Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat in einem Entwurf aus dem Finanzministerium vorgeschlagen, die steuerliche Entlastung für große, nicht gemeinnützige Vereine deutlich zu verringern. Laut dem Papier, über das zuerst die „Bild“ berichtete, soll der bisherige Freibetrag von 5.000 Euro auf eine Freigrenze von 1.000 Euro reduziert werden. Die Änderung würde Einkommen bis 1.000 Euro steuerfrei lassen; wird diese Freigrenze überschritten, würde im Regelfall das gesamte Einkommen des Vereins steuerpflichtig.
Unterscheidung zwischen gemeinnützigen und wirtschaftlich tätigen Vereinen
Der Entwurf betont, dass die geplante Regelung nicht gemeinnützige Vereine betrifft, die etwa im Sport, in der Musik, im Umwelt- oder Tierschutz sowie in Wohlfahrt, Feuerwehr oder Heimatpflege tätig sind. Diese Organisationen bleiben nach dem Papier weiterhin in vielen Fällen von Steuerarten befreit, weil sie die Voraussetzungen der Gemeinnützigkeit erfüllen.
Dagegen würde die Neuregelung vor allem jene Vereinigungen treffen, die wirtschaftliche Interessen verfolgen. Als Beispiele nennt der Entwurf Wirtschaftsverbände, Vereine mit größeren Immobilienbeständen und auch Profisportvereine. Für diese Träger könnte die Absenkung der Freibeträge zu einer spürbaren steuerlichen Mehrbelastung führen.
Verfahren: Vom Entwurf zur möglichen Gesetzesänderung
Der Gesetzentwurf befindet sich nach Angaben des Finanzministeriums derzeit in der inneren Abstimmung der Bundesregierung. Als nächster Schritt sind Stellungnahmen von Verbänden und betroffenen Organisationen vorgesehen, bevor das Kabinett sich mit dem Entwurf befasst und ihn anschließend dem Bundestag zur Beratung und Beschlussfassung vorlegt.
- Aktueller Freibetrag: 5.000 Euro
- Vorgeschlagene Freigrenze: 1.000 Euro
- Betroffene: Nicht gemeinnützige Vereine mit wirtschaftlicher Tätigkeit
- Nicht betroffen: anerkannte gemeinnützige Vereine (z. B. Sport-, Musik-, Umwelt- oder Wohlfahrtsvereine)
| Parameter | Heute | Vorgeschlagen |
|---|---|---|
| Freibetrag / Freigrenze | 5.000 Euro | 1.000 Euro |
| Wirkung bei Überschreiten | Teilweise steuerpflichtig | Gesamtes Einkommen steuerpflichtig |
Folgen und politische Kontroversen
Die vorgeschlagene Umstellung von einem höheren Freibetrag auf eine deutlich geringere Freigrenze könnte für betroffene Organisationen erhebliche finanzielle Konsequenzen haben. Insbesondere Vereine mit gewerblichen Aktivitäten, größeren Vermögenswerten oder Profibetrieb müssten künftig bei schon moderaten Überschreitungen mit einer vollständigen Besteuerung ihrer Einkünfte rechnen. Das kann Einfluss auf Geschäftsmodelle, Investitionsentscheidungen und die finanzielle Planung von Vereinen haben.
Politisch ist die Maßnahme anfällig für Kontroversen: Während das Finanzministerium die Maßnahme offenbar als Beitrag zu einer gerechteren Besteuerung wirtschaftlich tätiger Vereinigungen sieht, werden Vertreter von Verbänden und betroffenen Klubs in den anstehenden Stellungnahmen voraussichtlich auf mögliche negative Effekte für Beschäftigung, gemeinwohlorientierte Aktivitäten und regionale Strukturen hinweisen.
Wie die Bundesregierung die Balance zwischen Mehreinnahmen und der Sicherung des Vereinswesens herstellen will, wird sich in den Beratungen und den Stellungnahmen der Verbände zeigen. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist insbesondere die Frage relevant, ob beliebte lokale Angebote – etwa im Sport- oder Kulturbereich – mittelbar betroffen sein könnten, wenn betroffene Vereine ihre Finanzstruktur anpassen müssen.
Der weitere Zeitplan hängt von der Auswertung der Stellungnahmen und den politischen Abstimmungen in Bundesregierung und Bundestag ab. Bis zu einem möglichen Gesetzesbeschluss bleiben sowohl die genaue rechtliche Ausgestaltung als auch der Umfang der Betroffenheit offen.