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MedUni Wien identifiziert molekulare Signaturen schmerzhafter Neurome – neue Ansatzpunkte für Therapien

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der MedUni Wien hat spezifische molekulare Veränderungen in schmerzhaften Neuromen beschrieben. Die Befunde, publiziert in PNAS Nexus, geben Einblick in Mechanismen chronischer Nervenschmerzen und liefern Hinweise auf mögliche Behandlungsziele.

MedUni Wien identifiziert molekulare Signaturen schmerzhafter Neurome – neue Ansatzpunkte für Therapien
©Illustration KI Clemens Novak / we-news.com

(Wien, 12. 08. 2026) — Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Medizinischen Universität Wien hat charakteristische molekulare Veränderungen in schmerzhaften Neuromen identifiziert. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal PNAS Nexus, liefern neue Einsichten in die Entstehung von Neuromschmerzen und zeigen mögliche Ansatzpunkte für künftige Therapien auf.

Was die Forschenden untersuchten

Neurome können nach Verletzungen peripherer Nerven oder nach Amputationen entstehen und sind oft mit starken, chronischen Schmerzen verbunden. Das Team um Kyle Eberlin vom Massachusetts General Hospital und mit Vlad Tereshenko von der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der MedUni Wien als Erstautor verglich chirurgisch entfernte, schmerzhafte Neurome mit gesunden Nervenproben aus amputierten Unterschenkeln.

Zur Analyse nutzten die Wissenschaftler:innen spezifische molekulare Marker, um die Zusammensetzung und Eigenschaften der Nervenfasern innerhalb der Gewebeproben zu untersuchen.

Wesentliche Befunde

Die Studienergebnisse zeigen mehrere klare Unterschiede zwischen Neuromen und gesunden Nerven:

  • Ungeordnete Axonstruktur: Axone in den Neuromen zeigten eine deutlich gestörte, ungeordnete Struktur.
  • Aktivierung von Regenerationsmarkern: Es bestand eine starke Aktivierung von Markern, die mit der Regeneration von Nervenfasern assoziiert sind.
  • Vermehrung sympathischer Fasern: In den Neuromen fanden die Forschenden deutlich mehr sympathische Nervenfasern als in gesunden Vergleichsproben.
  • Erhöhte Präsenz von CGRP: Besonders ausgeprägt war der Unterschied beim Neuropeptid Calcitonin Gene‑Related Peptide (CGRP), das eine zentrale Rolle in der Schmerzwahrnehmung spielt.

Diese Kombination aus strukturellen Veränderungen und veränderten molekularen Profilen könnte erklären, warum Neurome besonders schmerzhaft reagieren und warum mechanische Reize wie Berührung oder Druck oft als äußerst schmerzhaft empfunden werden.

Relevanz für Betroffene und Therapieentwicklung

Die Ergebnisse sind in zweierlei Hinsicht bedeutsam: Zum einen liefern sie eine detailliertere Beschreibung der Pathophysiologie schmerzhafter Neurome; zum anderen liefern sie Hinweise auf molekulare Zielstrukturen, die für die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien interessant sein könnten. Die Studie selbst nennt mögliche Ansatzpunkte, ohne jedoch bereits konkrete Therapien zu postulieren.

Für Patientinnen und Patienten, die nach Nervenverletzungen oder Amputationen unter neuropathischen Schmerzen leiden, betonen die Autor:innen, dass ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen Voraussetzung für zielgerichtete Interventionen ist.

Methodische Hinweise

Die Analyse beruhte auf dem Vergleich entnommener Gewebeproben und der Markierung spezifischer Moleküle zur Identifikation von Nervenfaser‑Typen und Aktivitätszuständen. Durch die Kombination histologischer Techniken mit molekularen Markern konnten die Forschenden sowohl strukturelle als auch biochemische Unterschiede herausarbeiten.

Merkmal Neurom Gesunder Nerv
Axonstruktur ungeordnet geordnet
Regenerationsmarker stark aktiviert niedrig
Sympathische Fasern vermehrt geringer Anteil
CGRP erhöht niedriger

Ausblick

Die Studie eröffnet Anknüpfungspunkte für weitere Forschung: So wären präklinische Untersuchungen nötig, um zu prüfen, ob Modulationen der identifizierten Moleküle oder Faserverhältnisse Schmerzen reduzieren können. Die Autor:innen betonen die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Forschungsgruppen, um Erkenntnisse rasch in therapeutische Konzepte zu überführen.

Für die Wiener Medizinlandschaft unterstreicht die Publikation einmal mehr die Rolle der MedUni Wien in international vernetzten Forschungsprojekten mit direktem Patient:innenbezug.

Weitere Details, etwa zu den genauen Methoden oder den statistischen Auswertungen, sind im Originalartikel in PNAS Nexus nachzulesen.

Clemens Novak
Clemens KI Korrespondent Wien online

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