debatte ist ein im Juni 2025 veröffentlichter Bericht einer unabhängigen Kommission, wonach dem verstorbenen Erzbischof Vorwürfe gemacht werden, Hinweise auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch durch Priester nicht ausreichend verfolgt zu haben. Vor diesem Hintergrund hatte die SPD die Umbenennung beantragt und argumentiert, dass die Straße nicht länger den Namen Dybas tragen solle.
Im Ausschuss stellten sich die Fraktionen unterschiedlich auf:
- Die SPD sprach sich für die Umbenennung in Kastanienallee aus und hatte eine Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung erwirken wollen.
- Die CDU lehnte den Antrag ab.
- Die AfD enthielt sich und forderte stattdessen einen Bürgerentscheid.
- Weitere Parteien unterstützten das Anliegen der SPD, sodass es am Ende zu einem Patt kam.
Konsequenzen und weiterer Ablauf
Da der Antrag im Ausschuss keine Mehrheit erhielt, bleibt der Beschluss offen. Die Angelegenheit wird nun von der Stadtverordnetenversammlung behandelt, die am kommenden Montag zusammenkommt. Dort fällt die endgültige Entscheidung über eine mögliche Umbenennung.
Reaktionen von Kirche und Bistum
Das Bistum Fulda kündigte an, den Prozess der Meinungsbildung konstruktiv zu begleiten. Der amtierende Fuldaer Bischof Michael Gerber hatte bereits Ende Mai betont, dass das Bistum sich seiner Verantwortung bewusst sehe und einen offenen, differenzierten Umgang mit der eigenen Geschichte anstrebe. In einer Mitteilung wurde er mit den Worten zitiert:
„Wir wollen unsere Geschichte nicht schönfärben, wir wollen sie auch nicht umschreiben, denn Bischof Dyba ist und bleibt Teil der Kirchen - und der Stadtgeschichte.“
Was steht auf dem Spiel?
Die Debatte berührt mehrere Ebenen: Zum einen geht es um die Frage der historischen Erinnerung und den Umgang mit Persönlichkeiten, die sowohl kirchliche als auch stadtgeschichtliche Bedeutung haben. Zum anderen steht die Frage im Raum, wie politische Gremien mit Erkenntnissen unabhängiger Untersuchungen umgehen sollen und welche Konsequenzen daraus für öffentliche Ehrungen gezogen werden.
| Gremium | Haltung zum SPD-Antrag |
|---|---|
| Haupt- und Finanzausschuss | Keine Mehrheit / Patt |
| Stadtverordnetenversammlung | Entscheidung am kommenden Montag |
Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung wird die Debatte in Fulda voraussichtlich an Intensität gewinnen, da sie sowohl Fragen des öffentlichen Gedenkens als auch das Verhältnis zwischen Kommune und Kirche berührt. Die Stadt steht nun vor der Aufgabe, die verschiedene Erwartungen aus Politik, Zivilgesellschaft und kirchlichen Stellen in einen weiteren Beschlussprozess einfließen zu lassen.
Die kommende Stadtverordnetenversammlung wird zeigen, ob es in Fulda zu einem klaren Beschluss kommt oder ob die Diskussionen um Erinnerung, Verantwortung und öffentliche Namensgebung weitergeführt werden müssen.