Das junge Nilkrokodilweibchen Elinor ist vom Bioparc Genève in den Reptilienzoo Füssen im Ostallgäu umgezogen. Der Transport erfolgte in dieser Woche; Bioparc-Direktor Tobias Blaha begleitete das Tier persönlich. Grund für den Wechsel ist, dass das bisherige Becken in Genf für ein auswachsenes Nilkrokodil nicht ausreichend Platz bieten würde.
Wie der Transfer ablief
Der Umzug wurde sorgfältig vorbereitet: Am Morgen vor der Abreise wurde das Wasser aus dem Genfer Gehege abgelassen, zwei Mitarbeitende fingen Elinor von Hand und platzierten sie in einer Transportbox. Drei Tage vor der Fahrt habe das Tier keine Nahrung erhalten, heisst es in den Mitteilungen des Bioparc. In Füssen durchläuft Elinor eine dreiwöchige Quarantäne, bevor sie den Besucherinnen und Besuchern sichtbar gemacht wird.
Hintergrund: Forschung und Herkunft
Elinor war 2022 in Genf geschlüpft. Die Eier stammten aus Südafrika und waren im Rahmen eines Forschungsprojekts an die Universität Genf importiert worden. An der Studie sind neben dem Bioparc das Naturhistorische Museum Genf und die Krokodil-Expertengruppe der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) beteiligt. Ziel der Zusammenarbeit war unter anderem, morphologische Unterschiede zwischen Nilkrokodilen und anderen Arten zu untersuchen.
Warum Genf an der Verlegung mitwirkte
Der Bioparc betont, dass die Anlage in Genf für ein junges Exemplar wie Elinor zunächst passend war, langfristig aber nicht, falls das Tier ausgewachsen ist. Weibliche Nilkrokodile können laut den Angaben eine Länge von bis zu vier Metern erreichen. Aus diesem Grund planen die Verantwortlichen in Füssen eine grössere, langfristige Anlage, die auch einem ausgewachsenen Nilkrokodil angemessenen Raum bieten würde.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Aktuelle Länge von Elinor | 1,20 Meter |
| Geburtsjahr | 2022 |
| Quarantäne in Füssen | 3 Wochen |
| Mögliche Länge ausgewachsener Weibchen | Bis zu 4 Meter |
Auswirkungen auf Genf und regionale Zoopolitik
Der Transfer zeigt exemplarisch, wie kleine, spezialisierte Anlagen in Städten wie Genf mit räumlichen Beschränkungen umgehen müssen. Zoos und Bioparks in urbanen Regionen stehen häufig vor der Herausforderung, Platz für wachsende Tiere bereitzustellen, ohne bestehende städtebauliche und finanzielle Rahmenbedingungen zu überschreiten. Kooperationen zwischen Institutionen – hier zwischen dem Bioparc Genève, der Universität Genf und externen Zoos wie dem Reptilienzoo Füssen – sind eine mögliche Antwort auf diese Herausforderung.
- Tierwohl: Übergangslösungen bis zum Bau grösserer Anlagen
- Forschung: Fortsetzung eines gemeinsamen Projekts zur Krokodilmorphologie
- Öffentlichkeit: Besucherinnen und Besucher sehen Elinor erst nach Quarantäne
Praktische Hinweise für Besucherinnen und Besucher
Für den Bioparc Genève ändert sich die Ausstellungslage durch den Abgang des einzelnen Nilkrokodils; der Park bleibt jedoch wissenschaftlich aktiv. In Füssen wird Elinor erst nach Abschluss der Quarantäne stufenweise an andere Krokodile herangeführt. Die erste Begegnung der Tiere wird demnach durch ein Trenngitter stattfinden, um ihr Verhalten zu beobachten und aggressive Reaktionen zu vermeiden.
Langfristig plant der Reptilienzoo in Füssen einen Neubau, der eine angemessene Anlage für ein ausgewachsenes Nilkrokodil bieten soll. Damit adressiert die Zooleitung sowohl das Platzproblem als auch Haltungsstandards für grosse Reptilien.
Der Fall Elinor illustriert zudem, wie eng Naturschutzforschung und Tierhaltung verzahnt sind: Das Genfer Projekt zur Morphologie von Krokodilen profitierte von der Haltung des Jungtieres in einem städtischen Bioparc, zugleich führte das Wachstum des Tieres zu einer notwendigen Verlegung. Für die Region Genf bleibt wichtig, dass wissenschaftliche Kooperationen und Tierwohl Hand in Hand gehen, auch wenn räumliche Beschränkungen externe Lösungen erfordern.
Weitere Details zum Zeitplan des Neubaus in Füssen oder zu den konkreten Forschungsresultaten aus dem Genfer Projekt wurden von den beteiligten Institutionen bislang nicht detailliert veröffentlicht.