Der Bundestag steht vor einer Entscheidung mit weitreichenden Folgen für den Schienenverkehr in Norddeutschland: Am 23. September will der Verkehrsausschuss des Parlaments die von der Deutschen Bahn geplante Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover beraten, einen Tag später soll der Bundestag darüber abstimmen. Die Initiative folgt einer jahrelangen Debatte über Ausbau und künftige Trassierung einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Deutschlands.
Warum die Verbindung so bedeutsam ist
Die bestehende Strecke, die über Lüneburg, Uelzen und Celle führt, zählt zu den am stärksten belasteten Bahnkorridoren des Landes. Nach Angaben der Deutschen Bahn liegt die Auslastung auf dem Korridor bei bis zu 147 Prozent. Die Folge: kaum Reserven für zusätzlichen Fernverkehr, Pendlerzüge und den wachsenden Güterverkehr.
Für Hamburg hat die Trasse besondere Bedeutung, weil sie eine Hauptverbindung des Hamburger Hafens zu Süddeutschland und zum europäischen Ausland darstellt. Laut DB fährt rund jeder vierte Güterwagen in Deutschland ab oder nach Hamburg. Eine Kapazitätserhöhung auf der Schiene gilt daher als zentral für die Zukunftsfähigkeit des Seehafens.
Die geplante Neubaustrecke
Die Deutsche Bahn verfolgt zwei Ansätze: eine umfassende Sanierung der Bestandsstrecke sowie den Bau einer neuen, direkter verlaufenden Trasse. Die favorisierte ICE-Trasse soll geradliniger und teils entlang der A7 verlaufen. Auf Karten wirkt die geplante Neubaustrecke deutlich direkter als die vorhandene Verbindung, die nach Osten „ausknickt“.
Geplant ist eine Auslegung für Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h. Als mögliche Route nennt die Bahn eine Führung über Soltau und Bergen. Ziel ist, Fern- und Güterverkehr weitgehend von der Bestandsstrecke abzuziehen und damit Kapazitäten für Regional- und S-Bahn-Angebote zu schaffen.
„Daher würden wir uns sehr freuen, wenn der Bundestag diese überfällige Entscheidung trifft.“
Hamburgs Verkehrssenator hatte bereits die Zustimmung von CDU und SPD begrüßt und darauf gedrungen, die Strecke zu bauen. Vertreter der Hansestadt sehen in einer Neubaustrecke die einzige Möglichkeit, die aktuellen Kapazitätsprobleme im norddeutschen Schienennetz dauerhaft zu lösen.
Voraussetzungen und Zeitrahmen
Die Koalitionsfraktionen haben einen Entwurf für eine Beschlussvorlage vorgelegt, der noch intern beraten wird. Dem Entwurf zufolge spricht die Abwägung in mehreren Kategorien – darunter Raumordnung, Umwelt und Betriebsaspekte – zugunsten eines Neubaus gegenüber einem bloßen Ausbau der Bestandsstrecke. Zugleich sind Bedingungen und Prüfaufgaben vorgesehen, die vor der Umsetzung erfüllt werden müssen.
Wichtig ist: Selbst im Fall einer politischen Zustimmung ist mit langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren zu rechnen. Die Bahn selbst weist darauf hin, dass es noch Jahrzehnte dauern kann, bis erste Züge über eine neue Trasse fahren.
Worauf sich Anwohner und Wirtschaft einstellen müssen
Eine neue Trasse würde konkrete Folgen für Gemeinden entlang der möglichen Linienführung haben – von Flächenbedarf bis hin zu Eingriffen in Natur und Landschaft. Auf der anderen Seite stünde für die Verkehrsinfrastruktur der Region eine langfristige Entlastung der Bestandsstrecke.
- Kapazitätsentlastung der Bestandsstrecke (Lüneburg–Uelzen–Celle)
- Direktere Verbindung Hamburg–Hannover, Fahrzeitenpotenzial durch 250 km/h-Trasse
- Stärkung der Güterverkehre zum Hamburger Hafen
Welche konkreten Maßnahmen nun folgen, hängt von den Beratungen im Verkehrsausschuss und der anschließenden Bundestagsentscheidung ab. Ebenfalls offen sind die Details zu Trassenführung, Ausgleichsmaßnahmen und Finanzierungsfragen.
| Termin | Vorgang |
|---|---|
| 23. September | Beratung im Verkehrsausschuss des Bundestags |
| 24. September | Beschlussfassung im Bundestag (geplant) |
Für Hamburg bedeutet die Debatte weit mehr als eine einzelne Verkehrsmaßnahme: Sie betrifft die Anbindung des Wirtschaftsstandorts, die Nutzbarkeit der Bestandsstrecke für Pendler und den künftigen Warenverkehr. Die anstehenden parlamentarischen Beratungen werden zeigen, ob die politische Mehrheit den Weg für einen Neubaubau freimacht oder ob weitere Prüfungen und Kompromisse notwendig bleiben.