Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft steht nach einer neuen Analyse im Verdacht, die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane bei weiblicher Nachkommenschaft zu beeinflussen. Forschende berichten, dass drei Monate alte Töchter von Müttern, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, Auffälligkeiten an Eierstöcken, Gebärmutter und Hormonspiegeln aufwiesen. Die Untersuchung ist im Fachjournal Human Reproduction Open veröffentlicht worden.
Was die Untersuchung fand
Die Autorinnen und Autoren um Margit Bistrup Fischer vom Rigshospitalet in Kopenhagen beobachteten bei den Säuglingen mehrere Unterschiede im Vergleich zu Kindern unexponierter Mütter. Konkret wurden demnach festgestellt:
- kleinere Eierstöcke bei den betroffenen Mädchen,
- weniger Follikelanlagen,
- kleinere Uteri und
- niedrigere Spiegel bestimmter Fortpflanzungshormone.
Diese Befunde stimmen laut den Forschenden mit Ergebnissen aus Tierversuchen überein, in denen Paracetamol während der Trächtigkeit mit eingeschränkter Fruchtbarkeit und einer verkürzten reproduktiven Lebensspanne der weiblichen Nachkommen assoziiert war.
| Beobachtung | Betroffene Struktur |
|---|---|
| Kleinere Größe | Eierstöcke, Gebärmutter |
| Weniger Anlagen | Follikel (Eizell-Anlagen) |
| Niedrigere Werte | Fortpflanzungshormone |
Wichtig: Beobachtung, keine Kausalität
Die Forschenden betonen selbst, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Das bedeutet: Die Daten zeigen einen Zusammenhang, liefern jedoch keinen Beweis dafür, dass Paracetamol die Ursache für die festgestellten Unterschiede ist. Wie die Studiengruppe erklärt, müssen mögliche Störfaktoren und alternative Erklärungen geprüft werden, bevor man von einer ursächlichen Wirkung sprechen kann.
Die Autorinnen und Autoren weisen außerdem darauf hin, dass die Basis für die spätere Fruchtbarkeit bereits im Mutterleib gelegt wird: Mädchen werden mit dem gesamten Vorrat an Eizell-Anlagen geboren, der ihr lebenslang zur Verfügung steht. Ist dieser Vorrat reduziert, könnte das langfristige Folgen für die Fruchtbarkeit oder das Alter der Menopause haben — ob dies bei den beobachteten Abweichungen tatsächlich der Fall ist, bleibt jedoch offen und erfordert längerfristige Nachbeobachtungen.
Konsequenzen für Schwangere und die Gesundheitsversorgung
Paracetamol gilt derzeit vielfach als bevorzugtes Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft, weil es im Vergleich zu anderen Substanzen als relativ sicher angesehen wird. Angesichts der neuen Befunde fordern die Forschenden weitere Untersuchungen, um mögliche Risiken besser einordnen zu können. Bis belastbare kausale Zusammenhänge vorliegen, empfehlen Fachleute in der Regel, Medikamente in der Schwangerschaft bewusst und möglichst sparsam einzusetzen sowie ärztlichen Rat einzuholen.
Für die klinische Praxis bedeutet das:
- Schwangere sollen die Einnahme von Medikamenten mit ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt besprechen.
- Bei Beschwerden wie Fieber oder starken Schmerzen bleibt eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung zentral.
- Forschung und Langzeitdatenerhebungen sind nötig, um Empfehlungen zu präzisieren.
Die Studie liefert einen Anlass zur weiteren wissenschaftlichen Prüfung, ersetzt aber keine unmittelbare Umstellung von Therapieempfehlungen. Gesundheitsbehörden und Fachgesellschaften werden die Ergebnisse wohl in ihre laufenden Bewertungen einbeziehen müssen.
Als Ressort Gesundheit ist es wichtig, diese Ergebnisse kritisch und nüchtern einzuordnen: Sie zeigen Hinweise auf mögliche Effekte, doch die zentrale Frage nach einer direkten Ursache und den tatsächlichen langfristigen Folgen für Fruchtbarkeit und Menopause bleibt derzeit unbeantwortet.