Aus dem Gehege in den Wald
Am Montag ist die im Wildgatter Oberrabenstein des Tierparks Chemnitz geborene Luchsin Lotta in den Wald des Forstbezirks Eibenstock entlassen worden. Mit vorsichtigen Schritten betrat das etwa einjährige Tier das freie Gelände; Sekunden später verschwanden die Pfoten zwischen Büschen und Bäumen. Um den Hals trägt Lotta einen Sender, der ihre Bewegungen für das Monitoring erfassen soll.
Partner und Vorbereitung
Nicht allein machte sich Lotta auf den Weg: Wenige Minuten nach ihr sprang auch der gleichaltrige Kuder Luca aus seiner Transportkiste. Luca stammt aus dem belgischen Tierpark Domaine des Grottes de Han und ist nicht verwandt mit Lotta. Beide Tiere waren zuvor im Wildkatzendorf Hütscheroda untergebracht, um möglichst wenig Kontakt zu Menschen zu haben und Verhaltensweisen für das Leben ohne Zaun zu trainieren. Vor der Freilassung absolvierten beide die erforderlichen Gesundheits- und Verhaltenstests.
„Jede Auswilderung bringt außerdem neue Gene in die kleine Population und stärkt damit ihre Chancen auf Dauer.“
Projektstand und Zielsetzung
Die Aktion ist Teil des Projekts „RELynx Sachsen“, das seit 2022 läuft. Mit Lotta und Luca wurden seit 2024 insgesamt neun Luchse im Westerzgebirge ausgewildert. Bis 2027 sollen nach Plan etwa 20 Karpatenluchse freigelassen werden; die Projektkosten liegen insgesamt bei rund 1,8 Millionen Euro. Ziel ist es, eine stabile Population zu etablieren, die Luchsvorkommen im Harz und in Thüringen über Tschechien bis zu den Karpaten vernetzt.
Erfolge und Rückschläge
Die bisherigen Beobachtungen weisen auf erste Erfolge hin: Die Luchsin Alva brachte bereits zum zweiten Mal Junge zur Welt; Wildkameras lieferten im Juli Bilder von zwei Jungtieren beim Spielen. Andere Jungtiere aus früheren Auswilderungen sind weitgehend selbstständig und noch im Projektgebiet unterwegs. Gleichzeitig gab es Verluste: Anton, ein Bruder von Luca, war 2024 im Erzgebirge ausgewildert worden, verunglückte jedoch wenige Monate später bei einem Verkehrsunfall.
- Herkunft der Tiere: Oberrabenstein (Chemnitz) und internationale Partner (Belgien).
- Vorbereitung: Unterbringung im Wildkatzendorf Hütscheroda, Gesundheits- und Verhaltenstests.
- Monitoring: Sender an den Tieren und Wildkameras im Projektgebiet.
Was die Freilassung für die Region bedeutet
Für die Region hat die Wiederausbreitung des Luchses mehrere Bedeutungen: ökologische, touristische und planerische. Ökologisch kann eine vernetzte Luchspopulation dazu beitragen, das natürliche Gleichgewicht in Wäldern wiederherzustellen, indem Prädations- und Beutebeziehungen wirksam werden. Für Naturschutzbehörden und Forstbetriebe bedeutet die Rückkehr der Großkatze erhöhte Anforderungen an Monitoring, Verkehrsschutz und Öffentlichkeitsarbeit.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Projektstart | 2022 |
| Ausgewilderte Luchse seit 2024 | 9 |
| Geplante Gesamtzahl bis 2027 | ~20 |
| Projektkosten | ~1,8 Mio. Euro |
Für die Menschen vor Ort heißt das: Aufmerksamkeit und Geduld. Sichtungen von Luchsen sind möglich, direkte Begegnungen bleiben aber selten, da Luchse scheu sind und weite Reviere nutzen. Gleichzeitig bringt jede Auswilderung neue Gene in die kleine Population, was die langfristigen Überlebenschancen verbessert.
Die Rolle des Tierparks Chemnitz bleibt dabei zentral: Als Geburtsort von Lotta und als Partner im Netzwerk von Zuchtstationen und Schutzgebieten ist er Teil einesgrenzüberschreitenden Ansatzes, der lokale Verantwortung und internationale Zusammenarbeit verbindet.
Ob Lotta, Luca und ihre Artgenossen dauerhaft Fuß fassen können, wird die nächsten Jahre zeigen. Beobachtungen durch Sender, Wildkameras und Feldstudien sollen Aufschluss geben, welche Maßnahmen nötig sind, damit die Raubkatze langfristig wieder ein fester Bestandteil der sächsischen Wälder wird.