Leonie Hügli hat an der Leichtathletik-EM in Birmingham einen weiteren Meilenstein gesetzt: Die 21-jährige Bernerin steigerte ihren eigenen Schweizer Rekord im Speerwurf auf 62,33 m und sicherte sich damit vorzeitig einen Platz im Final der besten 12.
Starker Wurf bringt direkte Finalqualifikation
Hügli erzielte den weiten Wurf im dritten Versuch und übertraf damit ihre Marke von vor knapp einem Monat in Luzern um 15 Zentimeter. Für die direkte Qualifikation waren mindestens 61,00 m erforderlich. Ihre ersten beiden Versuche lagen bei 58,90 m und 59,52 m, bevor ihr im dritten Durchgang der entscheidende Wurf gelang. Keine Konkurrentin brachte an diesem Tag eine vergleichbare Weite.
«Ich habe gespürt, dass es heute gut kommen kann und bin mega froh, hat es so gut geklappt»,
so Hügli im Interview mit SRF. Sie betonte dabei auch die anspruchsvollen Windverhältnisse, die den Speerwurf zusätzlich erschwerten.
Kontext: Konkurrenz und Schweizer Bilanz
Die zweitbeste Weite in der Qualifikation erzielte die Deutsche Julia Ulbricht mit 60,86 m. Ebenfalls über 60 Meter kamen Sara Kolak (Kroatien) mit 60,82 m und Esra Türkmen (Türkei) mit 60,43 m. Die zweite Schweizer Starterin, Sabrina Boss, blieb bei 55,22 m und verpasste als 17. den Final.
| Platz | Athletin | Nation | Weite |
|---|---|---|---|
| 1 | Leonie Hügli | SUI | 62,33 m |
| 2 | Julia Ulbricht | GER | 60,86 m |
| 3 | Sara Kolak | CRO | 60,82 m |
| 4 | Esra Türkmen | TUR | 60,43 m |
| 17 | Sabrina Boss | SUI | 55,22 m |
Der Final des Speerwurfs findet am Sonntagabend um 20:55 Uhr statt. Hügli gehört dort zu den Anwärterinnen auf vordere Platzierungen, nachdem sie ihre Form kontinuierlich gesteigert hat.
Männer-Staffel erreicht Final – Frauen ohne Medaillenchance
Auch die Schweizer Männerstaffel über 4x400 m zeigte sich in Birmingham in guter Verfassung: Dany Brand, Ricky Petrucciani, Haydn Brotschi und Lionel Spitz qualifizierten sich mit einer Zeit von 3:01,31 für den Final am Sonntagabend. Das Quartett setzte sich hauchdünn vor Polen durch und rangiert unter den acht besten Teams. Nur 0,13 Sekunden fehlten dabei auf den Schweizer Rekord, aufgestellt an der Staffel-WM in Botswana im Mai.
Die Qualifikation hätte noch knapper ausgehen können: Zunächst war Frankreichs Team später disqualifiziert worden, wodurch die Schweizer Mannschaft den Finalplatz endgültig bestätigte.
Bei den Frauen hingegen lief es nicht Richtung Podest. Mélanie Roland, Lena Wernli, Annina Fahr und die kurzfristig eingesprungene Ersatzläuferin für die verletzte Iris Caligiuri konnten nicht in die Medaillenränge vorstossen.
Weitere Schweizer Einsätze und Ausblick
- Jason Joseph wird am Samstag in der 4x100-m-Staffel zum Einsatz kommen und soll die Schweizer Sprintstaffel verstärken.
- Im Siebenkampf der Frauen befindet sich Mitfavoritin Annik Kälin weiterhin auf Kurs; Details zum Zwischenstand wurden im vorliegenden Bericht nicht genannt.
- Der Final des Speerwurfs und der Mannschaftsfinale über 4x400 m stehen am Sonntagabend auf dem Programm und versprechen für die Schweizer Delegation weitere Chancen, sich zu präsentieren.
Die EM in Birmingham bietet für die Schweizer Leichtathletik sowohl Bestätigung als auch Perspektiven: Ein nationaler Rekord, ein Finalplatz der Herren-Staffel und die weitere Präsenz von Spitzenathleten zeigen eine positive Entwicklung. Gleichzeitig erinnert das Ausscheiden einzelner Athletinnen daran, dass auf kontinentaler Bühne jeder Millimeter und jede Hundertstelsekunde zählt.