Die US-Regierung bereitet nach Angaben von Finanzminister Scott Bessent eine bisher beispiellose Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran vor. Ziel ist es, das Land wirtschaftlich weitgehend zu isolieren. Nach offiziellen Angaben der US-Sanktionsbehörde OFAC wurden seit Beginn von Präsident Trumps zweiter Amtszeit bereits Sanktionen gegen mehr als 1'000 Personen, Schiffe und Flugzeuge verhängt; zudem seien Kryptowährungen im Wert von rund 500 Milliarden US-Dollar eingefroren (entspricht etwa 475 Milliarden Fr. nach ungefährem Wechselkurs).
Geplante Massnahmen und betroffene Akteure
Washington prüft laut Berichten verschiedene, teils drastische Optionen, um verbleibende Schlupflöcher zu schliessen. Zur Debatte stehen unter anderem:
- Sanktionen gegen ausländische Abnehmer und Banken, insbesondere solche in China, die iranisches Öl weiterverarbeiten oder handeln.
- Sekundärsanktionen, mit denen die USA ausländische Unternehmen für Geschäfte mit dem Iran bestrafen könnten.
- Eine lückenlose Land- oder See-Blockade der Handelswege, um Exporte praktisch zu unterbinden.
Konkrete Zielgruppen sind dabei auch private chinesische Raffinerien, die sogenannten "Teapots": Diese unabhängigen Anlagen machen nach verfügbaren Angaben etwa ein Viertel der chinesischen Raffineriekapazität aus und wickeln einen grossen Teil des Seehandels mit iranischem Öl ab. Daten des Analysehauses Kpler aus dem Jahr 2025 zeigen, dass China mehr als 80 Prozent des auf dem Seeweg exportierten iranischen Öls bezieht.
Mögliche Folgen für Märkte und Handel
Die angekündigten Massnahmen könnten weitreichende Auswirkungen haben. Schon bisher haben Sanktionen gegen den iranischen Schifffahrts-, Energie- und Finanzsektor sowie eine faktische Seeblockade Handelsströme gestört. Eine weitere Eskalation könnte zu folgenden Effekten führen:
- Höhere Unsicherheit an den Energiemärkten und mögliche Preisschwankungen bei Rohöl.
- Erhöhte Risiken für Banken und Finanzdienstleister, die in grenzüberschreitende Zahlungsströme involviert sind.
- Stärkere Belastung von Schifffahrts- und Logistikketten, wenn Häfen und Schiffsrouten zusätzlich kontrolliert oder blockiert werden.
Die USA setzten bereits in den vergangenen Monaten verstärkt auf Strafmassnahmen; die Ankündigung, nun auch stark gegen Partnerländer und deren Firmen vorgehen zu wollen, erhöht den Druck auf internationale Unternehmen, ihre Geschäftsbeziehungen zu überprüfen.
Was das für die Schweiz bedeutet
Direkte Angaben zur Betroffenheit Schweizer Firmen oder Banken nennt die Quelle nicht. Aus wirtschaftlicher Sicht stehen jedoch allgemein folgende Punkte im Vordergrund: Schweizer Finanzinstitute, Rohstoffhandelshäuser und Logistikfirmen operieren in einem engen, globalen Netzwerk. Verschärfte US-Sanktionen gegen Drittstaaten können zu Compliance-Risiken, erhöhtem Prüfaufwand und potenziellen Geschäftsverlusten führen. Besonders betroffen wären Akteure, die Dienstleistungen für internationale Energiegeschäfte, Schiffsübernahmen oder Transaktionen in Kryptowährungen anbieten.
Einordnung und Risiken
Nach den bisherigen Massnahmen haben die USA bereits weitreichend Druck auf Teheran ausgeübt. Die nun in Aussicht gestellten Schritte — bis hin zu Sanktionen gegen chinesische Raffinerien oder einer umfassenden Landblockade — wären nach Einschätzung von Marktbeobachtern ausserordentlich scharf und könnten zu politischen Spannungen mit wichtigen Handelspartnern führen. Zudem bergen sie das Risiko, die Volatilität an Rohstoff- und Kapitalmärkten weiter zu erhöhen.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Bezeichnete Sanktionen (seit Amtsantritt) | mehr als 1'000 Personen/Schiffe/Flugzeuge |
| Eingefrorene Kryptowährungen | ca. 500 Mrd. USD (≈ 475 Mrd. Fr.) |
| Anteil Teapots an chinesischer Raffineriekapazität | ca. 25 % |
| Chinas Anteil am seegehenden Iran-Öl (2025) | über 80 % |
Ob und in welcher Form die angekündigten Sanktionen tatsächlich umgesetzt werden, ist Gegenstand der laufenden Prüfung in Washington. Entscheidend für die weiteren Auswirkungen werden sowohl der Umfang der Massnahmen als auch die Reaktion anderer Grossmächte und globaler Handelspartner sein. Kurzfristig dürften Unsicherheit und Risikoprämien an den Märkten jedoch steigen.
„Bereits in der kommenden Woche historisch einmalige Massnahmen gegen Teheran zu verhängen“, kündigte US-Finanzminister Scott Bessent an.
Für Unternehmen und Behörden in der Schweiz bedeutet die Lage: erhöhte Wachsamkeit, Prüfung der Geschäftsbeziehungen und genaue Einhaltung von Compliance-Regeln, falls die USA tatsächlich zu einer Reihe neuer, ausserordentlich weitreichender Sanktionen greifen.