Lehrermangel trifft besonders Förderschulen und Grundschulen
In Dresden wurde laut Antwort des Sächsischen Kultusministeriums auf eine Anfrage der BSW-Landtagsfraktion im Juni 2026 fast jede vierte Unterrichtsstunde von Lehrkräften übernommen, die dafür nicht fachlich beziehungsweise schulartenspezifisch ausgebildet sind. Konkret nennt das Ministerium einen Anteil von rund 28 Prozent der Stunden.
Damit stehen die Dresdner Schulen vor einer strukturellen Belastung, die sich regional unterschiedlich auswirkt: Förderschulen sind mit einem Anteil von 75 Prozent am stärksten betroffen, gefolgt von Grundschulen mit etwa 37 Prozent und Oberschulen mit rund 30 Prozent. Die Gymnasien lagen mit knapp 8 Prozent deutlich darunter.
Abordnungen als kurzfristiges Mittel
Der Freistaat Sachsen versucht, die Unterrichtsversorgung durch Abordnungen zu sichern: Nach Angaben des Ministeriums waren im vergangenen Schuljahr bereits rund 3000 Gymnasial- und Grundschullehrkräfte an Ober- und Förderschulen eingesetzt worden. Zum neuen Schuljahr wurden diese Maßnahmen ausgeweitet; Behörden gaben an, nun insgesamt 5000 Lehrkräfte abgeordnet zu haben. In Dresden müssen demnach Dresdner Gymnasien und Grundschulen zusammen etwa 1000 Unterrichtsstunden abgeben.
„Führt das aber nicht zur Verbesserung der Lage.“
So kommentiert die Bildungsgewerkschaft GEW die Praxis: Sie warnt, dass Abordnungen die Situation verschärfen könnten. Gründe sind nach Gewerkschaftsangaben häufige Lehrkraftwechsel in den Klassen, längere Arbeitswege für die abgeordneten Lehrkräfte und die Notwendigkeit, an mehreren Dienstberatungen teilzunehmen — alles Faktoren, die Unterrichtskontinuität und Arbeitsbelastung beeinträchtigen können.
Fehlende Vollzeitstellen und Folgen für den Schulalltag
Die vorgelegten Zahlen nennen zudem, dass in Dresden aktuell 63 Vollzeitstellen fehlen. Diese Lücke zeigt sich vor allem dort, wo Schüler mit besonderem Förderbedarf unterrichtet werden: In Förderschulen fehlen kompetente Fachkräfte besonders gravierend. Für Eltern und Lehrkräfte bedeutet das:
- höhere Wechselhäufigkeit von Lehrkräften in Klassen,
- zunehmende Belastung für vorhandene Fachkräfte,
- Stärkere Abhängigkeit von kurzfristigen Lösungen wie Abordnungen.
Für betroffene Lehrkräfte kann die Situation zu längeren Arbeitswegen und zur Teilnahme an mehreren dienstlichen Verpflichtungen führen. Für Schülerinnen und Schüler besteht das Risiko, dass fachliche Kontinuität und die Betreuung bei Sonder- oder Förderbedarf leiden.
Politische und organisatorische Handlungsräume
Die Zahlen des Kultusministeriums belegen die Spannbreite des Problems: Während Gymnasien vergleichsweise stabil wirken, sind Grund- und Förderschulen auf kurzfristige Unterstützung angewiesen. Konkrete Lösungen würden in den Bereichen Personalgewinnung, Ausbildungskapazitäten und gezielter Einsatzplanung liegen. Der Ausbau von Quereinsteigerprogrammen, bessere Bedingungen für Lehrkräfte oder die gezielte Finanzierung fehlender Stellen wären dabei mögliche Hebel — welche Schritte Sachsen und die Stadt Dresden konkret ergreifen, bleibt in der Antwort des Ministeriums offen.
In Dresden bleiben Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte auf kurzfristige Maßnahmen angewiesen. Die nun vorgelegten Zahlen aus dem Juni 2026 liefern die Grundlage für die Debatte über dauerhafte Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsqualität.