Die Schweiz schickt je drei Männer- und Frauenteams an die Beachvolleyball-Europameisterschaften in Polen. Nach einer langen Serie von Podestplätzen bei den Frauen steht die Mission klar: Den Rückschlag aus Düsseldorf vergessen machen und wieder um Edelmetall spielen.
Historische Bilanz und aktuelle Ausgangslage
Auf europäischer Ebene zählt die Schweiz zu den führenden Nationen im Beachvolleyball. In der ewigen Bestenliste liegen die Schweizer Männer mit je viermal Gold und Bronze sowie fünfmal Silber auf Rang 4, die Frauen mit je viermal Gold und Silber sowie zweimal Bronze sogar auf Rang 3. Zwischen 2020 und 2024 gelang den Schweizerinnen durchgehend der Sprung auf das Podest – bis zuletzt in Düsseldorf diese Serie riss.
| Geschlecht | Gold | Silber | Bronze | Rang (ewige Bestenliste) |
|---|---|---|---|---|
| Männer | 4 | 5 | 4 | 4 |
| Frauen | 4 | 4 | 2 | 3 |
Favoritinnen und Formkurven
Als klare Anwärterinnen auf eine Medaille gelten die Olympia-Dritten Nina Brunner (geborene Betschart) und Tanja Hüberli. Ihr Triumph beim Elite16-Turnier in Hamburg am vergangenen Wochenende stärkte die Erwartungen und macht das Duo zu einer der Topadressen des Turniers.
Die Schwestern Anouk und Zoé Vergé-Dépré treten als Konstanzgaranten an: Viermal Achtelfinal auf der höchsten Stufe spricht für Kontinuität und die Möglichkeit für einen überraschenden Exploit. Ebenfalls im Aufgebot stehen Joana Mäder und Leona Kernen, bei denen vor dem Turnier Fragen zur Fitness bestanden. Mäder hatte sich in Hamburg den Fuss verknackst, gab nach abschliessenden Tests aber grünes Licht.
«Ich habe einiges an Sicherheit zurückgewonnen und gemeinsam mit Leona sind wir sicher, dass wir kompetitiv ins Turnier starten können. Auch wenn wir einen kleinen Trainingsrückstand haben – wir sind zuversichtlich und freuen uns auf unsere erste, gemeinsame Europameisterschaft»
Diese Worte stammen von Joana Mäder nach den letzten Checks am Dienstag und geben der Delegation Zuversicht, dass alle drei Frauenteams konkurrenzfähig sind.
Männer mit Durststrecke – Chancen auf Überraschungen
Bei den Männern lastet der Druck der Statistik: Die letzte EM-Medaille datiert hier bereits vor 20 Jahren. Das aktuelle Männertrio muss dem Anspruch gerecht werden, die Durststrecke zu beenden. Am ehesten traut man dem Duo Julian Friedli und Jonathan Jordan, derzeit auf Platz 18 der Meldeliste, eine Überraschung zu. Ein unerwarteter Lauf könnte die Schweiz in die vorderen Ränge führen, doch die Konkurrenz auf kontinentaler Ebene ist dicht.
- Fokus Frauen: Brunner/Hüberli als Favoritinnen nach Hamburg-Sieg
- Konstanz: Vergé-Dépré-Schwestern als mögliche Exploit-Kandidatinnen
- Männer: Friedli/Jordan als aussichtsreichstes Duo, zuletzt keine EM-Medaille seit 20 Jahren
Ausblick und mediale Präsenz
Die EM bietet für die Schweizer Beach-Delegation die Chance, an die Erfolge der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Medienseitig ist das Interesse gross: SRF hat Übertragungsrechte und zeigt ab Freitag die Viertelfinals mit Schweizer Beteiligung, ab den Halbfinals wird noch umfassender berichtet. Die Auftritte in Polen könnten die Basis für die Saison bilden und zugleich Auswirkungen auf Weltcup-Rankings sowie die Vorbereitung für kommende Grossanlässe haben.
Spannend wird sein, wie sich Form, Fitness und mentale Stärke während des Turniers auswirken. Bei den Frauen ist die Erwartungshaltung klar: Rückkehr aufs Podest. Bei den Männern wäre schon ein Vorstoss ins Viertelfinal ein bedeutendes Signal. In jedem Fall stehen die Schweizer Athletinnen und Athleten im Rampenlicht – und die europäische Sandelite erwartet mit Spannung, ob die Schweiz ihre Rolle als Grossmacht verteidigen kann.