Fraktion fordert Nachbesserung der Entscheidungsgrundlage
Nach der jüngsten Gemeinderatssitzung hat die Fraktion „Wir für Wörgl“ ihre Kritik an der jüngsten Änderung der ÖROK-Beurteilung für das geplante Schwimmbad am Scheiberfeld bekräftigt und verlangt eine sofortige Prüfung einer Neubauvariante am WAVE-Areal. Fraktionsführerin und Gemeinderätin Patricia Kofler forderte Bürgermeister Michael Riedhart zu einer Kurskorrektur auf und bemängelte, dass mögliche Alternativen bislang nicht ausreichend untersucht worden seien.
Kofler betonte, dass es sich beim geplanten Badprojekt um ein Millionenprojekt handele, das transparent und vergleichbar zu entscheiden sei. Ihrer Darstellung zufolge liege dem Gemeinderat bisher keine umfassende und nachvollziehbare Gegenüberstellung der Standorte WAVE und Scheiberfeld vor. Auch sei die vergleichende Untersuchung der beiden Standorte nicht Gegenstand der nun vorliegenden raumplanungsfachlichen Beurteilung gewesen.
„Ein Millionenprojekt zuerst politisch festzulegen und mögliche Alternativen nicht umfassend zu prüfen, ist für mich keine transparente Entscheidungsfindung.“
Argumente für das WAVE-Areal
In ihrer Presseaussendung führt die Fraktion mehrere Punkte an, die das WAVE-Areal weiterhin als prüfenswerte Option darstellen:
- Das Areal sei stadteigen und stünde damit nicht in fremdem Eigentum.
- Nach Meinung der Fraktion seien Infrastruktur, Verkehrserschließung sowie Ver- und Entsorgung dort bereits weitgehend vorhanden.
- Verfügbare Grundstücksflächen der beiden Standorte seien grundsätzlich vergleichbar und böten ausreichend Raum für eine Neubauvariante.
Die Fraktion weist zudem darauf hin, dass trotz Abriss des Bestandsgebäudes und bereits erfolgter Vergabe von Teilen der Flächen im Baurecht das WAVE-Areal nicht zwingend als Schwimmbadstandort ausgeschlossen sei. Deshalb sei eine Prüfung seit Jahren überfällig.
Kostenvergleich als zentrales Argument
Als konkretes Argument führt „Wir für Wörgl“ eine Modellrechnung an, wonach bei einem Bau am Scheiberfeld (BADL) eine Mindestbelastung von rund 42,6 Millionen Euro zu erwarten sei, gegenüber rund 32,5 Millionen Euro beim WAVE. Die Fraktion stellt die Frage, warum die Wörglerinnen und Wörgler über zehn Millionen Euro mehr für die Nutzung eines fremden Grundstücks zahlen sollten, wenn die Stadt selbst einen möglichen Standort besitzt.
| Standort | Geschätzte Mindestbelastung |
|---|---|
| Scheiberfeld (BADL) | 42,6 Millionen Euro |
| WAVE-Areal | 32,5 Millionen Euro |
Die Zahlen stammen aus der von der Fraktion zitierten Modellrechnung; eine detaillierte Offenlegung und Prüfung dieser Kalkulationen fordern die Kritikerinnen und Kritiker.
Folgen für die kommunale Entscheidungsfindung
Die Debatte hat mehrere Implikationen für die weitere Vorgehensweise der Gemeinde:
- Transparenz bei Großprojekten: Anspruch und Realität der Entscheidungsgrundlagen stehen im Mittelpunkt.
- Finanzielle Tragbarkeit: Unterschiedliche Kostenschätzungen beeinflussen Haushaltsplanung und mögliche Zuschüsse.
- Planungs- und Flächenpolitik: Nutzung stadteigener Flächen versus Einsatz fremder Grundstücke.
Aus Sicht der Fraktion sollte zunächst ein verbindlicher, vergleichender Prüfbericht erstellt werden, bevor weitergehende Verpflichtungen eingegangen oder Mittel verplant werden. Die Forderung lautet kurz gefasst: „Erst vergleichen, dann entscheiden“.
Der Gemeinderat hat damit eine politische Entscheidung vor sich, die sowohl städtische Finanzen als auch die künftige Nutzung zentraler Flächen in Wörgl betrifft. Eine Reaktion der Bürgermeisterei oder eine Stellungnahme zur geforderten Neubewertung lag zum Zeitpunkt der Presseaussendung nicht vor.
Die Diskussion um den Schwimmbadstandort dürfte die lokale Agenda in den kommenden Wochen prägen. Offen ist, ob die Stadt eine zusätzliche, unabhängige Kosten- und Standortanalyse in Auftrag gibt und wie rasch eine solche Prüfung erfolgen kann.