Weniger Eigenheime, spürbare Folgen für Handwerk und Bauunternehmen
Der Landkreis Augsburg verzeichnet einen deutlichen Rückgang beim Bau von Ein‑ und Zweifamilienhäusern. Eine regionale Auswertung des Pestel‑Instituts, erstellt im Auftrag der Schwäbisch Hall‑Stiftung „bauen – wohnen – leben“, kommt zu dem Ergebnis, dass im vergangenen Jahr nur noch 362 Wohnungen in neu gebauten Ein‑ und Zweifamilienhäusern fertiggestellt wurden. Damit liegen die Zahlen deutlich unter dem Anfang des Jahrzehnts erreichten Mittelwert von 485 Wohnungen pro Jahr – ein Minus von 123 Wohneinheiten.
Direkter Umsatzverlust für die regionale Wirtschaft
Der Chefökonom des Pestel‑Instituts, Matthias Günther, bewertet die Entwicklung als wirtschaftlich gravierend: „Es geht um einen Umsatzverlust von 73,4 Millionen Euro. Das ist – vorsichtig gerechnet – die Summe, die Unternehmen im vergangenen Jahr im Landkreis Augsburg verloren gegangen ist, weil der Neubau von Ein‑ und Zweifamilienhäusern so abgesackt ist.“
„Insgesamt hängt daran aber noch mehr: Das fängt beim Grundstückskauf an und geht bis zum letzten Pinselstrich im Haus, bis zum Anpflanzen von Bäumen und Büschen im Garten.“ — Matthias Günther, Pestel‑Institut
Günther macht deutlich, dass nicht nur Bauunternehmen betroffen sind. Ebenso leiden Handwerker, Architekten, Planer und zahlreiche Zulieferer, deren Umsätze mit dem Rückgang der Neubautätigkeit schrumpfen.
Wenig Änderung bei Bauanträgen — Perspektive für 2026
Auch die Zahl der Bauanträge liefert Hinweise auf die anhaltende Flaute: Für die Jahre 2023 bis 2025 verzeichnet das Landratsamt des Landkreises Augsburg im Schnitt rund 1.250 eingereichte Bauanträge jährlich, davon etwa 700 im Zusammenhang mit Wohnbauvorhaben. Die Studie sieht für das Jahr 2026 bislang keine signifikante Trendwende.
- 362 fertiggestellte Wohnungen in Ein‑ und Zweifamilienhäusern (letztes Jahr)
- Mittelwert 2020–2022: 485 Wohnungen pro Jahr
- Umsatzverlust für die lokale Wirtschaft: ca. 73,4 Millionen Euro
- Durchschnittlich rund 1.250 Bauanträge pro Jahr (2023–2025), davon etwa 700 Wohnbauanträge
Regionale Kettenreaktion: Vom Grundstücksmarkt bis zum Garten
Die Studie betont, dass die Auswirkungen weit über die Baufirmen hinausgehen. Ein Einbruch bei Einfamilienhäusern hat laut Günther „Auswirkungen vom Grundstückskauf bis zum letzten Pinselstrich“ — also auch auf Immobilienvermittler, Kreditvermittlung, Rohstofflieferanten und lokale Dienstleister. Für kleinere Handwerksbetriebe in den Gemeinden des Landkreises kann das kurzfristig zu Auftragsausfällen und Belastungen in den Bilanzen führen.
| Zeitraum | Durchschnittliche Fertigstellungen (Ein-/Zweifamilienhäuser) |
|---|---|
| 2020–2022 | 485 pro Jahr |
| Letztes Jahr | 362 |
| Differenz | −123 |
Was bedeutet das für Augsburg und die Gemeinden?
Für Kommunen im Landkreis und angrenzende Gemeinden in der Stadtregion Augsburg bedeutet die Flaute weniger Grunderwerbsteuern und einen geringeren Bedarf an kommunaler Infrastruktur, der mit Neubaugebieten einhergeht. Gleichzeitig kann die fehlende Neubautätigkeit den Druck auf den Mietmarkt erhöhen, weil weniger Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser zur Verfügung stehen.
Die Studie gehört zur Reihe „Soziale Aspekte des Wohneigentums“ und weist damit auf längerfristige gesellschaftliche Fragen hin: Wer kann in der Region Wohneigentum erwerben, welche Rolle spielen Förderung und Finanzierung, und wie wirken sich Marktveränderungen auf Beschäftigung und lokale Wertschöpfung aus? Konkrete politische Empfehlungen oder Maßnahmen zur Belebung des Eigenheimbaus werden im vorliegenden Bericht nur im Rahmen der Analyse genannt, ohne dass im Artikel selbst weitergehende Forderungen dokumentiert werden.
Für viele in Augsburg und dem Landkreis bleibt die zentrale Frage bestehen, wie sich Wohnraumversorgung, lokale Wirtschaft und kommunale Entwicklung in den kommenden Jahren wieder stabilisieren lassen. Die vorliegenden Zahlen zeigen jedenfalls: Die „Generation Miete“ ist nicht nur Begriff, sondern hat reale wirtschaftliche Folgen vor Ort.