Im Kinderhospiz Lichtblickhof schaffen Tiere nach Angaben der Therapeuten Räume der Nähe und Sicherheit, die verbale Angebote allein oft nicht erreichen. Aus Erfahrung von Renate Deimel und Roswitha Zink begleiten Pferde, Hunde, Kaninchen, Schafe und zwei Kater schwer kranke und traumatisierte Kinder durch Angst, Schmerz und Abschied.
Praxisbericht und Vortrag in Salzburg
Die beiden Therapeutinnen stellen ihre Arbeit am 16. September um 19 Uhr im SN‑Saal in Salzburg vor; die Veranstaltung wird auch per Livestream übertragen. Im Mittelpunkt stehen die praktischen Erfahrungen, wie Tiere ausgebildet und in therapeutische Abläufe im Hospiz eingebunden werden. Grundlage der Ausführungen bildet unter anderem das Buch „Dr. Katze – Therapie auf samtenen Pfoten“, in dem die Autorinnen Beispiele aus ihrer täglichen Arbeit zusammengeführt haben.
Warum Tiere in der Therapie eingesetzt werden
Deimel und Zink betonen, dass Tiere Beziehungen öffnen können, wo Menschen an kommunikative oder emotionale Grenzen stoßen. Im Hospizkontext können Tiere
- Kontakt und Nähe herstellen, ohne Druck zur verbalen Verarbeitung aufzubauen,
- Angst und Anspannung durch beruhigende körperliche Präsenz mindern,
- kindliche Ressourcen aktivieren und ritualisierte Routinen unterstützen,
- Familien und Bezugspersonen neue Zugänge zu belasteten Kindern ermöglichen.
Die Autorinnen schildern die tiergestützten Interventionen als Ergänzung zu psychologischer, palliativmedizinischer und sozialarbeiterischer Betreuung. Sie weisen zugleich auf die sorgfältige Auswahl und Ausbildung der Tiere sowie auf Hygiene‑ und Sicherheitsstandards hin, die in sensiblen Settings wie einem Kinderhospiz unabdingbar sind.
Konkrete Tierrollen im Lichtblickhof
Die Vielfalt der eingesetzten Tiere entspricht dem unterschiedlichen Bedarf der Kinder: Manche suchen die kraftvolle, beruhigende Präsenz eines Pferdes, andere finden Trost bei kleineren Tieren. Ein Überblick:
| Tier | Rolle / Wirkung |
|---|---|
| Pferde | körperliche Nähe, Sinnesinputs, Stabilität |
| Hunde | Angebot von Zuwendung, emotionale Regulation |
| Kaninchen | sanfte Berührung, beruhigende Interaktion |
| Schafe | Ritualisierte Betreuung, Gruppenkontakte |
| 2 Kater | ruhige, vertraute Anwesenheit, Streichelkontakt |
Wissenschaftlicher und ethischer Rahmen
Die SN‑Reihe „Meine Gesundheit“ bringt in ihrem Beitrag überwiegend praktische Erfahrungen und Fallbeispiele ein. Solche Praxisberichte liefern wertvolle Hinweise für die Umsetzung, ersetzen aber nicht die systematische Evaluation therapeutischer Wirksamkeit. Aus Sicht versorgungsorientierter Medizin sind deshalb drei Punkte entscheidend:
- Qualitäts‑ und Ausbildungsstandards für Tiere und Therapeutinnen/ Therapeuten,
- Transparente Hygienekonzepte und Risikobewertung für immunsensible Patientinnen und Patienten,
- Evaluation der Effekte auf Belastung, Schmerz und Lebensqualität in geeigneten Studien.
Die Vortragenden setzen genau da an: Sie zeigen praktikable Wege der Integration tiergestützter Interventionen in eine interdisziplinäre Betreuung, dokumentieren aber zugleich auch die Notwendigkeit sorgfältiger Vorbereitung und Begleitung.
Folgen für die Versorgungslandschaft
Wenn tiergestützte Angebote in Hospizen und anderen Einrichtungen häufiger zum Einsatz kommen, ergeben sich organisatorische und finanzielle Fragen: Wer trägt Ausbildungskosten für die Tiere, wie werden personelle Ressourcen organisiert, und wie lassen sich Qualitätskriterien verbindlich machen? Die Praxisberichte aus dem Lichtblickhof können Anstoß geben, solche Fragen für die österreichische Versorgungslandschaft zu diskutieren und modellhafte Standards zu entwickeln.
Die Veranstaltung in Salzburg bietet eine Gelegenheit, konkrete Erfahrungen zu hören und in den Austausch zu treten — sowohl für Fachleute als auch für Angehörige und Interessierte. Wer nicht vor Ort sein kann, hat die Möglichkeit, den Vortrag im Livestream zu verfolgen.