In Brandenburg zeichnet sich der Mangel an Ärztinnen und Ärzten nicht nur in offenen Stellen, sondern auch im Alter der niedergelassenen Mediziner ab. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums, gestützt auf die Daten der Kassenärztlichen Vereinigungen, sind viele Praxen von Seniorinnen und Senioren geführt; in Einzelfällen praktizieren Ärztinnen und Ärzte noch deutlich jenseits des üblichen Rentenalters.
Hohe Altersstruktur bei Hausärzten und Spezialisten
Landesweit gibt es demnach 1.676 Hausärzte in vertragsärztlicher Tätigkeit. Der älteste unter ihnen ist 89 Jahre alt. Das mittlere Altersniveau der Hausärzte liegt bei knapp 55 Jahren. Bei einigen Fachrichtungen ist das Durchschnittsalter noch höher: So beträgt es bei Ärzten, die Blutspender betreuen (Transfusionsmedizin), laut Statistik 62 Jahre. Auch in den Bereichen Neurologie und Psychotherapie arbeiten demnach Ärztinnen oder Ärzte im Alter von bis zu 86 Jahren.
Regionale Unterschiede bei der Versorgung
Die Auswertung zeigt deutliche regionale Unterschiede beim Grad der Versorgung durch Hausärzte. In vielen Landkreisen und Gemeinden erreichte dieser Wert Ende Juni nicht die volle Abdeckung; in einigen Orten liegt der Versorgungsgrad deutlich darunter. Besonders betroffen waren laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB) folgende Orte:
- Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming): rund 62 Prozent
- Spremberg (Spree-Neiße): etwa 68 Prozent
- Schönfeld-Wildau (Dahme-Spreewald): knapp 72 Prozent
Dem gegenüber steht eine Überversorgung in einzelnen Räumen: Im Bereich Elsterwerda/Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) und in Erkner (Oder-Spree) lag der Versorgungsgrad bei jeweils 117 Prozent, in Potsdam bei knapp 113 Prozent.
| Ort/Region | Versorgungsgrad (Ende Juni) |
|---|---|
| Jüterbog | ~62 % |
| Spremberg | ~68 % |
| Schönfeld-Wildau | ~72 % |
| Elsterwerda/Bad Liebenwerda | 117 % |
| Potsdam | ~113 % |
Zahnarztversorgung vor allem im Land problematisch
Nicht nur die Allgemeinmedizin ist betroffen: Auch bei den Zahnärztinnen und Zahnärzten besteht besonders in ländlichen Teilen des Landes ein Defizit. Insgesamt waren Ende Juni landesweit 1.142 niedergelassene Vertragszahnärzte gemeldet. Das mittlere Alter dieser Gruppe lag zuletzt bei etwa 54 Jahren.
Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Land Brandenburg (KZVLB) wies mehrere Landkreise mit klarer Unterversorgung aus. Beispielhaft liegen die Werte so:
- Spree-Neiße: rund 73 Prozent
- Barnim: knapp 77 Prozent
- Havelland: knapp 77 Prozent
Nur in einzelnen Städten und Regionen, etwa Frankfurt (Oder), Potsdam, Brandenburg an der Havel sowie im Kreis Elbe-Elster, liegt die Versorgung nach diesen Angaben über 100 Prozent.
Ältere Praxisinhaberinnen und -inhaber
Unter den Vertragszahnärzten befinden sich demnach zahlreiche ältere Praxisinhaberinnen und -inhaber. Die KZVLB zählte 154 Inhaber im Alter von 66 bis 72 Jahren, weitere 16 gehörten zur Altersgruppe 73 bis 79 Jahre und drei Zahnärzte waren 80 Jahre oder älter. Der älteste praktizierende Vertragszahnarzt wird mit 85 Jahren angegeben.
Folgen für Patienten und Versorgung
Die Kombination aus hohem Durchschnittsalter und regional ungleich verteilten Ärztedichten erhöht das Risiko, dass Patienten in betroffenen Regionen längere Wege oder Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Für die Gesundheitsversorgung auf dem Land, wo bereits demografischer Wandel und sinkende Einwohnerzahlen auftreten, bedeutet dies zusätzlichen Druck auf die verbleibenden Praxen.
Konkrete Maßnahmen oder Programme zur Nachwuchsgewinnung wurden in der vorliegenden Antwort des Ministeriums nicht detailliert genannt. Die Zahlen beruhen auf Erhebungen der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Land Brandenburg (KZVLB) zum Ende des Jahres 2025 beziehungsweise zum Stichtag Ende Juni.
Für Betroffene vor Ort bleibt die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen: Wer regelmäßig ärztliche Betreuung benötigt, sollte sich frühzeitig über Haus- und Facharztversorgung in der eigenen Region informieren und gegebenenfalls Alternativen wie Terminservicestellen, fachärztliche Zentren oder telemedizinische Angebote prüfen.