Dominic Lobalu ist an der Leichtathletik-EM in Birmingham über 5000 m als Siebter ins Ziel gekommen und damit am Podest vorbeigeschrammt. Der 27-jährige Schweizer, der als Mitfavorit galt und zur Rennhälfte das Tempo bestimmte, verlor in den letzten 400 Metern merklich an Boden und verpasste eine Medaille um mehr als zwei Sekunden. Gold ging erwartungsgemäss an Jakob Ingebrigtsen (NOR) in 13:15,29.
Führung kostet Kraft – Ingebrigtsen lauert
Lobalu übernahm zur Rennhälfte das Kommando und trug die Führung über längere Zeit. Die Arbeit an der Spitze forderte jedoch seinen Tribut: Auf der Schlussrunde fiel der Schweizer kontinuierlich zurück und beendete das Rennen in 13:18,24. Damit lag er deutlich ausserhalb seiner eigenen Bestleistung und der Medaillenränge.
Der Norweger Jakob Ingebrigtsen, der seinen EM-Titel damit zum dritten Mal verteidigte, profitierte von einer klugen Renneinteilung. Ingebrigtsen hielt sich lange im Hinterfeld, sparte Kräfte und entfaltete im Schlusssprint die entscheidende Spitze gegen den Deutschen Florian Bremm (+0,31 s). Den dritten Rang belegte Étienne Daguinos (FRA).
«Das Rennen war supergut. Leider gab es keine Medaille, am Samstag will ich diesen Fehler korrigieren.»
Die Aussage stammt vom sichtlich enttäuschten Lobalu, der sich gleichwohl nicht entmutigen lässt: Er hat in Birmingham noch eine zweite Chance auf Edelmetall – am Samstag steht für ihn der 10'000-m-Lauf auf dem Programm, eine Distanz, auf der er als Titelverteidiger gilt.
Bilanz und Ausblick
Für Lobalu ist das Resultat eine Mischung aus Enttäuschung und Zuversicht. Die aktive Rolle im Rennen zeigte, dass er zu den Prädestinierten für Platzierungen zählt; gleichzeitig offenbarte der Verlauf, wie sehr das kontrollierende Tempo Kräfte kostet, die für einen finalen Sprint nötig sind. Sein Fokus richtet sich nun schnell auf die längere Strecke, wo er die verlorene Chance in Birmingham möglicherweise revidieren kann.
- Rang 1: Jakob Ingebrigtsen (NOR) – 13:15,29
- Rang 2: Florian Bremm (GER) – +0,31
- Rang 3: Étienne Daguinos (FRA)
- Rang 7: Dominic Lobalu (SUI) – 13:18,24
| Platz | Athlet | Nation | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Jakob Ingebrigtsen | NOR | 13:15,29 |
| 2 | Florian Bremm | GER | +0,31 |
| 3 | Étienne Daguinos | FRA | – |
| 7 | Dominic Lobalu | SUI | 13:18,24 |
Die Taktikfrage wird nach dem Rennen zentral bleiben: Führungsarbeit kann ein Vorteil sein, wenn dadurch Gegner belastet werden, doch eben diese Arbeit kann den eigenen Schlussspurt schmälern. Lobalu übernahm die Initiative, provozierte Tempoarbeit und übernahm Verantwortung – im Ergebnis reichte es diesmal nicht für eine Medaille.
Für die Schweizer Leichtathletik ist der 10'000-m-Lauf am Samstag nun das Ereignis, auf das alle Blicke gerichtet sind. Lobalu hat dort die Möglichkeit zur Revanche. Seine Ankündigung, den «Fehler» korrigieren zu wollen, macht deutlich, dass er in Birmingham nicht kampflos untergehen will, sondern eine zweite Chance nutzen will.
Die Frage bleibt, ob die Erschöpfung vom 5000-m-Rennen bis Samstag schon abgeklungen ist oder ob die harte Arbeit an der Spitze von Donnerstag seine Leistungsfähigkeit erneut limitiert. Für das Schweizer Team ist klar: Ein weiterer einsatzbereiter Lobalu über 10'000 m würde die Chancen auf ein EM-Edelmetall deutlich erhöhen.